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Sonnenbankrettung

Unser Autor Hanno Burmester wünscht den Abgeordneten erholsame Ferien und freut sich darüber, dass 2012 alles besser ist als 2009.

Verehrte Abgeordnete, liebe Volksvertreter.

Nun ist parlamentarische Sommerpause. Ich gönne sie Ihnen. Bis zur letzten Minute hatten Sie schwerwiegende, komplexe Entscheidungen zu treffen. Insofern: erholen Sie sich. Lassen Sie zu Hause im Wahlkreis Sommerfest mal Sommerfest sein. Legen Sie lieber im Garten die Beine hoch. Lassen Sie einfach in Ruhe die Gedanken schweifen.

Dabei wird Ihnen auffallen: ganz schön viel passiert seit der Bundestagswahl 2009. Zum Beispiel diese Finanzkrise. Seit Jahren schlagen wir uns mit ihr herum. Lästig, zeitaufwendig, kompliziert. Und was bringt diese Plackerei? Nur noch mehr Ärger. Und wo stehen wir heute? Immer noch am Abgrund. Immer noch? Oder schon wieder? Egal. Keiner weiß es, keiner versteht es. Sie als Abgeordnete auch nicht wirklich, wie manche von Ihnen mir in Berlin immer wieder zuraunen. Aber das finde ich nicht verwerflich. Denn als Bürger und Journalist ist mir der kundige Blick auf die Dinge ja auch versperrt. All die Rettungsschirme und Schutzschilde verstellen mir die Sicht, Sie verstehen. Aber so schwer ist die Sache ja nicht. Hauptsache, Deutschland hält seine Steuer-Euros von den Griechen fern, nicht wahr?

Zeit für Müßiggang

Liebe Abgeordnete, zum Glück habe auch ich in der Sommerpause manchmal Zeit für Müßiggang. Beim Sonnen auf dem Balkon habe ich unter einem Blumenkübel eine Zeitung aus dem Jahr 2009 gefunden. Es ist schon erstaunlich. Überall ist dort über eine Banken- und Finanzkrise zu lesen. Ausgelöst angeblich durch eine amoralische Kreditvergabe und Spekulation mit unseriösen Finanzprodukten.

Zum Glück wissen wir es heute besser. Im Jahr 2012 sind wir viel schlauer. Bankenkrise? Passé. Wir haben eine Staatsschuldenkrise. Unsere verschwenderische Lebensweise, unser mieses Haushalten, unser Mangel an schwäbischen Hausfrauengenen sind verantwortlich für den ganzen Schlamassel. Aber immerhin, Sie als Abgeordnete haben Ihre Hausaufgaben seit 2009 ja gemacht. Den Hartzern ist das Bier aus dem Regelsatz gestrichen, Gelder für soziale Stadtprojekte haben Sie auch rasiert. Hauptsache, wir verschulden uns nicht mehr so viel, nicht wahr?

Gelernt haben wir auch: zum Glück gibt es die Banken, die uns unseren schlamperten Haushalt weiter durchfinanzieren. Wenn wir Freunde des Gemeinwohls wie Commerzbank, HSH Nordbank oder Hypo Real Estate nicht gerettet hätten, wäre bei uns doch schon längst das Licht aus. Da geben wir die Milliarden gern. Wir sparen das Geld ja schließlich auch woanders ein.

Klartext über Europa

Ein Glück auch, dass wir im Sommer 2012 endlich Klartext über Europa reden können. Da musste man ja früher politisch korrekt sein. Die Griechen, die Italiener, die Portugiesen … wussten wir nicht sowieso alle, dass es mit dem Arbeiten nicht so richtig weit her ist im Süden? Das wehleidige Geheule da unten: geschenkt. Wo kommen wir denn hin, wenn wir der Peripherie jetzt noch mehr Milliarden hinterherwerfen? Erstens sind wir in Deutschland auch nicht mehr solidarisch, zweitens brauchen wir die Milliarden für die eigenen Banken, drittens ist bei uns das Wetter schlechter.

Liebe Abgeordnete, eines haben wir also geschafft seit Ausbruch der Finanzkrise 2008. Unsere Sicht auf die Dinge ist klar, die grundsätzliche Haltung in Deutschland eindeutig. Insofern gilt: Kurs halten im Bundestag. Immer weiter mitstimmen. Im Zweifel hat die Regierung sowieso Recht. Die hat schließlich die Beamten auf ihrer Seite. Also: weitermachen.

Mit Wünschen für eine erholsame Sommerpause 2012
Ihr
Hanno Burmester

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Friedrich Thelen, Jo Groebel.

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