Redefreiheit ist das Leben. Salman Rushdie

Wofür zahlen im Internet?

Traditionelle Inhalte werden sich im Internet auch mit modernen Geräten nicht gewinnbringend verkaufen lassen. Erst wenn die Journalisten Nischenprodukte und eine alternative Diskurskultur bedienen können, lohnt es sich, über “Paid Content” nachzudenken.

Mit seriösem politischem Journalismus im Internet Geld zu verdienen, daran beißen sich fast alle Protagonisten die professionellen Zähne aus. “Paid Content” lautet in letzter Zeit das vermeintliche Erfolgs- oder besser: Erlösungskonzept. Fast niemand traut sich da heran, aus guten Gründen.

Das Internet besticht durch seine Fähigkeit, quasi ungehinderten Daten- und damit Informationsaustausch zu ermöglichen und somit einem demokratischen Ideal, das auf umfänglicher Informiertheit seiner Mitglieder aufbaut, nahe zukommen. Nun sucht seit einigen Jahren auch der “klassische” Journalismus seinen Platz in der Netzwelt – zu Recht! – und stößt auf das selbe Problem wie im “Real Life”: wie finanzieren?

“copy & paste” sind zwei zu starke Gegner

Es ist in der Tat schwer, für journalistische Inhalte, die schon im Printbereich kaum noch rentabel sind, ein Finanzierungskonzept in der anarchischen Onlinesphäre zu finden – “copy & paste” sind zwei zu starke Gegner.
Es ist bezeichnend, dass die meisten politischen Informationsangebote im Internet entweder von den großen Print-Verlagshäusern abhängen oder gar vom Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunk. Dass diese, wie jüngst im Konflikt zwischen Axel-Springer-Verlag und tagesschau.de um eine iPod-Application publikumswirksam eskalieren, ist zwar ungewöhnlich, passt aber zur angespannten Stimmung: Praktisch niemand verdient Geld mit politischen Inhalten im Internet! Werbung, lange der Hoffnungsanker für den professionellen Teil der Online-Journaille, warf noch nie viel ab, und seit der Wirtschaftskrise ist diese Geschäft in seiner klassischen Ausrichtung fast zum erliegen gekommen – selbst Google spürt das bereits, und andere einstige Internetstars wie Facebook werden das noch ganz anders zu spüren bekommen.

Der Raum wird eng

Denn Geld verdient nur, wer etwas Exklusives anzubieten hat. Im politischen Bereich heißt das: Informationen, die sonst keiner hat und demjenigen einen individuellen Vorteil versprechen, der sie früh hat. Wo es ein Quasi-Nachrichtenmonopol weniger kostenloser Online-Anbieter wie spiegel.de, bild.de, faz.net und Weiterer gibt, wird der Raum für andere kommerzielle Modelle eng. Sicher, es gibt Paid-Content-Angebote, die sich rentieren, z.B. von der britischen Financial Times, die für einen Monatsbeitrag bestimmte Inhalte an ihre Abonnenten exklusiv vorab veröffentlich. Aber sie bietet auch Infos, die den Rezipienten geldwerte Vorteile verschaffen, und Bezahlung damit rechtfertigt. Welche rein politische Informations-Plattform kann das?

Nein, die Zukunft des professionellen, politischen Journalismus im Netz liegt darin, besondere Themen aufzugreifen, vielleicht sogar anscheinend abseitige Anliegen zu vertreten, eine alternative Diskurskultur zu erschaffen. Gelingt dies, so kann beizeiten sogar über “Paid Content” nachgedacht werden – aber das ist in der Tat Zukunftsmusik…

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Steffen Greschner, Jeff Jarvis, Anton Waldburg.

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