Geiz ist nicht geil

Hademar Bankhofer16.10.2010Gesellschaft & Kultur

Fast Food statt Qualitätsessen – das kann nicht gut sein. Neben der Gesundheit leidet auch das Kommunikationsverhalten zwischen Mikrowelle und Fernsehsessel. Ein Vorbild können die Franzosen sein: Die geben deutlich mehr fürs Essen aus. Vive la France!

“Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden!” Dieser Satz von Oscar Wilde lässt sich auf einen großen Teil der deutschen Bevölkerung nicht übertragen. Wir nähern uns rasant amerikanischen Verhältnissen: Neben einer kleinen Gruppe von Menschen, die auf gesunde Ernährung mit Bioprodukten achtet, gelten für eine große Schicht die Kriterien: Es muss billig sein und viel! Irgendwie hat sich das Ernährungsmärchen in die Gehirne vieler Frauen und Männer eingeschlichen, dass gesund zu kochen und zu essen eine Frage von Zeit und Geld sei. Längst aber haben Experten auf diesem Gebiet nachgewiesen, dass es nicht viel mehr Geld und Zeit kostet, wenn man mit hochwertigen frischen Lebensmitteln köstliche Gerichte zubereitet. Und sie haben auch nachgewiesen, dass die vielen Fertigprodukte, die heute angeboten werden, im Grunde genommen viel Geld kosten und als Dauerernährung den Organismus nicht mit genügend Vitaminen, Ballaststoffen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Enzymen und Bioaktivstoffen versorgen. Hin und wieder ist gegen Fast Food und Fertiggerichte nichts einzuwenden. Aber in der täglichen Ernährung werden sie bedenklich.

Fast Food darf kein tägliches Ritual werden

Fertigprodukte können jegliches Familienleben lahmlegen, können jede Kommunikation boykottieren. Jeder in der Familie kommt zu einer anderen Zeit nach Hause. Keiner wartet auf ein gemeinsames Essen, bei dem man auch viele Fragen des Alltags abklären könnte. Jeder holt sich sein gewohntes Menü aus der Tiefkühltruhe, schiebt es in den Mikrowellenherd, setzt sich vor das Fernsehgerät und isst ohne bewussten Genuss. Dabei will er nicht gestört werden. Vielleicht verfolgt er sogar gerade einen Spitzenkoch à la Johann Lafer oder Alfons Schuhbeck, der etwas Frisches, Gesundes zubereitet. Viele Deutsche sind bereits so sehr auf den Geschmackverstärker Glutamat eingestellt, dass ihnen gar nichts anderes mehr schmeckt. An sich wäre Glutamat nichts Schlimmes, wenn die Deutschen es nicht in so riesigen Mengen konsumieren würden. Nur so kommt es, dass vielen die Suppe oder das Kartoffelpüree aus der Tüte bereits besser mundet als die Frischversion. Und da wird es bedenklich.

Vom Glutamat verführt

Viele Deutsche haben mit dem täglichen Essen zwei große Probleme: Sie wollen weder Zeit noch Geld dafür ausgeben. Sie geizen mit beidem. Und das ist sowohl der Gesundheit als auch der Lebensqualität abträglich. Die Franzosen wissen, wie es geht. Sie geben fast doppelt so viel Geld ihres monatlichen Verdienstes fürs Essen aus wie wir Deutschen. Und sie zeigen, dass man sich auch in der heutigen hektischen Zeit durchaus gemütlich zum Essen zusammensetzen kann. Ganz zu schweigen davon, dass Essen im Stehen – etwa an einer Wurstbude – für die Verdauung ganz und gar nicht förderlich ist. Viele Deutsche greifen im Supermarkt zum billigsten Gemüse und reden es sich gesund. Sie müssten eigentlich wissen, dass nur heimische Ware aus der Region wirklich reif geerntet werden kann und alle Vitalstoffe liefert, während Gemüse, das tagelang kreuz und quer durch Europa gekarrt wurde, nicht ausgereift und daher auch nicht wertvoll sein kann. Auch bei Billigfleisch ist die Gefahr von Gammelware groß. Auf einen Nenner gebracht, muss man sagen: Der in Deutschland so beliebte Werbespruch “Geiz ist geil!” ist auf dem Gebiet der Ernährung auf die Dauer gesundheitsschädlich, ja, mitunter sogar lebensgefährlich.

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