Petra Köpping: "Integriert doch erst mal uns!"

von Gunter Weißgerber28.10.2018Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Für Köpping gab es die DDR mit ihrer system-immanenten Inkompetenz in der Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht. Sie beschreibt eine Art DDR-Fortsetzungsgeschichte ohne deren ersten Teil zu erwähnen. Der wirtschaftliche Zusammenbruch erfolgte bei Köpping nach der Deutschen Einheit infolge bundesdeutscher Politik, kritisiert Gunter Weißgerber das Buch von Petra Köpping.

Für alle, die es nicht wissen (können), „Weltall-Erde-Mensch“ war das Jugendweihe-Standardwerk in der DDR, in dem die Zivilisations- und Technikgeschichte auf das Prokrustesbett des „Dialektischen und Historischen Materialismus“ gezwungen wurde. Dabei war nicht alles falsch, sozialistisch zurecht gebogen war jedoch alles. Der intellektuell nicht zu 100 Prozent auf sozialistischer Droge stehende Ostdeutsche wusste vigilant (sächsisch viechelant) mit der Anekdotensammlung umzugehen. Das „zwischen den Zeilen lesen“-Können war allgemeiner Standard und hilft unerwarteterweise sogar seit 2015 in der bundesdeutschen Medienwelt weiter. Orwell lässt grüßen.

Nicht nur Orwell lässt grüßen, die SPD Sachsen grüßt mit. Auf der Suche nach dem vergessenem Wähler fordert sie eine Wahrheitskommission zur „Aufarbeitung der Treuhand“. Ostdeutschland wurde demnach wie Südafrika mittels Apartheid unter Kontrolle gehalten. Was die Buren als Weiße den Schwarzen antaten, sollen demnach Westdeutsche an den Ostdeutschen vollzogen haben? Absurd und fake news.

Statt über Halbwissen aufzuklären wird Verdummung fortgeschrieben. Die Historisch-Materielle Grundlage für die Forderung nach einer Wahrheitskommission ist Petra Köppings Buch „Integriert doch erstmal uns!“

Ich habe das Buch nach wichtigen Namen durchsucht. Namen, die gleichzeitig mit realen Ereignissen und politischen Ausrichtungen in enger Beziehung stehen. Günther Mittag und Gerhard Schürer sind in Köppings Anekdotensammlung nicht auffindbar. Kein Verweis auf die „Staatliche Plankommission“ und Schürers‘ Bericht vom 30.10. 1989 an das Politbüro der SED. Die Suche lässt sich mühelos fortsetzen.

Für Köpping gab es die DDR mit ihrer system-immanenten Inkompetenz in der Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht. Sie beschreibt eine Art DDR-Fortsetzungsgeschichte ohne deren ersten Teil zu erwähnen. Der wirtschaftliche Zusammenbruch erfolgte bei Köpping nach der Deutschen Einheit infolge bundesdeutscher Politik.

Anders als Köpping, der höchstens Bleistift oder Kugelschreiber an ihrem DDR-Schreibtisch fehlten, vermochte der ostdeutsche Normalbürger ganze Lieder über Ersatzteilmangel, desolate Industrieanlagen, kaputte Landschaften usw. usf. zu singen.

Die DDR war 1989 wirtschaftlich und sozial auf dem Wege nach Rumänien und keinesfalls in der Lage, aus eigener Kraft das Ruder herumzureißen. Was nicht an den Menschen lag. Das hätte Petra Köpping schon erklären können. Wenigstens das.

Es war die Klugheit der Ostdeutschen, nicht mit einem „Dritten Weg“ auf einen weiteren Sozialismusversuch nach nationalen und realen Sozialismusversuchen zu setzen und den Parteien, die die Deutsche Einheit wollten, am 18. März 1990 ihr klares Mandat zu geben.

Petra Köpping öffnete uns vor einigen Wochen öffentlich ihr Herz. Auch sie sei durch „Wutbürger“ aus dem Amt (erstmals Bürgermeisterin von Großpösna bis Mai 1990) gejagt worden. Der Satz lässt tief blicken. Verachtung pur. Die Montagsdemonstranten 1989/90 als Wutbürger, das ist neu. Abgesehen von dieser Sicht, der Akt des aus dem „Amt Jagens“ fand so nicht statt. Die Kommunalwahlen 1989 waren (wie immer) gefälscht und wurden im Mai 1990 wiederholt. Petra Köpping verlor also ihr 989 zugeschanztes Amt 1990 auf demokratischem Wege. Auch diese Wahrheit fehlt in ihrem Buch.

Cui bono? Das Ziel scheint klar. Die SPD wärmt die Märchen und Sagen der Gebrüder Gysi/Modrow auf und hofft auf Anschluss bei dem Teil der Bevölkerung, der noch immer nicht weiß, wieso es zum Zusammenbruch der DDR kam. Weder ist dieser Wähleranteil für die SPD relevant, noch für die SPD aktivierbar. Viele dieser Wähler sind schon längst auf dem Nenner, „bis 2015“ war es doch ganz schön hier. Wenn die SPD darüber nicht nachzudenken bereit ist, wird sie außer dem Fortschreiben von Halb- und Nichtwahrheiten nicht viel zu Wege bringen.

Für ostdeutsche Interessen in Gesamtdeutschland vorangehen, sich mit der irren Mainstreamlinie der Mutterpartei anlegen und erkennbar werden, Aufklären statt Vernebeln – das wäre ein Erfolgstripp der Sachsen-SPD.
Dazu gehört Mumm, der nicht vorhanden ist.

Eine Wahrheitskommission zur Treuhandanstalt gab es übrigens schon. Der Treuhanduntersuchungsausschuß wurde 1993 vor allem auf Betreiben der SPD eingesetzt.

Quelle: Weissgerber – Freiheit”:https://www.weissgerber-freiheit.de/2018/10/16/weltall-erde-mensch-2-0/

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