Zwei Geschichts-Chirurgen: Karsten Krampitz und Björn Höcke

von Gunter Weißgerber13.10.2018Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Wie sie sich doch immer wieder treffen, die Verharmloser, die Leugner. Heuer sind es Karsten Krampitz/Linksaußen und Björn Höcke/Rechtsaußen. Beider Botschaft ist ein und dasselbe Lied: „Es war nicht alles schlecht in…“. Karsten Krampitz bemühte sich am 3. Oktober 2018 im Deutschlandfunk mit „DDR neu erzählen“, Björn Höcke mutete uns seinen Dresdner Vortrag am 19.01.2017 zu.

Selbstverständlich war nicht alles schlecht. Weder in der DDR noch im Dritten Reich. Wo die Arier auf Kosten der Nichtarier soziale Wohltaten konsumierten, hatten die anderen mit dem richtigen Parteiabzeichen auch die besseren Lebenschancen. Was ohnehin für jede Diktatur gilt. Sei sie Rechts- oder Linksextrem oder islamistisch.

Spreu und Weizen trennen Demokraten nicht an Otto, der im System nicht aneckte, sondern am System, welches Ottos‘ Anecken der Lebensgefährlichkeit unterwarf und Duckmäusergesellschaften schuf bzw. schafft.

Das Dritte Reich kannte keine freien Wahlen, kein demokratisches Parlament, keine Gewaltenteilung. Dafür hatte es eine politische Geheimpolizei, deren Wirken in Zuchthaus und Lager führen konnte und das tatsächlich millionenfach tat

Die DDR kannte ebenfalls weder freie Wahlen, noch demokratische Parlamente, noch Gewaltenteilung. Die politische Geheimpolizei der DDR herrschte über Gefängnisse und Zuchthäuser, anfangs auch über Lager und bereitete in ihrem letzten Lebensjahrzehnt erneut Lager vor. Die Zahl der Opfer ging in die Hunderttausende. Der Umstand, keine (industriellen) Massenmorde organsiert und keinen Krieg geführt zu haben, macht die DDR dem Dritten Reich nicht gleichsetzbar. Das ist richtig. Doch ist das nicht das Verdienst des SED-Staates. 1953 starb der Massenmörder Stalin und selbst die ruhmreiche Sowjetunion fraß von Stund‘ an weniger Menschenleben. Eine Diktatur blieb sie dennoch, wie die DDR auch.

Korrekt vergleich- und in ihren Auswirkungen gleichsetzbar sind allerdings die Ideologien Nationalsozialismus und Kommunismus. Das gilt sowohl für die Mechanismen als auch die Opferzahlen. Und hier komme ich wieder zur DDR des Karsten Krampitz: Die Massenmörder Lenin, Stalin und Mao waren bis zuletzt Säulenheilige der DDR-Propaganda und im DDR-Schulsystem. Wenn auch Mao als Abtrünniger seit den 50er Jahren nicht ganz so wohlgelitten war und Stalin nach 1956 nur noch aus der glorreichen Ecke auf uns schielte. Kritisieren durfte man diese Scheusale nicht. Soweit wegen waren Bautzen und Hohenschönhausen nicht.

Als Kommunisten im Sinne dieser Altvorderen sah sich jedenfalls bis in den Herbst 1989 sämtliche SED-Führungskader unabhängig der jeweiligen Ebene. Zu „Sozialisten“ mutierten sie erst aus Tarnungsgründen nach dem 9. Oktober 1989 getreu der Devise „Machtlos als Sozialisten – an der Macht als Kommunisten“.

Diesen allgemein und öffentlich zelebrierten Sprachgebrauch „Kommunist zu sein“, mögen die meisten ehemals Westdeutschen aus der Beobachtung von drüben aus nicht kennen und sehr viele Ostdeutsche vergessen haben. Es hieß damals ja auch immer in den gelenkten DDR-Medien „Kommunistische und Arbeiterparteien“ der Welt und die SED bezeichnete sich dabei immer als kommunistische Partei. Alles vergessen?

Krampitz beschreibt seine Eltern im „Freitag“ 34/2017 als kleine Leute. Das mag zutreffen. Doch waren sie kleine überzeugte Leute, oder? Ob sich Krampitz‘ Eltern jeder DDR-Bürger frei und offen nähern konnte oder ob er/sie wie in unendlich vielen anderen Fällen in politischen Fragen besser doch zurückhielt? Man konnte ja nie wissen….

Karsten Krampitz wird das nicht beantworten können. Das muss er auch nicht. Darum geht es mir nicht. Es geht um was anderes. Überzeugten DDR-Bürgern gegenüber war der normale DDR-Bürger instinktiv sehr sehr vorsichtig. Man konnte nie wissen, ob es weitergetragen würde. Nicht weil jedes SED-Mitglied als MfS-verdächtig galt. So einfach war das auch nicht. Aber „richtig Überzeugte“ brauchten das MfS doch gar nicht. Die konnte auch so gefährlich sein. Genau das dürfte Karsten Krampitz nie verstehen und deshalb mag er die ehemaligen Häftlinge nicht die Besucher durch Hohenschönhausen führen lassen.

Zurück zu Krampitz und Höcke. Was dem einen seine „Andere Wende“ ist dem anderen seine “Wir brauchen eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad”. Unterscheiden tun sich beide dabei lediglich im Stil, Krampitz ist eindeutig gefälliger. Im Ziel, als Enterbte die Testamente anzufechten, unterscheiden sie sich nicht.

Bleibt mir nur es mit vielen Leipzigern von 1989 zu sagen: „Nie wieder Diktatur, weder eine rechte noch eine linke! “

Quelle: “Weissgerber – Freiheit”:www.weissgerber-freiheit.de

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