Botschaften aus dem Jenseits

von Gunnar Sohn17.04.2013Medien

Unternehmen müssen sich von ihrem Kampagnen-Denken verabschieden. Die Zeiten sind vorbei, in denen sie einfach ihre Botschaften in die Welt blasen konnten.

Hat Jonah Peretti die perfekte Formel für virale Reproduktion gefunden? Eine Mem-Maschine auf den Spuren von Richard Dawkins, um Geschichten im Internet nach einem Algorithmus zu verbreiten? 2006 gründete der MIT-Absolvent Peretti mit “BuzzFeed / einen profanen Aggregator für witzige Tierbildchen und Tratschgeschichten. Mittlerweile liegt die Nutzerzahl bei 40 Millionen. Der Dienst verfügt über einen Chefredakteur und überrascht mit exklusiven Meldungen zu harten politischen Themen. Eine Melange aus ernsthaften Nachrichten und putzigen Katzenvideos.

News brauchen auch emotionale Intelligenz

Für das deutsche Feuilleton sicherlich eine Zumutung, für Peretti eine sehr menschliche Komponente: „Verlegerische Tätigkeit ist wie ein Pariser Café: Man kann dort ein philosophisches Buch lesen oder die Tageszeitung. Am Nebentisch sitzt dann ein süßer Hund. Macht es uns dümmer, wenn wir ihn streicheln? Nein. Es macht uns menschlicher.“ Bei einer Nachrichtenseite sei die emotionale Intelligenz deshalb ebenso wichtig wie der IQ. Es gehe nicht immer um den Informationswert, sondern genauso um die gemeinsame Verbundenheit der Nutzer.

BuzzFeed ist nach Ansicht von Indiskretion-Ehrensache-Blogger Thomas Knüwer / ein exzellent durchdachtes Modell, ein Vorbild für absolut jede Nachrichtenseite. „Vielleicht hält Jonah Peretti gar den Heiligen Gral der Online-News in der Hand (oder weiß zumindest, wo er vergraben sein könnte).“ Es gibt keine klassischen Werbeeinblendungen. Unternehmen werden gezwungen, den Nutzern gute Geschichten zu liefern. Werbung soll sich wie redaktionelle Storys verbreiten.

„Das klappt anscheinend, womit BuzzFeed den sehnlichsten Wunsch vieler Markenartikler erfüllt: Endlich werden ihre Inhalte im Social Web geteilt. Die Klickrate (CTR) auf die gesponserten Geschichten liegt bei ein bis zwei Prozent – deutlich höher als bei gewöhnlicher Bannerwerbung also“, meint Knüwer.

Als Aufmerksamkeitswährung zählen nicht Klicks, sondern Twitter-Erwähnungen, Facebook-Likes, Google-Plusse und ähnliche Indikatoren. Das Teilen im Social Web steht im Vordergrund für die Echtzeit-Berechnung des Viral Rank. Der Denkansatz von Peretti sei aus ökonomischer Sicht sehr clever, meint Patrick Breitenbach von der Karlshochschule im ichsagmal-Interview http://blog.karlshochschule.de/.