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Karrieretipps des Kanzlerkandidaten

Peer Steinbrück ist der geborene Kandidat für den Chefposten der Sparkasse KölnBonn. Wir haben ihn als Kanzler nicht verdient.

Im Wahlkampfteam des vermögenden Sozialdemokraten Peer Steinbrück scheint es eifrige Leser von Balthasar Gracians „Handorakel und Kunst der Weltklugheit“ zu geben. Die im 17. Jahrhundert formulierte Verhaltenslehre zum Überleben im Sumpf des höfischen Lebens ist eine perfekte Kompensation für den Mangel an Schlauheit. Eine Maxime probiert der Mann mit dem Namensschild „Kanzlerkandidat“ an sich selber aus: „Die Daumenschraube eines Jeden finden. Diesen Götzen eines Jeden kennen, um mittelst desselben ihn zu bestimmen“.

Zu allem fähig, wenn die Leistungen anständig bezahlt werden

In Interviews hat Steinbrück diesen Götzen schnell gefunden. Deutschland solle so schnell wie möglich erkennen, dass er zu allem fähig ist, wenn seine Leistungen auch anständig bezahlt werden. Ansonsten macht er sich halt vom Acker und lebt von einer überaus dürftigen Pension, die zur Zeit bei 9330 Euro pro Monat liegen dürfte. Da ist es doch klar, warum man Nebentätigkeiten aufnehmen und entsprechend hohe Vergütungen für Schaufenster-Reden bei Stadtwerken, Kanzleien, Banken, Verbänden und Unternehmen verlangen muss. Jeder Arbeitnehmer müsste ja nur schlappe 350 Jahre in die Rentenkasse einzahlen, um in den Genuss von Steinbrücks miserablen Ruhestandsbezügen zu kommen. Es lohnt sich also gar nicht, normal zu arbeiten und brav seine Sozialversicherungsbeiträge abzudrücken. Gleiches gilt für die Erwerbstätigkeit im politischen Zentrum von Berlin.

Warum soll man sich in einer Kanzlerschaft mit einer extrem hohen politischen Verantwortung den Buckel krumm machen, wenn nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen mehr verdiene und mit jeder x-beliebigen politischen Allerweltrede höhere Honorare eingefahren werden als es Kanzlerin Angela Merkel monatlich mit ihrem Salär zu Wege bringt? Ein Kanzler Steinbrück müsste eben besser bezahlt werden als eine Kanzlerin, die sich nur mit ihrem Frauenbonus über Wasser hält.

Der geborene Kandidat

Der liebwerteste Kanzlerkandidaten-Gichtling hat deshalb tief im Handorakel von Gracian gewühlt, um eine Leitlinie für den Bundestagswahlkampf seiner Partei festzulegen: „Wenn man eine Sache nicht erlangen kann, ist es an der Zeit, sie zu verachten.“

Schließlich könnte der Klugheits-Apologet auch was anderes machen und dabei viel mehr Geld verdienen. Er ist der geborene Kandidat für den Chefposten der Sparkasse KölnBonn. Wir haben Steinbrück als Kanzler nicht verdient.

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