Ab ins All!

von Guido Walter28.03.2010Gesellschaft & Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft

Nach der erfolgreichen Mondlandung 1969 ist es um das Thema Raumfahrt still geworden. US-Präsident Obama will sogar noch sparen. Die Zukunft liegt in der freien Wirtschaft, denn der Mars wartet schließlich auf uns – oder ist Kolumbus einfach in den Urlaub nach Gran Canaria geschippert?

Am 28. April 2007 beförderte eine SpaceLoft-XL-Rakete die sterblichen Überreste von James Doohan ins All. Damit sollte sich der Letzte Wille des kanadischen Schauspielers erfüllen, der jahrzehntelang die Rolle des Bordingenieurs Montgomery Scott in der TV-Serie und den “Star Trek”-Filmen verkörperte. Doch statt eines letzten “Beam me up, Scotty” geschah das Malheur. Denn anstatt bis in die Ewigkeit im Orbit zu kreisen, segelte der Behälter mit Scottys Asche an einem Fallschirm zurück auf die Erde. Ein zweiter Abschussversuch scheiterte im Folgejahr. Scotty hätte den Raketeningenieuren was gegeigt: “Lassen Sie mich runterbeamen, ich will’s den Doofköpfen persönlich beweisen.” Wahrscheinlich hätte es schon einer Rakete mit Warpantrieb bedurft, damit sich der letzte Wunsch eines Mannes erfüllt, der stets als Vorkämpfer der Weltraumfahrt eintrat.

Seit der Mondlandung hat die Weltraumfahrt nichts Großartiges mehr zustande gebracht

Scottys Aschen-Desaster ist symptomatisch für eine der großen Zukunftshoffnungen der Menschheit. Seit der Mondlandung 1969 hat die Weltraumfahrt zwar Fortschritte, aber nichts Großartiges mehr zustande gebracht. Das von Barack Obama kürzlich vorgeschlagene Budget für die US-Weltraumbehörde NASA bedeutet einen strikten Sparkurs. Hochrechnungen belegen, dass rund 23.000 Angestellte am Kennedy Space Center in Florida ihre Jobs verlieren könnten. Shuttles und Raumgleiter droht der Abwrackhangar, der Entwicklung neuer Raketen der Stopp. Gewerkschafter klagen bereits, dass Cap Canaveral zum Detroit der Weltraumindustrie avanciert. Dennoch hat Obama “ehrgeizige Zukunftspläne” für die NASA angekündigt. Auf einer Konferenz am 15. April will der US-Präsident mit der NASA-Führung die Zukunft der amerikanischen Raumfahrt diskutieren. Eines ist schon jetzt klar. Das Budget sieht zwar die Entwicklung neuer Raketentechnologien vor. Aber die angekündigte finanzielle Unterstützung von privaten Raumschiffen ist ein klares Signal. Der Staat will die Kosten der Weltraumfahrt nicht mehr allein tragen. Private, nichtmilitärische Organisationen sollen das Vakuum füllen. Diese zünden bereits die Triebwerke. Richard Bransons Virgin Galactic absolvierte mit dem SpaceShipTwo, dem ersten rein privat finanzierten Raumschiff, in der kalifornischen Mojave-Wüste Ende März den erfolgreichen Jungfernflug. Branson will für den Bau eines Passagierraumschiffs in den nächsten Jahren etwa 100 Millionen US-Dollar investieren. Der Brite ist nicht allein im All. Das US-Unternehmen Space Adventures transportierte den kanadischen Milliardär Guy Laliberté als Weltraumtouristen zur Internationalen Raumstation ISS. Der Besitzer des Cirque du Soleil bezahlte 23,7 Millionen Euro für diesen Ausflug. Ein Schnäppchenpreis, den das Projekt “Deep Space Expeditions Alpha” übertreffen wird. Bereits im nächsten Jahr will Space Adventures Touristen auf eine fünftägige Rundreise um den Mond schicken.

Das Ziel kann nur der Mars sein

Die Diskussion, wann der erste Mensch den Mars betreten kann, ist mit der Wirtschaftskrise verstummt. Allenfalls Pläne einer “Rückkehr auf den Mond” wurden anlässlich des 40. Jubiläums der ersten Landung auf dem Erdtrabanten debattiert. Selbstverständlich ist bekannt, dass wir auf der Erde genug Probleme haben und uns die teure Weltraumfahrt nicht leisten können. Zurück zum Mond, weil es billiger ist? Das wäre so, als wenn Christoph Kolumbus anstatt Amerika zu entdecken, mal wieder Gran Canaria besucht. Das Ziel kann nur der Mars sein. Also ab ins All! Wie heißt es im Vorspann bei “Star Trek”: Space, the final frontier. Endless. Silent. Waiting.

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