Migranten werden sich nicht in unsere Kultur einfügen

Günter Albrecht Zehm17.04.2019Europa, Innenpolitik, Medien

Die durch Europas Selbstverherrlichung angezogenen derzeitigen Migrationströme haben nichts mit echter Freiheits- oder Gerechtigkeitssuche zu tun. Es sind – im besten Falle – schlichte Armutsflüchtlinge, die momentane Geldquellen suchen, sich aber keineswegs in fremde Gastkulturen verstricken wollen. Ihr geistiges Anliegen lautet nicht Einfügung, sondern Verdrängung.

Für Politik-Beobachter waren die Vorgänge in London und Brüssel während der letzten Wochen doch recht irritierend. Was ist denn nun „europäischer“, so fragten sich viele, Brexit oder Nicht-Brexit? Soll man sich darüber freuen, daß die freiheitsliebenden Briten in entscheidenden Fragen bei ihrem eigenen Stiefel bleiben wollen? Oder soll man es als „typisch antieuropäisch“ beklagen, daß sie dauernd Sonderregelungen für sich einfordern.

Gewiß, vom „weltpolitischen“ Standpunkt aus betrachtet, ist die konsequente Vereinigung aller Nationen von Dublin bis Warschau zu einem einzigen, großflächigen Imperium ein Desiderat für alle machtbewußten Kräfte innerhalb dieser Region; man möchte mitspielen im Konzert der übrigen Imperien, China, Rußland, den USA! Aber das ersehnte Imperium soll (und kann auch nur) „Europa“ heißen – und da beginnen schon die Schwierigkeiten. Denn Europa ist kein flächendeckendes und sich aus uralten Traditionen speisendes Imperium, ist es nie gewesen und wird es niemals sein.

Nicht einmal den Anspruch auf ein Imperium der unentwegt Freiheit und echte Gerechtigkeit Suchenden kann es erheben; dieser Titel ging bekanntlich bereits im 19. Jahrhundert an die USA, wurde dort von vielen ehrlichen Herzen auch ernst genommen und vorgelebt – mit der historischen Erkenntnis, daß es ein solches Imperium in Wirklichkeit nicht geben kann, daß es reine Utopie bleiben muß. Wenn sich die Neo-Europäer (wie es die Brüsseler EU-Ideologie nahe legt) als eine zweite, aus den „Fehlern der Vergangenheit“ gelernt habende USA ausgeben, ist das ein bloßer Utopismus, der sich rächen wird.

Die durch solche Selbstverherrlichung angezogenen derzeitigen Migrationströme haben nichts mit echter Freiheits- oder Gerechtigkeitssuche zu tun. Es sind – im besten Falle – schlichte Armutsflüchtlinge, die momentane Geldquellen suchen, sich aber keineswegs in fremde Gastkulturen verstricken wollen. Ihr geistiges Anliegen lautet nicht Einfügung, sondern Verdrängung. Ihr spontanes Verhalten gegenüber dem Aufnahmevolk ist in der Regel nicht von Dankbarkeit geprägt, sondern von Verachtung angesichts der Ignoranz dieser Gastgeber gegenüber der eigenen Religion und Tradition.

Es stimmt ja auch: Das offizielle Reden der gegenwärtigen EU-Europäer über „ihr“ Europa ist historisch völlig deplaziert und geradezu ketzerisch, gegen das eigentliche Europa gerichtet. Weder die reale Vielfalt seiner Landschaften, Sprachen und Volksinteressen wird positiv reflektiert noch jene christliche Religion, die den archipel-artigen „Kontinent“ immerhin jahrtausendlang zusammenhielt und vom asiatischen Großkontinent abhob. Statt dessen Tag für Tag der Sermon aus Brüssel, wie unausweichlich das von der EU formierte „Europa“ sei und wie lächerlich sich die Briten mit ihrem „halben“ Widerstand dagegen machten.

Sogar dem linken Londoner Guardiun ist das offenbar zu viel geworden, jedenfalls brachte er schon vor längerer Zeit einen mit Sarkasmus durchsetzten, langen Aufsatz, in dem gefragt wurde, weshalb es denn in Europa so viele steinerne Denkmäler zu allen möglichen nationalen Ablässen und Persönlichkeiten gibt, nirgendwo aber ein „europäisches Denkmal“, etwa für Angela Merkel, Emmanuel Macron oder Jean-Claude Juncker. Die Zustände haben sich seitdem weiter verschlechtert. Mittlerweile ist „Europa“ seriöserweise nur noch Thema für Satireblätter.

Die Briten, ein Volk, ohne das sich Europa im Grunde gar nicht denken läßt, sind durch das ewige Hin und Her über den Brexit für die EU-Europäer schon fast zur Witzfigur geworden. Die Polen möchten ihnen trotzdem am liebsten sofort folgen, die übrigen ost-mitteleuropäischen Viségrad-Staaten werden einzig durch aktuelle finanzielle Erwägungen am offenen Rebellieren gegen Brüssel gehindert. Für die Südstaaten, Italien, Spanien, Griechenland, gilt Ähnliches, auch sie setzen letztlich lauf die Schuldenunion. Deutschland, Österreich. Dänemark und die Niederlande sollen kräftig zahlen, wenn sie Europäer bleiben wollen.

Was die Rolle Frankreichs und Deutschlands betrifft, so hat kürzlich Präsident Macron ein ausführliches Programm zur „Vertiefung der Einheit“ von EU-Europa vorgetragen, hinter dessen schönen Worten freilich ebenfalls nur wieder Finanzfragen hervorragen. Demnach soll es ein gemeinsames Finanzministerium geben, jeder EU-Bürger soll ein lebenslanges Grundgehalt erhalten – und Frankreich wird infolge seines Dauersitzes im Sicherheitsrat der UN und wegen des in Straßburg angesiedelten EU-Parlaments automatisch eine gewisse Führungsrolle zuwachsen. Bezahlen soll das Ganze jedoch Deutschland & Co.

Besteht denn aber, so lässt sic fragen, das Europäer-Sein wirklich nur im Schuldenmachen beziehungsweise Bezahlenmüssen und im Austoben einiger fiktiver imperialer Machtgelüste? War dagegen das Reden der Adenauer und De Gaulle über ein Europa der Vaterländer und ein christliches Abendland wirklich nur illusionäre Träumerei? Das Gegenteil ist der Fall. An Realitätssinn waren De Gaulle und Adenauer den Macron und Merkel haushoch überlegen.

Die Etymologie des Wortes Europa ist übrigens, genau betrachtet, ausgesprochen uneuropäisch. Europa soll der Name einer phönizischen Prinzessin gewesen sein, die Zeus auf einen Stier setzte, um mit ihr ins ferne Liebesnest zu reiten, wobei die Dame zu viel gequasselt haben soll, „barbarbarbarbar“. Die alten Griechen betrachteten sich keineswegs als Europäer; es gibt eine (eher beiläufige) Bemerkung von Herodot, worin er die Barbarenstämme im Norden pauschal als „Europäer“ bezeichnet.

In positiver Akzentuierung tauchte der Begriff zum ersten Mal im Jahre 799 n. Chr, in der so genannten Paderborner Handschrift auf, einem in feierlichen Hexametern verfaßten Bericht über die Begegnung des nachmaligen Kaisers Karls des Großen mit Papst Leo III., wo Karl als „Herr Europas“ und „Europas erhabener Leuchtturm“ emphatisch gefeiert wird.

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