Stigma Aids

Gita Ramjee24.12.2010Gesellschaft & Kultur

Es gibt kein Wundermittel gegen HIV. Wir müssen uns bei Behandlung und Prävention auf das verlassen, was erprobt, effektiv und bezahlbar ist. Ein wichtiger Schritt ist jedoch der Abbau von Vorurteilen. Nur so können wir junge Menschen in Afrika überhaupt dazu bewegen, sich testen und behandeln zu lassen.

Der südliche Teil Afrikas ist die Region mit der höchsten Anzahl an HIV-Infektionen weltweit. Die am schwersten von der Pandemie betroffene Bevölkerungsgruppe sind junge Frauen. Aufgrund von biologischen, kulturellen und sozialen Aspekten haben sie ein erhöhtes Risiko, sich mit HIV anzustecken. Dennoch sind wir zuversichtlich, dass die HIV-Übertragung von Müttern auf ihre Kinder gestoppt werden kann. Kürzlich haben Behandlungen mit vaginalen Mikrobiziden in Gelform ergeben, dass ihr Einsatz die Gefahr einer HIV-Infektion bei Frauen um 39 Prozent reduzieren kann.

Stigmatisierung als Präventionshindernis

Doch obwohl oft angenommen wird, dass die Mehrheit der HIV-Übertragungen in Afrika durch heterosexuellen, vaginalen Geschlechtsverkehr stattfindet, wird zunehmend deutlich, dass homosexueller Geschlechtsverkehr und Analverkehr ebenfalls eine wesentliche Rolle bei der Übertragung spielen. Durch Stigmatisierung und kulturelle Prägung ist Analverkehr ein gesellschaftliches Tabu. In den meisten afrikanischen Ländern gibt es keinen Aufklärungsunterricht in der Schule über die auch mit Analverkehr verbundenen Risiken. Einzelberichten zufolge haben viele junge Paare Analverkehr, um eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden, sind sich jedoch nicht im Klaren über die damit einhergehenden Risiken. Trotz wechselnder Sexualpartner sind der Gebrauch von Kondomen und ihre Akzeptanz immer noch nicht weit verbreitet. Die Stigmatisierung, die mit HIV und HIV-Tests einhergeht, hält viele Menschen davon ab, sich testen zu lassen und eventuell eine antiretrovirale Behandlung zu beginnen. Es gibt keine einzelne Maßnahme, die ein “Wundermittel” bereitstellt und der Pandemie Einhalt gebieten kann. Es bedarf eines Kurswechsels in der globalen Herangehensweise zur HIV-Prävention. Zuerst muss ein ganzheitlicher Ansatz zur HIV-Prävention geschaffen werden. Vorsorge und Behandlungsmöglichkeiten müssen eng mit effizienter Aufklärung und Beratung zur Eindämmung der Risiken einhergehen. Zweitens müssen verschiedene Präventionsmaßnahmen miteinander verbunden werden, wie zum Beispiel die Beschneidung von Männern, die Bereitstellung von Kondomen, Behandlung von Geschlechtskrankheiten und angemessene psychologische Beratung, die zugeschnitten ist auf die speziellen Bedürfnisse von Einzelnen, Paaren und Gemeinde. Das funktioniert nur, wenn wir vorhandene Ressourcen intelligenter einsetzen, internationale Partnerschaften knüpfen und die Menschen direkt in die Pflicht nehmen. Noch wichtiger allerdings ist, dass angemessene Präventionspakete individuelle Risikofaktoren in Erwägung ziehen und nicht auf Vorurteilen basieren. Wir müssen die Stigmatisierung abbauen, um medizinische Erfolge zu erzielen. Drittens müssen die Präventionspakete im Rahmen von familienfreundlichen und leicht verständlichen Programmen angeboten werden. Sie sollten HIV nicht gesondert betrachten, sondern im Kontext mit anderen Gesundheitsaspekten ansprechen. Auch so können Schranken abgebaut werden.

Es gibt keine Allheilmittel

Bei unseren Bemühungen, die Zahl der HIV-Infizierten weltweit und besonders in Regionen mit hoher Ausbreitung der Krankheit zu senken, ist es jetzt an der Zeit, all diejenigen Maßnahmen zur HIV-Prävention zu verstärken, deren Effektivität bereits erwiesen ist. Wir müssen realistisch bleiben und dürfen uns nicht auf Meldungen über vermeintliche Allheilmittel stürzen. Kleine Schritte und intelligente Ansätze bringen uns eher voran als teure medizinische Experimente. Es gibt kein Wundermittel gegen HIV/Aids – und wird es auch niemals geben.

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