Sie sehen einfach unverschämt gut aus

Giesbert Damaschke11.02.2010Gesellschaft & Kultur, Medien, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft

Apples Mac ist omnipräsent. Das Unternehmen, das seine Außenwirkung sehr sorgsam kontrolliert und die Kunst des indirekten Marketings perfekt beherrscht, hat für seinen Mac Plus sogar bereits den Weg ins Weltall gefunden. Über die Liebe der Filmbranche zum Mac.

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Sollten spätere Generationen einmal aus Filmen und TV-Serien auf den Zustand der digitalen Evolution unserer Zeit schließen wollen, kämen sie zu knolligen Ergebnissen: Alle Welt hört Musik mit dem iPod, telefoniert mit dem iPhone und arbeitet an Macintosh-Computern. Kurz: Unser digitales Leben wird maßgeblich von Produkten der Firma Apple bestimmt. Nun wäre diese Einschätzung beim iPod und vielleicht auch beim iPhone gar nicht einmal so verkehrt – eine groteske Verzerrung der tatsächlichen Verhältnisse aber wäre der Verbreitungsgrad von Apples Computern. Denn der massiven Film- und Fernsehpräsenz zum Trotz ist der reale Mac-Marktanteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Selbst im Heimatland USA erreicht Apple nur eine Marktdurchdringung von rund zehn Prozent. Wie kommt es zu dieser auffälligen Diskrepanz zwischen Realität und Film-Fiktion? Warum arbeitet dort praktisch alle Welt überwiegend mit Macs, warum ist ausgerechnet Apple Filmemachers Liebling – und nicht Dell, Sony oder Microsoft? Für die Kritiker der Firma aus Cupertino ist die Sache natürlich sonnenklar: Da fließt ganz einfach viel Geld. Diese Behauptung taucht mit schöner Regelmäßigkeit auf und ebenso regelmäßig beteuert Apple, dass man kein Geld dafür ausgebe, die eigenen Produkte im Kino zu lancieren. Nun lässt sich diese Beteuerung zwar nur schwer überprüfen, aber sie passt zu einem Konzern, der sich um die üblichen Spielregeln nicht zu kümmern scheint und dem die Gleichung “Geld gegen Logo” wohl einfach zu direkt ist. Auffällig ist allerdings, wie beiläufig Macs in Filmen immer wieder zu sehen sind. Sie werden nicht offensichtlich ausgestellt und sind nicht dazu da, damit sie bei einem Kameraschwenk wie zufällig groß ins Bild geraten, sondern sie gehören wie selbstverständlich zum Leben der Figuren.

Apple – des Filmemachers Liebling

Ein Indiz für Apples Weigerung, sich in die Filmwelten einzukaufen, liefert der russische Fantasyfilm “Wächter der Nacht” (2004). Dort nämlich findet sich penetrantes Product-Placement der plumpesten Art. Zahlreiche Einstellungen haben offensichtlich nur die Funktion, dieses oder jenes Logo groß rauskommen zu lassen. Mit einer Ausnahme: Das Apple-Logo eines iMacs wurde mit einem gelben Notizzettel überklebt (der iMac ist natürlich trotzdem unverkennbar). Angesichts der ansonsten überdeutlichen Produktpräsentationen könnte man auf die Idee kommen, dass Apple nicht bereit war, für das Auftauchen des Logos in dem Film zu bezahlen, das daher aus dem Film entfernt wurde – wie notdürftig auch immer. Doch so ganz unschuldig, wie Apple sich bei dieser Frage gibt, ist der Konzern natürlich nicht. Es dürfte kaum ein Unternehmen der IT-Branche geben, das seine Außenwirkung so sorgsam kontrolliert und die Kunst des indirekten Marketings so perfekt beherrscht wie Apple. Nicht dass Apple nicht traditionell mit Anzeigen, Plakaten und TV-Spots werben würde. Doch da kann man sich auf ein Minimum beschränken, übernehmen die Medien den Marketingjob doch freiwillig. Bislang hat noch jedes Räuspern aus Cupertino für großflächige Berichterstattung gesorgt, und die “Special Events”, zu denen Apple regelmäßig kurzfristig per E-Mail und ohne konkrete Angaben lädt, können sich weltweiter Aufmerksamkeit sicher sein.

Der Apple Mac Plus im Weltall

Entsprechend indirekt ist Apples Strategie in Hollywood. Frühzeitig hat man erkannt, wie wichtig die Verankerung der Marke im Alltagsbewusstsein der Zuschauer ist und mit der entsprechenden Lobbyarbeit in Los Angeles begonnen. Dazu ein kleines Beispiel zu einem der frühsten Macs in Movies: Bereits im Januar 1986, zwei Jahre nach Einführung der Macintosh-Computer, schenkte Apple dem Star-Trek-Erfinder Gene Roddenberry einen Mac. Im gleichen Jahr tauchte ein Mac Plus im Film “Star Trek IV: The Voyage Home” auf. – Honi soit … Hinzu kommt, dass Apple bei Musik- und Filmproduktion eine Hausmacht und dort so stark vertreten ist wie in keiner anderen Branche sonst. Der überdurchschnittlich hohe Anteil an Apple-Computern in Filmen spiegelt so auch den überdurchschnittlich hohen Anteil an Macs bei den Filmemachern wieder. Und es gibt noch einen gewichtigen Grund, warum so häufig Macs genommen werden, wenn ein Computer benötigt wird: Sie sehen einfach unverschämt gut aus.

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