Am Ende will es keiner gewesen sein

von Georg von Boeselager9.01.2011Wirtschaft

Nicht selten wird die Frage diskutiert, welche Lehren sich aus der Finanzkrise ziehen lassen, damit sich eine Wiederholung der Misere vermeiden lässt. Der Gedanke ist so falsch nicht; rühmlich ist er obendrein. Doch will man auf die Antwort hören?

Vor einem halben Jahr durfte ich mich “an dieser Stelle(Link)”:http://www.theeuropean.de/georg-von-boeselager/3065-finanzhilfen-fuer-griechenland zur – damals beispiellosen – Rettungsaktion für Griechenland äußern. Die Sicherheit Europas werde auch an der Akropolis verteidigt, war meine Einschätzung seinerzeit, verbunden mit der zaghaften Frage, welche Überraschungen noch in Portugal, Italien und Spanien auf uns lauern würden. Nicht dass ich mich prophetischer Gaben rühmen oder den Vergleich zu historischen Personen anstellen wollte. Doch auch als Paulus an der Akropolis den Finger hob, entgegnete man ihm: “Darüber wollen wir dich ein andermal hören.“ Fraglich also, ob nicht alles Räsonieren über die Krise ungehört verhallt …

Zahlreiche Instanzen haben sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert

Vor allem für die Liebhaber eindimensionaler Antworten ist die Finanzkrise ein leidiges Thema. Zahlreiche Instanzen haben sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Mit an erster Stelle stehen Geldinstitute und andere Anbieter von Finanzprodukten. Die Probleme sind systemimmanent: Banken verkaufen hauseigene Produkte, die Bonifizierung der Mitarbeiter bemisst sich am Verkaufserfolg. Dass sich auch mal Papiere minderer Qualität ins Portfolio schleichen, liegt quasi auf der Hand. Die Kunden hätten sich gegenüber ihren Banken einen kritischeren Umgang angewöhnen müssen. Doch geändert hat sich die Praxis der meisten Banken nicht. Nun ist Bankenschelte zwar sehr einfach, aber auch in der Politik haben nicht alle ihre Hausaufgaben gemacht. Wichtige Änderungen in den Rahmenbedingungen für Banken sind ausgeblieben. Einige Reförmchen hat man auf den Weg gebracht, die auch zum Teil gar nicht so schlecht sind, doch sie doktern an den Symptomen herum. Ihre Grundannahme: Banken sind von Grund auf schlecht, und die Kunden müssen vor ihnen geschützt werden. Überhaupt: der Kunde! Man muss ihn vor allem schützen, auch vor sich selbst. Wer hierzulande eine Bergwanderung unternimmt, wird noch in luftiger Höhe Handläufe, Drähte und Absicherungen finden. Hierzulande ist der Berg schuld, nicht derjenige, der runterfällt. In ähnlicher Weise hat der Verbraucherschutz in Deutschland bald ähnliches Gewicht wie das Grundgesetz.

Natürlich muss man bei den Banken ansetzen

Man verzeihe mir diesen Rundumschlag. Natürlich muss man bei den Banken ansetzen; deren Kreditvergabe- und Anlagepolitik liegt im Argen, die Preisgestaltung stimmt nicht. Auch der Begriff der systemrelevanten Banken gehört in meinen Augen nicht ins Wörterbuch. Doch auch wenn Kredite zu vernünftigen Konditionen gefordert werden: Die Margen müssen meiner Meinung nach auch das Risiko der Banken berücksichtigen, und ihre Eigenkapitalbasis gehört gestärkt. Die Phänomene, die einen PIGS-Staat nach dem anderen ins Trudeln bringen, sind gleichwohl andere: Das föderale Miteinander der europäischen Staaten funktioniert nicht. Ich frage mich, wie weit der politische Wille dieses fragile Europa zusammenhalten kann. Vielleicht wissen wir in einem weiteren halben Jahr abermals mehr.

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