US-Wahl muss Weckruf für etablierte Parteien sein

von Georg Gafron9.11.2016Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien

Die Verachtung sozialer Milieus in Deutschland, ob sie einem passen oder nicht, ist das Einfallstor für linke und rechte Populisten. Das gesamte deutsche Establishment in Berlin, ob in der Politik oder in den Medien, lebt längst in einer Blase, die mit der realen Welt der Menschen in Deutschland immer weniger zu tun hat.

Niemand hatte mit der Präsidentschaft Donald Trumps wirklich gerechnet. Nur so sind die Äußerungen des deutschen Außenministers Frank-Walter Steinmeier wenige Tage vor der Wahl zu erklären, in denen er den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump als Hassprediger brandmarkte. Ganz nebenbei, die Trump-Regierung dürfte darauf zurückkommen. Die Gesichter der Moderatoren bei ARD und ZDF von Schausten bis Kleber und vielen anderen versteinerten von Minute zu Minute angesichts des sich abzeichnenden Erfolges von Donald Trump immer mehr. Die deutsche „TV-Elite“ war geschockt und wirkte so, als ob in den USA der Leibhaftige zum Präsidenten gewählt worden wäre. Eine Welt schien in den Redaktionsstuben deutscher Medien zusammenzubrechen. Ein Mann, der gegen alle Regeln der political correctness verstößt, ist zum Präsidenten der Vereinigten Staaten, und damit der größten Macht der Welt, gewählt worden.

Vorurteile über die amerikanische Unterschicht

Schnell war man mit dem Urteil bei der Hand, dass sein Wahlerfolg nur der dumpfen und ungebildeten Unterschicht zu verdanken sei. So, als ob fast die Hälfte der amerikanischen Wähler Holzfäller und Analphabeten seien. Eine Studie der Princeton University hat kurz vor der Wahl belegt, dass mehr als die Hälfte der Trump-Wähler zu den überdurchschnittlich verdienenden Amerikaner gehören. Freilich nicht aus der amerikanischen Finanz-Oberschicht, die Trump genauso verachtet, wie der Großteil der veröffentlichten Meinung in den USA und auch in Europa. Der andere Teil gehört zur Mittelschicht, unteren Mittelschicht und Teilen der Unterschicht. Die Gründe dafür sind vielfältig. Unsere hoch entwickelten Gesellschaften verlangen immer mehr Differenzierungsvermögen und technische Intelligenz. Fast alle Wirtschaftsbereiche befinden sich im Umbruch der Digitalisierung. Nur eine immer schmaler werdende Elite kann da mithalten. Das verunsichert viele, die zwar Nutzer von Internet, Twitter und Facebook sind, aber die komplizierten Prozesse in ihrer Entwicklung nicht durchschauen. Dies führt zwangsläufig zu Minderwertigkeitskomplexen und Zukunftsängsten.

Ein Grund für Trumps Erfolg liegt darin, dass er diesen Menschen wieder ein Selbstwertgefühl vermittelt hat. Sein Ausspruch vor Arbeitern und Farmern: „Ich liebe die Ungebildeten, denn ich bin auch einer davon.“ spricht Bände. Seine Verachtung der Wall Street-Eliten trifft das Empfinden vieler amerikanischer Bürger. Trump will die Steuern für die Mittelschicht und die Sozialleistungen für die Armen erhöhen. Dies dürfte ihm die erbitterte Gegnerschaft sowohl des demokratischen wie auch des republikanischen Establishments eintragen.

Bundesbürger fühlen sich nicht mehr durch die Politik repräsentiert

Aber es kommt noch etwas Weiteres hinzu, und dies ist durchaus auch auf Deutschland übertragbar. Eine große Mehrheit der Menschen fühlt sich in ihren Wert- und Lebensvorstellungen nicht mehr repräsentiert. In der veröffentlichten Meinung, d.h. vor allem den Medien und in Deutschland besonders in den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, aber auch in nahezu allen Printmedien findet sich diese Bevölkerungsgruppe nicht mehr wieder. Ein Netz politischer Correctness wurde von einer ideologisierten Kaste über die gesamte Gesellschaft ausgeworfen.

Ein Blick in die Umfragen des Instituts für Demoskopie in Allensbach sowie auch in die aktuelle Shell-Studie über die Jugend in Deutschland zeigt, dass Familie und die damit verbundene Geborgenheit, sowie Leistungswille und Verantwortungsbewusstsein zentrale Werte für immer noch die Mehrheit unserer Gesellschaft und insbesondere der Jugend sind. Längst hat sich hier ein Paradigmenwechsel vollzogen. Nur die Priester/-innen von Anne Will über Maibrit Illner bis hin zu Markus Lanz und Frank Plasberg, um nur einige zu nennen, wollen und können diesen nicht zur Kenntnis nehmen. Diese Verachtung sozialer Milieus in Deutschland, ob sie einem passen oder nicht, ist das Einfallstor für linke und rechte Populisten.

Das deutsche Establishment regiert jenseits des Volkes

Das gesamte deutsche Establishment in Berlin, ob in der Politik oder in den Medien, lebt längst in einer Blase, die mit der realen Welt der Menschen in Deutschland immer weniger zu tun hat. Der Erfolg Donald Trumps sollte für alle Parteien ein Alarmsignal sein. Das Ideal ist eben nicht die karrieresüchtige alleinerziehende Mutter, die DDR-like Unterbringung von Kleinstkindern in Verwahranstalten des Staates und Frauen, die gern Männer sein wollen und Männer, die gern Frauen sein würden. Eine solche Erkenntnis hat eben nichts mit Intoleranz zu tun, sondern schlicht mit der Wahrnehmung der Realität. Die Hegemonie pädagogisierender Scheineliten ist die beste Basis für radikale Kräfte von rechts und links.

Es ist zu bezweifeln, dass diese Erkenntnis rechtzeitig greift. Zu gut bezahlt sind die Jobs im abgabenfinanzierten Pay-TV ARD und ZDF. Die Quittung könnte zur Bundestagswahl im September 2017 kommen – und sie hat einen Namen: AfD. Jeder, der es gut meint, mit diesem Land, muss jetzt dagegenhalten. Die ersten, die das begriffen haben, sind Christsozialen aus Bayern. Das Grundsatzprogramm der CSU zeigt den Weg. Aber vielleicht ist es dazu schon zu spät.

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