Die Sexismus-Keule, eine neue Art der Inquisition

von Georg Gafron30.09.2016Gesellschaft & Kultur, Medien

Schon wer einer Frau auch nur ein Kompliment ob ihrer Schönheit macht, reduziert das andere Wesen auf ein Sexobjekt. Selbst der kleinste Scherz kann zum Verlust der bürgerlichen Existenz führen.

Ein Bürohochhaus in einer beliebigen deutschen Großstadt im Jahre 2030 – wie überall auf der Welt strömen in den Morgenstunden die Beschäftigten zu den Fahrstühlen in der Lobby des Gebäudes. Nur gelten hier strenge Regeln. Drei großräumige Fahrstühle stehen zur Verfügung. Streng überwachen scheinbar geschlechtslose Wesen in grauen Gewändern das Geschehen. Der linke Fahrstuhl ist ausschließlich für Frauen bestimmt, um sie vor den gierig-sexistischen Blicken noch nicht umerzogener Männer zu schützen. Diesen ist das Gefährt ganz rechts bestimmt.

Die Mitte aber ist den Gender-People vorbehalten. Geschlechtsunterschiede sind bei dieser Gruppe kaum noch zu erkennen. Das in grauer Vorzeit herrschende Klischee der Weiblichkeit gleich weiche Züge, wallendes langes Haar, raffiniert geschminkt und durchaus etwas kess gekleidet, ist verschwunden. Das gilt auch für die einst zelebrierte dumpfe Männlichkeit. Keine enge Hosen und T-Shirts, keine Muskelprotze, kein Imponiergehabe. Alle tragen die wallenden grauen Gewänder, die die Körperformen höchstens erahnen lassen. Frauen erkennt man mitunter an den doppelt so großen Uhren, meist aus schwerem Metall, mit wesentlich breiteren ebenfalls metallenen Armbändern, als die Männer sie bevorzugen.

Wer bin ich eigentlich?

Die Gender-People wissen selbst nicht genau, wessen Geschlechts sie sind. Von früh an wurde ihnen eingebleut, daß der Mensch nicht von Natur aus männlich oder weiblich, mit all den reaktionären Merkmalen auf die Welt gekommen ist. Vielmehr wurden ihm die rollenspezifischen Eigenschaften eingetrichtert und durch männliche Dominanz beherrscht. Die Gendermenschen wurden schon als Baby einen Tag blau und den anderen Tag rosa gekleidet. Jeder Unterschied sollte eingeebnet werden. In Großkindergärten – bis zu eintausend Kinder mit sieben Tage rund um die Uhr Betreuung – wurden die Kinder schon sehr früh gefragt, ob sie wirklich sicher seien, ob sie ein Junge oder ein Mädchen sein. Jungen dürfen über längere Zeit nur mit Puppen spielen, während die Mädchen mit Autos hantieren und deren Elektroantrieb ein- und ausbauen.

Eine neue Kulturrevolution ist auf dem Weg

Wer jetzt glaubt, hier einen Auszug aus einer Neufassung des Klassikers „1984“ von George Orwell gelesen zu haben, der täuscht sich. Nur ein Blick in das Unterrichtsmaterial im Fach Sexualkunde zeigt, daß all diese Fragen bereits jetzt thematisiert werden. Noch größeren Aufschluß bietet die Debatte der Gender-IdeologInnen unter sich. Kein Zweifel, eine neue Kulturrevolution ist auf dem Weg. Man könnte auch sagen, eine beseelte Scharr von puritanischen Wiedertäufern sei als eine Art Sekte unterwegs, um die Gesellschaft total zu verändern.

Noch ist die Mehrheit des Volkes von diesen Ideen nicht ergriffen. Aber ihre Träger sitzen in den Medien, im politischen Establishment und in weiten Teilen der linken Intelligenz. In einer neuen, der Inquisition nicht unähnlichen, Art werden Tabus errichtet, und Verhaltensweisen vorgegeben, normiert, gelobt oder angeprangert.

Sexobjekt Frau – Der Verlust der bürgerlichen Existenz

Der schwerwiegendste Anklagepunkt der Wächter ihrer eigenen Moral ist der des Sexismus. Schon wer einer Frau auch nur ein Kompliment ob ihrer Schönheit macht, reduziert das andere Wesen auf ein Sexobjekt. Selbst der kleinste Scherz kann zum Verlust der bürgerlichen Existenz führen. Beispiele hierfür sind Politiker wie Rainer Brüderle und wie jetzt in Berlin Frank Henkel. Mittlerweile geht es auch um solche Fragen wie die Abschaffung der männlichen und weiblichen Artikel „der“ und „die“. Geschlechtsneutral ist nur „das“ – zum Beispiel: „Gib mir mal das Salzstreuer!“

Merkwürdigerweise aber ist die Realität immer noch eine ganz andere. Die Hersteller von Dessous verzeichnen Rekordumsätze, auch in diesem Sommer konnten die Männer wieder gürtelbreite Miniröcke über Netzstrümpfen bei gleichzeitig tiefe Einblicke gewährenden Dekolletés bewundern. Es ist nicht davon auszugehen, daß all diese Frauen als Lustsklavinnen von ihren Männern gehalten werden und unter Androhung von Prügel zu derartigen Accessoires gezwungen werden.

Wie Karl Marx und seine Apologeten gehen auch die Wiedertäufer von heute von einem falschen Menschenbild aus. Umerziehung ist ihre Lösung. Schon Lenin wußte: „Wenn die Tatsachen nicht der Ideologie entsprechen, liegt die Schuld bei den Tatsachen.“ Wohin das geführt hat, bewiesen Massenmorde und Gulag.

Eine dieser Tatsachen ist, daß die Hauptaufgabe des Menschen in der Erhaltung der Art besteht, und so weh es auch tun mag, diese können immer noch nur Frau und Mann vollbringen. Bewußt oder unbewußt sind alle stets auf Partnersuche. Dazu gehört auch ein in der gesamten Natur bestehendes Balzverhalten. Frauen imponieren mit ihren Reizen, Männer sehnen sich danach und springen an. Auch hier genügt ein Blick in die Partnerportale des Internets und allabendlich in Diskotheken und Clubs.

Der Gender-Wahn ist nicht zu unterschätzen

Dennoch ist der Gender-Wahn in seiner Wirkung nicht zu unterschätzen. Je höher man in der gesellschaftlichen Hierarchie aufsteigt, um so stärker wird die Kontrolle der Moral-Polizei. Die Folge ist eine wachsende Verunsicherung der Männer, verbunden mit Ängsten vor zu festen Bindungen. Gleichzeitig fehlt der Mut, sich dieser durchaus totalitäre Züge tragenden Bewegung entgegen zu stellen. Vielleicht läßt Orwell doch eines Tages wieder grüßen.

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