Finanzielle Unabhängigkeit - Was Europäer von Amerikanern lernen können | The European

Langfristig gesehen ist man mit Aktien besser bedient

Fuat Akar15.10.2020Medien, Wissenschaft

Lediglich zehn Millionen Deutsche legen ihr Geld direkt in Aktien an und nur neun Prozent der unter 30-Jährigen. Das ist falsch meint unser Gastautor. Langfristig gesehen ist man mit Aktien besser bedient.

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Sparbuch, Tagesgeldkonto und Bausparvertrag. Sie sind besonders unter jungen Leuten und Deutschen generell die beliebteste Anlageform – obwohl es gar keine Zinsen gibt und Anleger durch Inflation sogar Geld verlieren.

Solch ein Gleichmut ist fast beneidenswert: Die meisten Europäer – allen voran die Deutschen – lassen sich durch die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank nicht entmutigen. Sie sparen eifrig weiter und verbrennen damit ihr hart verdientes Geld. Fatal.

Wüssten mehr Menschen den Effekt des Realzinses (0% Sparzins + Inflationsrate von bspw. -2% = 2% Wertverlust!), würden sie verstehen, dass sie schleichend enteignet werden! Jedem sollte daher begreiflich sein, dass Sparen sogar langfristig keinen Vermögenswert generieren kann. Zur Inspiration hilft ein Blick in die USA. Den meisten Amerikanern, die Geld übrighaben, würde es nie einfallen, dessen Entwertung stoisch zuzuschauen. Dort spielt passives Einkommen eine Schlüsselrolle. Ziel ist es dabei, sich unabhängig von einem klassischen Einkommen zu machen; vor allem also dem Schicksal des Angestelltendaseins zu entrinnen, das bedeutet: „Ich tausche kostbare Zeit gegen ein (meist mittelmäßiges) Einkommen.“ Europäer und Deutsche sollten von den USA und ihrer risikobewussten Kultur mehr lernen. Und das fängt beim Finanzwissen an. Vor allem junge Leute verfügen nur über geringes Finanz-Einmaleins und nehmen sich kaum Zeit für Finanzplanung – obwohl private Altersvorsorge und „Finanzielle Unabhängigkeit“ wichtiger denn je sind.

Erfolgreiche Menschen verkaufen stattdessen ihre Zeit nicht gegen einen Lohn und arbeiten für Geld, sondern investieren ihr Vermögen in lukrative Anlagen und lassen somit ihr Geld für sie arbeiten. Doch lediglich zehn Millionen Deutsche legen ihr Geld direkt in Aktien an und nur neun Prozent der unter 30-Jährigen. Dabei gibt es soviel Anlagemöglichkeiten und Investitionsziele. Natürlich schließen sich absolute Sicherheit und Rendite sich aus. „Sicherheit“ bedeutet derzeit aber null Zinsen und somit Geldverlust. Die Deutsche Bank hat in einer großangelegten Studie gängige Geldanlagen untersucht und wie sie sich in den vergangenen 160 Jahren weltweit entwickelt haben. Mit Rohstoffen sollte man es nicht versuchen. Nur Gold bildet da eine Ausnahme. Das Edelmetall schaffte auf lange Sicht abzüglich der Inflation einen Ertrag von zwei Prozent im Jahr.

Langfristig gesehen ist man mit Aktien besser bedient. Sie bilden die einzige Anlageklasse, die fast immer stärker zulegte, als die Inflation an Kaufkraft verzehrte. Auf die letzten 100-Jahre bezogen ergibt sich eine kaufkraftbereinigte Rendite von 7,7 Prozent – wenn man global sein Risiko streut. Wer jedoch jetzt in der Corona-Krise sein Aktiendepot für seinen Ruhestand auflösen wollte, hat in den meisten Fällen mit einer passiven buy&hold Strategie in die Röhre geschaut, da sogar viele bis dato solide Unternehmen Einbrüche erlitten haben, von denen sie sich in erst einmal erholen müssen. Die Lufthansa musste bekannterweise sogar mit Staatlicher Hilfe gerettet werden, um schlimmeres zu vermeiden! Der Handel ist sit Jahrtausenden ein Profitables Handwerk. So auch der Börsenhandel – auf Neudeutsch das Trading! Egal, ob Kurse fallen oder steigen, Trader können stets gewinnen. Kursdifferenzen sorgen mit Hebelprodukten für Rendite – diszipliniertes Money- und Risikomanagement vorausgesetzt.

Neben einem Engagement am Kapitalmarkt stellen Immobilien-Investments mit Mieteinnahmen und interessanten Steuervorteilen das zweite Standbein eines passiven Einkommens dar, hinzu kommt ein eigenes Business, bei dem man seinen Marktwert im mit unternehmerischen Geschick massiv steigern kann – Gegensatz zum angestellten Stundenlohn. Das Einmaleins an der Börse und laufende Geschäfte sind jedoch nur der erste Schritt. Wer besonders erfolgreich sein und sich abheben möchte, benötigt die richtige Einstellung, neudeutsch: Mindset. Sie bildet das Fundament, ohne den man den Aufbau des Hauses „Finanzielle Unabhängigkeit“ gar nicht erst starten sollte. Viele sagen hier, sie brauchen das nicht. Doch unserer Erfahrung nach müssen oft Blockaden beseitigt werden: negative Einflüsse von Freunden und Familie oder Altlasten aus der Jugend. Erst die Auflösung, gepaart mit Finanzwissen, stellt die Basis für persönlichen und wirtschaftlichen Erfolg dar.

Mit dieser Mischung lassen sich Businessmodelle aufbauen, die selbst die Corona-Krise finanziell überstehen. Deutsche sollten von Amerikanern also lernen, wie Geld funktioniert und wie man einen positiven Cashflow generiert: durch Börsenhandel, Mieteinnahmen oder ein eigenes Geschäft. Damit sind sie auch auf den fundamentalen Wandel in der Arbeitswelt vorbereitet. Nicht erst durch die Corona-Pandemie stehen etliche Berufsgruppen auf dem Prüfstand, so dass es anachronistisch wäre, weiterhin für jemand anderes zu arbeiten. Selbstverantwortung ist gefragt.

Entscheidend hierfür ist mehr finanzielle Bildung und die bessere Kenntnis von Produktklassen, ebenso den Basics am Finanzmarkt, wie Zinsen, Inflation, Ölpreis oder Dollar-Kurs. Neben diesem Know-how, sollte sich noch Mut und Durchhaltevermögen gesellen, so wie es auch US-Finanzguru Robert Kiyosaki (Autor des Bestsellers „Rich dad, poor dad“) propagiert. Er ist für viele Amerikaner und Asiaten ein Vorbild. Seine Prämissen und Gedanken sollten hierzulande populärer werden. So schaffen auch wir es mit der finanziellen Unabhängigkeit.

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