Die Beamten denken und der Minister hält die Festreden. Norbert Blüm

Heilsame Ernüchterung

Den Griechen steht ein harter Sparkurs bevor. Doch in der Krise liegt auch eine Chance, wie Irland erfolgreich vorgemacht hat: Eine heilsame Schockwirkung könnte den Euro aus der Krise sogar noch gestärkt hervorgehen lassen.

Letztlich hängt die Stabilität vor allem von der Politik ab. Sicherlich hat die globale Finanz- und Wirtschaftskrise auch die Europäer gebeutelt, aber die EU, allen voran die Deutschen, sind bisher besser durch die Krise gekommen, als andere westliche Industrieländer. Das danken die Deutschen erstens dem Euro. Ohne den Euro wäre die DM so stark aufgewertet worden, dass es die deutschen Exporte auf den Weltmärkten noch schwerer gehabt hätten. Nur am Rande sei angemerkt: Rund 40% der deutschen Exporte gehen in den Euroraum. Schon deshalb sind und müssen die Deutschen am Erhalt der Eurozone interessiert sein.

Auch dürfen sie zuweilen dafür dankbar sein, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder einst mit seiner Agenda 2010 (für welche er zehn Landtagswahlen verlor) die Grundlagen dafür gelegt hat, dass sie bisher besser mit den weltwirtschaftlichen Verwerfungen fertig geworden sind.

Die Griechen müssen lernen, wie es in der normalen Welt zugeht

Auf so ordentlich erledigte Hausarbeit können die meisten Euro-Partner nicht zurückblicken. Und dabei sind die Griechen noch ein Sonderfall. Mit Lug und Betrug haben sie sich in den Euro hineingeschmuggelt. Und einmal drinnen, nach dem schönen rheinischen Motto: „Es ist noch immer gut gegangen“, weitergemacht. Jetzt will das Land, in dem Millionäre keine Steuern zahlen und fast alle anderen Griechen auch nicht, die EU verklagen. Des Weiteren will man jede weitere Regierung abwählen, die die bittere Medizin des Sparens verabreicht. Am Ende hilft dann nur eine Abkühlungsphase in der Warteschleife. Will heißen: Die Griechen müssen lernen, wie es in der normalen Welt zugeht, wo nach einer Aussage der legendären britischen Premierministerin Margaret Thatcher “free lunches” nicht existieren.

Hingegen sind die Iren eine gute Demonstration dafür, welche heilsamen Ordnungskräfte und Sanktionsmöglichkeiten im Statutenwerk des Maastrichtvertrages stecken. Sie haben gezockt, vor allem ihre Banken und Finanzhäuser. Aber jetzt wird gespart, gestrichen und normalisiert. Das ist mühsam und äußerst schmerzhaft. Aber es ist ein deutlicher Beweis dafür, dass die Iren den hohen Wert einer Mitgliedschaft in der Eurozone begriffen haben und auf jeden Fall Mitglied bleiben wollen.

Heilsamer Schreck

Natürlich gibt es auch weitere Wackelkandidaten, wie Spanien, Italien und Portugal. Aber auch denen ist ein heilsamer Schreck in die Glieder gefahren. Gerade deshalb ist es so wichtig, dass die Griechen eine Ernüchterungsrunde außerhalb der Eurozone erleben.

Letztlich gilt, was dem Euro gefährlich wird, ist immer die Politik. Denn wenn die Politiker nicht dem Populismus Zucker geben, sondern da durchhalten, was der Maastrichtvertrag zwingend vorgibt, könnte der Euro aus der Krise sogar noch gestärkt hervorgehen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Frank Schäffler, Volker Wissing, Markus Söder.

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Europaeische-union, Griechenland, Eurokrise

Debatte

Markus Ferber: Mein Wunsch für die Zukunft Europas

Medium_8c1a882405

Für ein Europa der Nachhaltigkeit

Wenn ich über die Zukunft Europas nachdenke, dann erinnere ich mich stets daran, was das oberste Ziel des europäischen Projekts ist - nämlich eine bessere Zukunft für die europäischen Bürgerinnen u... weiterlesen

Medium_d68784e0ac
von Markus Ferber
19.04.2019

Kolumne

Medium_4a1346a138
von Günter Albrecht Zehm
17.04.2019

Debatte

Operation Sophia

Medium_4b45e04c03

EU-Regierungen müssen Seenotrettung fortsetzen und sich auf Verteilung einigen

Die EU wird bis auf Weiteres keine Flüchtlinge mehr im Mittelmeer retten. Operation Sophia zur Rettung von Flüchtlingen wurde ausgesetzt, weil sich die EU-Mitgliedstaaten nicht auf einen Verteilsch... weiterlesen

Medium_6b7fde190d
von Ska Keller
04.04.2019
meistgelesen / meistkommentiert