Wie bring ich dem Roboter Gefühle bei?

von Friedrich Seher19.10.2018Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft

Was passiert, wenn “Digital Leadership“ wörtlich zu nehmen sein wird, wenn die Mitarbeiter Roboter werden? Wie entwickeln wir neben der KI die KEI: Künstliche Emotionale Intelligenz? Ein Spitzenmanager wagt eine Dystopie.

Spannend! Bisher war ich als Therapeut, Seelsorger, Beichtvater, Lebensberater und anderes mehr für meine 60 Mitarbeiter tätig. Die klassische Führungskraft! Das hat sich geändert. Meine Abteilung ist geschrumpft. Ich führe jetzt 6 „Mitarbeiter“ – humanoide Typen. Dazu habe ich mich „reskillen“ müssen: ein Schnellsiedekurs in IT und Mechatronik und die Uni-Lehrgänge in Maschinenethik und Roboterpsychologie.

Die neuen Mitarbeiter, ich habe ihnen menschliche Namen wie Rudi, Hans-Joachim oder Franz gegeben, sind selbstlernende Maschinen. Vergessen sind alle erlernten Führungsinstrumente und -mittel. Kein Zuckerbrot und Peitsche mehr. Kein zwischenmenschlicher Ärger, Intrigen, Burn-outs etc. mehr. 24 Stunden Tag! Und das auf 60 statt bisher 600 qm! Und meine physische Präsenz ist nicht mehr zwingend notwendig – es lebe das home-office.

Es gelten ganz neue Regeln. Diese waren für die künstliche Intelligenz meiner neuer Mitarbeiter nicht leicht zu definieren. Alles, was sinnentleerte Verwaltungsarbeit und repetitiv ist, kann ich nahezu unkontrolliert delegieren. Dazu kommt alles, was ein Mensch binnen Sekunden zweifelsfrei entscheiden kann. Wir halten algorithmisch derzeit bei Sekunden. Das Moravec´sche Paradox ( verkürzt: Kniffliges ist leicht, Banales schwer ) kommt voll zum Tragen. Komplexere Themen und Entscheidungen, die beispielsweise unternehmenskulturellen oder politischen Hintergrund haben, arbeiten meine „Mechanauten“ zwar ab, erstellen aber nur eine große Anzahl vielfältiger Alternativen. Da bin wieder ich gefragt und habe die Letztentscheidung. Auf niedriger Sicherheitsstufe bin ich auch berechtigt, gut dokumentiert, kleine algorithmische Eingriffe vorzunehmen und die Leute von Cyborg Inc. zu rufen.

Was fehlt, ist das Zwischenmenschliche. Ich meine damit nicht das Feierabendbier, die Betriebsausflüge und Weihnachtsfeiern. Ich meine die Empathie, das Wir-Gefühl, die gemeinsamen Erfolgserlebnisse. Aber daran arbeiten wir. Ein Team aus Verhaltensökonomen, Psychiatern, und Experten aus affinen Fächern ( Pädagogen, Philosophen und Mediziner ) haben einen Projektauftrag, Arbeitstitel: „KEI“. Meine Mitarbeiter sollen Künstliche Emotionale Intelligenz lernen. Sie sollen fähig gemacht werden, mich oder ein anderes menschliches Gegenüber in allen möglichen Facetten (Persönlichkeitsmerkmale, Gefühle, Emotionen etc…) zu erfassen, zu verstehen und darauf zu reagieren.

Im Hintergrund läuft alles auf einen Diskurs zwischen Emboidmentianer und Transhumanisten zu. Die einen argumentieren (verkürzt): eine Person braucht Bewusstsein und Bewusstsein braucht einen Körper, der chemisch/physikalisch arbeitet. Daher kann ein Roboter niemals eine Person sein. Die Transhumanisten bezeichnen Roboter bereits heute als Persönlichkeiten und ihr Ruf nach Persönlichkeitsrechten für Roboter wird lauter.

Willkommen in der schönen(?), neuen(!) Welt.

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