Warum gibt es noch keinen Impfstoff in Deutschland? | The European

Friedrich Merz15.12.2020Medien, Politik

Licht und Schatten, Chance und Risiko liegen oftmals dicht beieinander. So ist es auch bei den Impfstoffen gegen Corona: Es gibt sie – aber leider noch nicht in Deutschland. Woran liegt das? Friedrich Merz gibt Antworten.

Deutschland Impfung, Coronavirus, Quelle: Shutterstock

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat angekündigt, den Impfstoff des Mainzer Unternehmens BionTech bis zum Jahresende zuzulassen. Mit demselben Impfstoff wird seit einigen Tagen in den USA, in Kanada und in Großbritannien bereits geimpft. Europa lässt sich wieder einmal Zeit, ganz besonders gründlich soll die Zulassung erfolgen. Aus nachvollziehbaren Gründen hat Deutschland auf einen nationale Notfallzulassung im Alleingang verzichtet, die Risiken eines europäischen Flickenteppichs einschließlich russischer Impfstoffe und gehöriger Verteilungskonflikte wären einfach zu groß gewesen. Aber muss deshalb so lange Zeit ins Land gehen, wenn die Menschen doch dringend darauf angewiesen sind, geimpft zu werden, wenn die wirtschaftlichen Schäden des Lockdowns II jeden Tag größer werden, wenn die Kritik an den Maßnahmen auch unter Wissenschaftlern täglich lauter wird?

Der Covid-Impfstoff hätte auch in Europa früher zur Verfügung stehen können

Die Diskussionen um ein Freihandelsabkommen mit den USA haben viele noch in (unguter) Erinnerung. Teil eines solchen Freihandelsabkommens hätte eine gegenseitige Anerkennung der Zulassung von Arzneimitteln zwischen der FDA in Amerika und der EMA in Europa werden können. Die amerikanischen Zulassungen sind mindestens genauso streng wie die europäischen, Doppelaufwand in den Zulassungsprozessen und eine große Kostenersparnis für die Verbraucher wären möglich. Der Covid-Impfstoff hätte auch in Europa früher zur Verfügung stehen können.

So hat sich der deutsche Staat zwar an CureVac, einem weiteren Impfstoffhersteller beteiligt, aber beide Unternehmen, BionTech und CureVac, sind inzwischen an der New Yorker Börse gelistet. Die amerikanischen Investoren verdienen prächtig an den Unternehmen, und die Amerikaner werden früher geimpft als die Europäer. Wir sind wenigstens stolz darauf, den Impfstoff entwickelt zu haben. Aber das ganze Dilemma der Europäer zeigt sich einmal mehr: Wir sind einfach zu langsam. Ein transatlantisches Freihandelsabkommen und ein europäischer Kapitalmarkt gehören auf die to-do-Liste nach Corona.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Deutschland verspielt außenpolitisches Vertrauen

Der anhaltende Krieg in der Ukraine verändert die gesamte Sicherheitsarchitektur Europas. Der russische Angriffskrieg zwingt die NATO und die EU dazu, die Bewahrung von Frieden und Freiheit in dem Teil Europas, in dem wir das große Glück haben zu leben, wieder zur vorrangigen politischen Priorit

Woke sein ist ok – wenn man es denn wirklich ist!

Der rechtskonservative Kongress in Texas, bei welchem unter anderen auch der ungarische Ministerpräsident Orbán eine Rede gehalten hat – hat deutlich gezeigt, dass die Rechtspopulisten etwas geschafft haben, wozu die gesellschaftspolitische Linke nicht im Geringsten in der Lage ist: eine globale

Mehrheit will keine Maskenpflicht mehr

In den vergangen beiden Jahren 2020 und 2021 war der Kampf gegen die Corona-Pandemie das maßgebliche Thema. Die Mehrheit der Bürger sprach sich für strenge Maßnahmen aus. Im laufenden Jahr hat aber nicht nur die Angst um den Frieden in Europa, sondern auch um die Versorgung mit Energie - beides

Der CumEx-Kanzler bald Ex-Kanzler?

Olaf Scholz wird mit voller Wucht von einem alten Skandal eingeholt. Die Details der Hamburger Finanzaffäre werden immer brisanter. Dabei sind die Umfragen für den Kanzler wie für die SPD ohnedies miserabel. Die Linkspartei sieht Scholz schon stürzen. Tatsächlich ist die Ampelregierung alles an

Merkel vor Kohl: So werden die Kanzler seit der Wiedervereinigung bewertet

Von 1998 bis 2005 war Gerhard Schröder Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er führte eine rot-grüne Koalition. Wenn man heute fragt, welcher Bundeskanzler seit der Wiedervereinigung die Interessen Deutschlands am besten vertritt oder dies getan hat, belegt Alt-Kanzlerin Angela Merkel (38 Proz

Wir wären vollkommen verrückt, wenn wir die Kernkraftwerke vom Netz nehmen

Es gibt keinen Grund zur Panik. Aber es gibt angesichts möglicher Energieversorgungsengpässe im Herbst dringenden Handlungsbedarf – im Sommer trotz der Parlamentsferien. Von Friedrich Merz

Mobile Sliding Menu