Ein Vorbild für die Welt

von Friederike Welter2.10.2013Wirtschaft

Der „German Mittelstand“ ist ein Erfolgsmodell und wird weltweit bewundert. Dabei ist der deutsche Mittelstand mehr als eine rein ökonomische Größe.

Der Begriff „wirtschaftlicher Mittelstand“ stellt eine deutsche Besonderheit dar – weltweit hat sich hierfür der Begriff „German Mittelstand“ etabliert. In allen übrigen Ländern spricht man von kleinen und mittleren Unternehmen und meint damit in aller Regel einen rein statistisch definierten Teil der Gesamtwirtschaft. Der deutsche Begriff „Mittelstand“ beschreibt dagegen die Gruppe derjenigen kleinen und mittleren Unternehmen, die nicht nur bestimmte ökonomische quantitative Kriterien erfüllen, sondern sich auch durch qualitative Merkmale auszeichnen.

Dazu gehört beispielsweise, dass sie in der Regel fest in ihrer jeweiligen Heimatregion verankert sind und dort dann oft die gesellschaftliche Mittelschicht bilden. So sind beispielsweise die „heimlichen Gewinner“ – international agierende Mittelständler – sowohl regional ein bedeutender Wirtschaftsfaktor als auch global in ihrer Nische Weltmarktführer.

Viele deutsche mittelständische Unternehmen zeichnen sich aber auch dadurch aus, dass sie eine motivations- und leistungsfördernde Unternehmenskultur besitzen: Sie betrachten und fördern ihre Mitarbeiter als zentrale Quelle für Innovation, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit.

Hinzu kommt, dass viele Unternehmen in Deutschland (seit Generationen) einer Familie gehören, die aktiv auch die Geschäfte unmittelbar verantwortet und das unternehmerische Risiko trägt. Diese sogenannte „Einheit von Eigentum und Leitung“ führt dazu, dass neben kleinen Unternehmen, wie Dienstleistern, Freiberuflern, Handwerkern sowie Produzenten von Gütern hoher Qualität oder Spezialserien, auch die sogenannten „Großen Familienunternehmen“ zum deutschen Mittelstand zählen.

Jobmotor Mittelstand

Insbesondere in familiengeführten Unternehmen können in der Regel die Arbeitnehmer und sonstigen Stakeholder darauf vertrauen, dass strategische Entscheidungen langfristig angelegt – und nicht auf kurzfristig erreichbare Erfolge ausgerichtet sind. Daher waren die meisten mittelständischen Unternehmen auch in der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise bestrebt, ihr Fachkräftepotenzial im Unternehmen zu halten. Viele von ihnen haben dafür sogar Produktivitäts- und Gewinnrückgänge in Kauf genommen!

Der Erfolg dieser Vorgehensweise spricht jedoch für sich: Im Frühjahr 2013 hat das Institut für Mittelstandsforschung Bonn (Ifm) in einer Studie nachgewiesen, dass der Mittelstand weiterhin der Jobmotor in Deutschland ist. Gut jeder zweite sozialversicherungspflichtige Beschäftigte war im Jahre 2009 in einem mittelständischen Unternehmen beschäftigt – oder hat dort seit 2001 eine Anstellung gefunden.

Einen besonders hohen Beschäftigungsbeitrag leisten dabei übrigens die Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten. In den mittelständischen Unternehmen war zwar insgesamt betrachtet gut die Hälfte der Arbeitsplätze zwischen 2001 und 2009 abgebaut worden – durch Gründungen und Unternehmenswachstum entstanden aber so viele neue Beschäftigungsangebote, dass im Mittelstand der Arbeitsplatzverlust mit einem Plus von 13,6 Prozent mehr als ausgeglichen wurde. Zum Vergleich: In den Großunternehmen sank in diesem Zeitraum die Nettobeschäftigung um 1,2 Prozent. Damit bestätigt sich, dass vor allem von den kleinen und mittleren Unternehmen wichtige Impulse für eine permanente Erneuerung und Modernisierung der Wirtschaft ausgeht.

Mittelstand – über Gebühr belastet?

Wichtig für den Erfolg des Mittelstandes sind verlässliche Rahmenbedingungen: Gerade die kleinsten Unternehmen sind aber überproportional von den Kosten betroffen, die beispielsweise die Berichtspflicht mit sich bringt.

Der Bürokratieabbau hat zwar in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht, dennoch ist hier Potenzial zur Verbesserung der Rahmenbedingungen – vor allem im Zusammenspiel mit der Europäischen Union – gegeben: Denn dort, wo beispielsweise Deutschland Regelungen vereinfacht, führt die EU oftmals neue Vorschriften ein, die den Mittelstand wiederum über Gebühr in Anspruch nehmen.

Ohne Zweifel: Der Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft hat sich fortgesetzt. Von dieser Entwicklung profitieren wiederum vorrangig die kleinen und mittleren Unternehmen, die sehr viel flexibler als Großunternehmen Leistungen erstellen können und geringere Fixkosten besitzen. So wuchs beispielsweise zwischen 2001 und 2009 das KMU-Arbeitsplatzangebot in den wissensorientierten Dienstleistungen (z. B. Beratung oder Kommunikationsberufe) um 37,4 Prozent – in den Großunternehmen jedoch nur um 6,6 prozent.

Allerdings stellen wir im IfM Bonn seit längerem auch eine Zunahme an sehr kleinen Einheiten („Solo-Selbstständigkeit“) fest. Auch dies ist unserer Ansicht nach ein Aspekt des zu beobachtenden Strukturwandels: So entstehen neue Formen der Kooperation („Wechselnde Netzwerke“). Je nach Projekterfordernissen bilden sich wechselnde Teams selbstständiger Akteure, die deutlich effizienter arbeiten. Eine Gefahr für den deutschen Mittelstand ist dadurch aber nicht gegeben. Im Gegenteil: Eines seiner wesentlichen Kennzeichen ist schließlich auch, dass die Wertschöpfung von vielen verschiedenen Unternehmen erbracht wird.

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