Es gibt keinen Grund mit den LINKEN zu koalieren

Franz Sommerfeld5.11.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Politik

Die CDU kann am Schicksal der SPD sehen, in welche Abgründe es führt, wenn man Werte vergangener Zeiten in der Hoffnung beschwört, sie so wiederherzustellen

Anders als Thomas Schmid sehe ich keinen Grund für die CDU, in Thüringen mit den Linken zu koalieren. Gerade auf Landesebene und besonders in Thüringen gibt es Alternativen, die eine relative Regierungs-Stabilität gewährleisten. Und nach wie vor halte ich es für gefährlich, wenn Parteien aus immer noch gegensätzlichen Lagern – ohne Not – koalieren. Denn politisches Profil, am besten noch verkörpert durch profilierte Politiker, schützt vor populistischer Demagogie am wirkungsvollsten.

Aber treffend kritisiert Schmid die Versuche, den grossen, vielleicht sogar historischen Vorteil der CDU nun zu schleifen. Anders als die SPD hat die CDU unter Angela Merkel – wie übrigens auch schon unter Kohl zu dessen Zeiten – ihr politisches Profil den veränderten Gegebenheiten angepasst:

„Denn in Wahrheit hat die CDU unter Angela Merkel nicht ihre Seele verkauft. Sie hat vielmehr auf gesellschaftliche Trends reagiert, die sehr mächtig waren, und die es mit und ohne CDU gibt und geben wird. Die Lebensstile werden vielfältiger. Die Männerdominanz ist unwiderruflich auf dem Rückzug. Einige Minderheiten haben sich fast schon so etwas wie Verfassungsrang erkämpft. Um anerkannt zu werden, muss sich Autorität heute rechtfertigen, und selbst dann wird sie mitunter nicht mehr hingenommen. Klassische Organisationsformen wie Vereine, Kirchen oder Parteien verlieren ihre Anziehungskraft. Die Grenze zwischen national und international ist immer schwerer zu ziehen. Das alles hat die CDU nicht erfunden, ganz im Gegenteil. Will sie aber nicht ein altbundesrepublikanischer Folkloreclub werden, hat sie gar keine andere Wahl, als sich mit diesen Trends auseinanderzusetzen. Deren Impulse aufzunehmen. Und ja, sich ihnen manchmal auch anzupassen – siehe etwa Horst Seehofer.“

Dabei kann die CDU am Schicksal der SPD sehen, in welche Abgründe es führt, wenn man Werte vergangener Zeiten in der Hoffnung beschwört, sie so wiederherzustellen.

Es ist gut, dass dieser Kommentar des ehemaligen Herausgebers der „Welt“ auch dort erscheint, er hebt sich ab von nicht wenigen aufgeregten Wortmeldungen zum Thema.

 

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