Merz fehlt das Sieger-Gen

von Franz Sommerfeld11.12.2018Gesellschaft & Kultur, Medien

Die Klugheit und strategische Kompetenz des unterlegenen Merz sind unumstritten. Er ist eine grosse politische Begabung. Aber spätestens seit dem Parteitag liegt auf der Hand, dass ihm das Sieger-Gen fehlt, schreibt Fraz Sommerfeld.

Es ist schon verblüffend, dass nun gerade die baden-württembergischen Christdemokraten, die durch viel eigenes Verschulden den Grünen in einem klassischen CDU-Stammland das Amt des Ministerpräsidenten nun schon in der zweiten Legislaturperiode überlassen haben, eine programmatische Wende der gesamten CDU zu den Verhältnissen wünschen, mit denen sie selbst gescheitert sind.

Friedrich Merz hätte das erkannt und sich wohl nicht darauf eingelassen. Die falschen Erwartungen seiner Anhänger zu enttäuschen, wäre für ihn die grösste Herausforderung gewesen. Die FAS hat in einer grossen Recherche eindrucksvoll nachgezeichnet, mit welchem „kriegerischen Druck Merzianer“, so die FAS, versucht haben, die Delegierten auf ihren Mann einzuschwören: „Wer aus der Sicht des Merz-Lagers den „Willen der Basis“ besonders eklatant missachtete, wurde in Whatsapp-Gruppen namentlich erwähnt. „Pressure-Groups“ nannte das ein älterer Herr jenseits der achtzig; er war auch in einer.“

Die Klugheit und strategische Kompetenz des unterlegenen Merz sind unumstritten. Er ist eine grosse politische Begabung. Aber spätestens seit dem Parteitag liegt auf der Hand, dass ihm das Sieger-Gen fehlt. So wie er von Merkels Griff nach seinem Fraktionsamt im Jahre 2002 offensichtlich ehrlich überrascht wurde, hat er auch dieses Mal nicht die Niederlage geahnt. Dann sonst hätte er – wie AKK – sein ganzes überlegenes rhetorisches Talent eingesetzt, um die Zustimmung der Delegierten zu „erzwingen“. Diese Fähigkeit zeichnet politische Führungskräfte aus.

Im Jahre 2002 hatte ihn sein Selbstbild in Sicherheit gewogen, diese Mal mag es die fast schon eschatologische Erwartungshaltung älterer Herren an ihn gewesen sein, die ihn vom entscheidenden Kampf abgehalten haben. Wer siegen will, muss selbst alles geben und das nicht den Anhängern überlassen, die mit allen erfreulichen und unerfreulichen Mitteln gekämpft haben. Seine fehlende Entschlossenheit auf dem letzten, aber meist entscheidenden Teil des politischen Weges spricht gegen den Anspruch von Merz, seine Partei und das Land zu führen.

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