Deutsche Söldner, Waffen und Dienstleistungen

Franz Hutsch23.09.2009Gesellschaft & Kultur, Medien, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft

Deutschland ist längst in der lukrativen Welt der Söldner-, privaten Sicherheits- und militärischen Unterstützungsfirmen angekommen. Deutsche Exsoldaten und -polizisten begleiten in Irak Konvois, jagen in Afghanistan Taliban und sollen in Zentralafrika Erdölfelder und Diamantenminen erobern.

aa78ff2016.jpeg

Der Bundesverband Wach- und Sicherheitsunternehmen (BDWS) weiß nicht, wie viele deutsche Söldner weltweit unterwegs sind. Auch über Zahlen zu im Irak oder in Afghanistan tätigen Unternehmen wollen die Interessenvertreter nicht verfügen. Allerdings hört Verbandspräsident Wolfgang Waschulewski die Kassen der privaten Sicherheitsanbieter ungeachtet der sich abzeichnenden Finanzkrise klingeln: Zwar habe er bei anfragenden Journalisten zur Libyen-Affäre deutlich gemacht, “dass die Mitgliedsunternehmen des Bundesverbandes Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen an derartigen Aktivitäten kein Interesse haben”. Dennoch geht Waschulewski davon aus, dass das Thema Auslandseinsatz von privaten Sicherheitsunternehmen in Zukunft zunehmen wird, und bemüht dafür die Überzeugung Peter Strucks, wonach die Freiheit Deutschlands am Hindukusch verteidigt werde: “Damit sind weitreichende Konsequenzen für die Tätigkeit deutscher Sicherheitskräfte verbunden. In diesem Zusammenhang stellt sich immer mehr die Frage, ob es Aufgabe der im Ausland tätigen Polizei- bzw. Bundeswehreinheiten ist, den Objektschutz mit eigenen Kräften durchzuführen.”

Er scheint diese Frage für sich mit “nein” zu beantworten. Entsprechend hat die Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) – eine Einrichtung der Bundesregierung – im Januar 2008 in Berlin-Hohenschönhausen ein Seminar zur Tätigkeit privater Sicherheitsdienste im Ausland durchgeführt. Waschulewski dazu: “Für mich steht fest, dass es in Zukunft zu einem (zunehmenden) Einsatz privater Sicherheitsunternehmen im Ausland kommen wird. Dies kann zum Schutz deutscher Liegenschaften und auch zum Schutz deutscher Wirtschaftsinteressen geschehen. Aber auch hier wird die Nachfrage durch Sicherheitsunternehmen befriedigt werden, wenn diese darin einen interessanten und lukrativen Geschäftsbereich erkennen. Deshalb ist es wichtig, klare rechtliche Regelungen für den Einsatz deutscher Sicherheitsunternehmen im Ausland zu treffen.” Wie diese Bestimmungen aussehen sollen, hat der in Bad Homburg ansässige Verband bisher noch nicht erklärt.

“Man liegt in derselben Scheiße, also hilft man sich”

Konnte er wohl auch nicht, denn die wenigsten Freiberufler unter den deutschen Söldnern sind im BDWS organisiert. Der Verband schätzt, dass im Nahen und Mittleren Osten etwa 3.000 deutschen Privatmilitärs auf Honorarbasis tätig sind. Bestätigt wird diese Zahl von den Berufsverbänden offiziell ebenso wenig wie die der etwa 1.000 deutschen Söldner, die in Afrika militärische Dienstleistungen erbringen sollen. Irak-Söldner Benny sagt: “Die früheren Bundeswehrsoldaten sind ziemlich gut miteinander vernetzt. Da weiß man, wer gerade für wen wo unterwegs ist, wer eine Pause macht und wer einen Job sucht. Da wird dann auch schon mal eine Empfehlung abgegeben oder ein gutes Wort bei möglichen neuen Auftraggebern eingelegt. Man liegt in derselben Scheiße, also hilft man sich.”

Deutsche Sicherheitsfirmen spielen im Vergleich zu den US-Sicherheitsunternehmen kaum eine Rolle auf den internationalen Kriegsschauplätzen. Im Irak ist die deutsche Firma Praetoria aus Bielefeld etabliert. Das Unternehmen übernimmt “alle Aufgaben, die der Risikominimierung bei Engagements in potenziell riskanten Umgebungen und einer effizienten und effektiven Umsetzung von Projekten jeder Art dienen”. Das heißt: Sie schützen Manager und Hilfsorganisationen ebenso wie Konvois, Botschaften und die Häuser von Diplomaten. Sie bilden irakische Polizisten und helfen, geschäftliche Kontakte im Irak und Mittleren Osten sowie in Afrika zu finden. Ganz nach dem Firmenslogan: “Wir begleiten Ihren Erfolg in Krisenregionen.”

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Der Ausschluss von Stephan Brandner ist ein klares Signal gegen Hetze und Hass

Stephan Brandner von der AfD hat Menschen ausgegrenzt und Hass geschürt. Nun muss er seinen Posten aufgeben - die Abgeordneten des Rechtsausschusses haben ihren Vorsitzenden abgewählt. Einen vergleichbaren Fall hatte es bislang in der Geschichte des Bundestages noch nicht gegeben.

Der Erfolg der AfD liegt in der Austauschbarkeit der Altparteien

30 Jahre nach der Friedlichen Revolution wurde in Thüringen gewählt. Zum dritten Mal in diesem Jahr kann die AFD zum Entsetzen von Medien und Politik einen Wahlerfolg in „Dunkeldeutschland“ (Gauck) feiern. Die linke Mehrheit ist gebrochen, die SPD liegt bei 8,2 %, die AfD macht als zweite Kraf

Wir müssen wieder miteinander streiten lernen

Es hat lange gedauert, aber nun haben auch die liberalen Blätter endlich erkannt, dass etwas schief gelaufen ist mit dem „Haltung zeigen“. Als ich es wagte, ein Buch mit dem Titel „Wir können nicht allen helfen“ zu veröffentlichen, begrüßte mich die Kreuzberger Grünen-Abgeordnete auf d

Nächstenliebe geht anders!

Nächstenliebe geht anders! Alle EU-Abgeordneten von CDU/CSU haben gegen eine Resolution zur Beendigung des Sterbens im Mittelmeer gestimmt. Mit Rechtspopulisten und -extremen haben sie diesen Aufruf zur Menschenrettung mit einer neuen europäischen Seenotrettung und für die Entkriminalisierung der

Triumph für Matteo Salvini

Eben noch ging ein Seufzer der Erleichterung durch Europa: Der italienische Patient war endlich auf dem Weg der Besserung. Lega-Chef und Innenminister Salvini manövrierte sich mit seinem gescheiterten Neuwahl-Coup ins Aus. Und das Regierungsbündnis aus 5-Sterne-Bewegung und linker Demokratischer P

Auf welchen Politikertypus stehen die Deutschen?

Auf welchen Politikertypus stehen die Deutschen? Kuschelbär (Robert Habeck) oder John Wayne (Friedrich Merz)? Ich vermute Kuschelbär.

Mobile Sliding Menu