Das ist keine Kampfkandidatur. Das ist Demokratie, wenn man Auswahl hat. Renate Künast

Bitcoins haben mit einer stabilen Währung nichts zu tun

Die österreichische Oberbank ist weiter auf Erfolgskurs und fährt ein Rekordergebnis nach dem anderen ein. The European sprach mit Generaldirektor Franz Gasselsberger über Wachstum, den schwachen Euro und über die Bitcoinblase.

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Groß: 2017 schaffte Ihr Institut das achte in Folge. Der Überschuss nach Steuern stieg um über 10 Prozent auf 200 Millionen Euro an. Die Deutsche Bank hingegen ist im Minus und Stellen werden abgebaut. Worin liegt Ihr Erfolgsgeheimnis?

Gasselsberger: Ich glaube, wir haben ein Geschäftsmodell, das wir sehr zielstrebig abarbeiten. Wir haben einen Masterplan, den wir bis zum Jahr 2020 sehr stringent umsetzen möchten. Einerseits sind wir eine Bank des Mittelstandes, haben ein starkes Wachstum im Kommerzkreditgeschäft, was sehr breit getragen ist. Dabei profitieren wir stark von der Hochkonjunktur. Auf der anderen Seite haben wir ein zweites starkes Standbein im Privatkundengeschäft. Wir sind eine Bank, die sehr stark in der Wohnbaufinanzierung ist. Aber auch Private Banking bei der gehobenen Vermögensveranlagung sind wir sehr erfolgreich – da haben wir im ersten Quartal sehr starke Wertpapierprovision erwirtschaften können. Darüber hinaus würde ich sagen, dass wir eine ausgezeichnete Kostenstruktur haben. Unsere Kostenertragsrelation liegt immer um die 50 Prozent, während die Banken 60-70 Prozent bekommen. Das heißt, wir haben kein Kostenproblem, wir müssen nicht Mitarbeiter entlassen, keine Filialen schließen – ganz im Gegenteil. Wir haben eine unglaublich gute Risikosituation. Diese hat sich im ersten Quartal dieses Jahres sogar nochmals verbessert. Deshalb konnten wir mehr Risikovorsorgen auflösen. Darüber hinaus ist unsere Expansion zu nennen. Dies ist – gerade auch in Deutschland – ein großer Erfolgsfaktor.

Groß: Seit einigen Jahren sind Sie in Deutschland sehr präsent, entwickeln die Standorte weiter. Was ist zukünftig in der Bundesrepublik an Standorten noch geplant?

Gasselsberger: In Baden-Württemberg, in Hessen und in Sachsen haben wir das Ziel zu wachsen. Da wollen wir das, was wir am Jahresende 2017 als Ziel formuliert haben entsprechend umzusetzen. Dort wollen wir unsere Präsenzen im kommenden Jahr definitiv weiter vertiefen.

Groß: Welche Konsequenzen haben Trumps außenpolitischen Pläne – zum Beispiel das gescheiterte Atomabkommen – für Ihre Bank? Sie sind ja 2015 in das iranische Finanzsystem mit eingestiegen.

Gasselsberger: Es ist so, dass durch die Kündigung des Atomabkommen durch Trump eine rechtliche Situation entsteht, wie sie einmal vor dem Abkommen war – das heißt: wir werden ab Anfang November keine oder kaum finanzielle Transaktionen (Zahlungsverkehr, Dokumentengeschäft) mit dem Iran bzw. auch keine Finanzierungen machen dürfen. Diesem Thema haben wir uns zu stellen. Das ist eine sehr unerfreuliche Entwicklung. Aber wir können eben gewisse Geschäfte, von denen wir geglaubt haben, diese machen zu können, dann nicht so umsetzen wie geplant. Wir werden sehen, wie sich die Dinge weiter entwickeln, allerdings gehen wir davon aus, dass es wegen der Aufhebung des Atomabkommens für Europäische Banken nicht mehr möglich sein wird, mit dem Iran in Geschäfte zu machen in nächster Zeit.

Groß: Sie haben einmal betont, dass Sie nicht in das Investment Banking einsteigen wollen. Warum eigentlich nicht? Sie sagten, Sie würden nicht im 21. Stock eines Frankfurter Hochhauses versauern wollen.

Gasselsberger: Das Investmentbanking ist nicht die traditionelle Kernkompetenz der Oberbank. Das Geschäft, das wir betreiben, ist ausschließlich das Kundengeschäft. Wir sehen es als unsere Aufgabe, die Einlagen der Kunden entgegen zu nehmen, zu betreuen und zu verwalten. Diese Liquidität geben wir dann wiederum an ausgewählte Kunden als Kredite ab. Das ist die „Ur-Aufgabe“ der Bank und unsere Kernkompetenz. Investmentbanking ist ein sehr spekulatives Geschäft und das ist nicht unser Vorhaben.

Groß: Die Oberbank will nun den boomenden Tourismus stärker ins Visier nehmen. Die Branche gilt als hochverschuldet. Was versprechen Sie sich davon?

Gasselsberger: Tourismusfinanzierung haben wir in den letzten vier bis fünf Jahren als Kompetenz ausgebaut. In unserem Einzugsgebiet Österreich, Deutschland, Tschechien, Ungarn finden mehr als 300 Millionen Nächtigungen statt. Der Tourismus ist eine sehr kreditlastige – und im Prinzip auch stabile – Branche. Dabei muss allerdings sehr stark zwischen den sehr Guten und den weniger Guten differenziert werden. Das heißt: die Guten werden immer besser und die weniger Guten werden mehr und mehr von dem Markt verdrängt, nicht zuletzt weil der Qualitätsanspruch der Kunden steigt. Wir als Oberbank haben in diesem Bereich eine Kompetenz aufgebaut. Diese Kompetenz wollen wir vertiefen, denn gerade in Bayern sehen wir in diesem Bereich große Chancen.

Groß: Ihre Bank steht für das Projekt „Zukunft Frau 2020“ und will bis zu 40 Prozent Führungspositionen mit Frauen besetzen. Was kann man tun, um Frauen in diese Situation zu bringen?

Gasselsberger: Das bedarf zunächst einmal eines Kulturwandels im Unternehmen. 60 Prozent unserer Mitarbeiter sind Frauen, davon sind allerdings lediglich 20 Prozent in Führungspositionen. Das ist zu wenig! Das Thema ist sehr komplex. Es liegt nämlich nicht nur an der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, es liegt nicht nur an den Männern, die in einigen Fällen wiederrum Männer für Führungspositionen bevorzugen, sondern auch an den Frauen, die sich manchmal zu wenig zutrauen. Wir werden diesem Thema nicht nur einen hohen Stellenwert geben, sondern auch verpflichtende Quoten bei der Besetzung von Stellen – sowohl in den zentralen Abteilungen als auch in den unterschiedlichen Regionen – einsetzen. Wir müssen hier wirklich einen entscheidenden Paradigmenwechsel erreichen, ansonsten wird uns die Umsetzung nicht gelingen. Wir stehen vor einem großen Generationswechsel in der Oberbank. Und wenn wir dann alle Führungspositionen wieder nur aus dem Pool der Minderheit – nämlich der Männer (etwa 40 Prozent) – besetzen, dann verzichten wir auf das große Potential der Frauen. Das wäre nicht gut!

Groß: Die Verschuldung südeuropäischer Banken wächst – Italien ist hochverschuldet. Hat dies Auswirkungen auf die Geschäfte der Oberbank?

Gasselsberger: Das hat keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Oberbank, denn wir agieren weder in Italien noch in der Türkei. Indirekt berührt es natürlich schon unser Geschäft, denn die Relation Euro/Dollar ist momentan sehr stark unter Druck. Der Euro schwächt sich momentan sehr stark ab. Das hat sicherlich insbesondere mit der derzeitigen Unsicherheit in Italien zu tun. Insgesamt kann also gesagt werden, dass die Euro-Zone von den politischen Verhältnissen in Italien betroffen ist. Auf der anderen Seite kann die unerwartete Schwäche des Euros natürlich als Chance für die Exportwirtschaft gesehen werden.

Groß: Ende 2017, Anfang 2018 gab es einen Hype um Kryptowährung. Viele Anleger haben darauf spekuliert. Werden Bitcoin und Co. die Währung der Zukunft sein?

Gasselsberger: Ich glaube nicht. Es ist leider so, dass es bei Anlegern immer wieder so etwas wie eine Zockermentalität gibt: manche gehen ins Casino, manche spielen Lotto und manche kaufen sich eben Bitcoins. Ich denke, dass eine Reihe von Menschen viel Lehrgeld zahlen muss. Um es mal etwas deftiger auszudrücken: Einige Anleger werden auf die Schnauze fallen. Bitcoins haben mit einer stabilen Währung nichts zu tun – das ist reine Spekulation.

Fragen: Stefan Groß

Hat Ihnen das Interview gefallen? Lesen Sie auch ein Gespräch mit Franz Gasselsberger : Eine Deflation sehe ich in naher Zukunft nicht

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