Zeichen des Muts

von Franz Eibl19.11.2015Außenpolitik

Die Terroristen sind gescheitert: Ihre Taten haben die Menschen Europas noch enger zusammenrücken lassen. Es ist an der Zeit, dass nun auch die Staats- und Regierungschefs der EU an einem Strang ziehen.

Es gibt sie: Die Zeichen des Muts, der Hoffnung, der Zuversicht nach den dunklen Stunden des Terrors am vergangenen Freitag, der ausgerechnet auch noch ein 13. war. Sie kommen allerdings nicht von den Regierungen der EU-Mitgliedstaaten, sondern von den Bürgerinnen und Bürger selbst. 70.000 Engländer sangen gestern Abend im Londoner Wembley-Stadion vor dem Spiel ihrer Fußball-Nationalmannschaften gemeinsam mit den französischen Fans die Marseillaise. Überall in Europa legen Menschen vor den diplomatischen Vertretungen Frankreichs und den Gebäuden französischer Kulturinstitutionen Blumen nieder und zünden Kerzen an. Millionen von Internet-Nutzern färben ihre Profilbilder mit den Farben der Tricolore oder posten Bilder, die ihrer Trauer und ihrem Mitgefühl Ausdruck geben. Niemand sollte darüber spotten. Es mögen nur Symbole sein. Aber sie sind nach all den Hassbotschaften, die in den letzten Wochen das Netz überflutet haben, ermutigend. Wer Trauer und Mitgefühl zeigt, hat das Herz auf dem rechten Fleck.

Die Reaktionen der Menschen sind ein klares Zeichen. Die Terroristen von Paris sind gescheitert. Ihre Taten haben die Europäer noch enger zusammenrückenlassen. Nie war die Verbundenheit der Menschen von Helsinki bis Lissabon, von Dublin bis Nikosia größer als heute. Die Trauernden wissen, dass die Anschläge in der französischen Hauptstadt nicht allein die Franzosen treffen sollten, sondern der westlichen Gesellschaft an sich. Sie galten alldenjenigen, die an Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit glauben. An den Schweigeminuten in den Stadien zeigt sich, wer die europäischen Werte teilt, und wer – wie in Istanbul, wo hässliche Pfiffe und Parolen von Teilen der Zuschauer das Gedenken störten – noch einen langen Weg in Richtung Europa vor sich hat.

Schwestern und Brüder

101 Jahre nach dem Beginn des Ersten und 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist es unvorstellbar, dass sich Europäer noch einmal gegenseitig abschlachten könnten. Mögen Engländer die Franzosen ansonsten gerne als „Frogs“ und Deutsche als „Krauts“ bezeichnen, um sich über gewisse kulinarische Eigenheiten lustig zu machen, mögen Deutsche sich über die Wohnwägen der Holländer amüsieren oder über die Eigenart der Franzosen, bevorzugt nur die eigene Sprache zu sprechen: es ist alles nur Neckerei. Wir alle wissen, dass jenseits der Grenzen unsere Schwester und Brüder im Geiste leben. Angesichts der schrecklichen Ereignisse von Paris und der Bedrohung durch den Terror islamistischer Fanatiker, denen ein Menschenleben nichts zählt, nicht einmal ihr eigenes, zeigt sich, wie sehr der Kontinent trotz aller nationalen Eigenheiten bereits zusammengewachsen ist. Am meisten zwischen den Ländern, in denen die europäische Einigung ihren Anfang nahm.

Nicht nur die Volkswirtschaften, sondern die Herzen sind verbunden

Die vergangenen Tage haben gezeigt: Die Väter der europäischen Einigung können stolz auf ihr Werk sein. Konrad Adenauer (Deutschland), Robert Schumann und Jean Monnet (Frankreich), Alcide de Gasperi (Italien), Paul-Henri Spaak (Belgien) und andere mehr haben nach 1945 das europäische Einigungswerk aus der Überzeugung heraus vorangebracht, dass eine Verbindung der Wirtschaft ihrer Völker einen künftigen Krieg unmöglich machen sollten. Heute sind nicht nur die Ökonomien verbunden, sondern auch die Herzen. Wie einsam stehen nun diejenigen politischen Kräfte da, die sich gegen die europäische Einigung stellen und zurück ins Europa der Nationalstaaten wollen! Natürlich, die negativen Auswüchse der Europäischen Union, die Regulierungswut, die Ignoranz gegenüber den nationalen Gegebenheiten, seien sie nun ökonomischer, politischer oder kultureller Natur oder die Vorstellung, mit Geld allein ließen sich alle Probleme lösen, sollen und müssen kritisiert und auch politisch bekämpft werden. Aber der Kern des Ganzen ist gut, richtig und erhaltenswert. Die EU ist die gemeinsame Basis dafür, um dem islamistischen Terror wirkungsvoll zu begegnen.

Wie groß war doch das Gespött, als 2012 ausgerechnet das Brüsseler „Bürokratiemonster“ den Friedensnobelpreis zugesprochen bekam! Heute erkennen wir, wie sehr diese Auszeichnung für die EU verdient war. Nur gemeinsam sind wir stark. Die übergroße Mehrheit der Europäer hat das verinnerlicht. Die Zeit ist gekommen, dass auch die Staats- und Regierungschef der 28 Mitgliedstaaten, die in der Flüchtlingskrise bislang ein beschämendes Bild abgaben, sich wieder auf diese Maxime besinnen.

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