Würde ist was für die Mittelschicht. Harald Schmidt

Duales Gesundheitssystem fit halten

Deutschlands Gesundheitssystem ist eines der besten der Welt – auch weil es auf zwei Säulen steht. Die politischen Vorstöße zur Einführung einer Einheitsversicherung sind daher kontraproduktiv.

Mit ihrem dualen Gesundheitssystem aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung (GKV bzw. PKV) sind die Deutschen nach wie vor sehr zufrieden. So gaben im jüngsten Healthcare Barometer 2017 der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers 79 Prozent der Befragten an, alle Leistungen für eine gute medizinische Versorgung zu erhalten; für fast zwei Drittel zählt das deutsche Gesundheitssystem sogar zu den Top-3-Systemen weltweit. Im April haben dann in einer Allensbach-Umfrage sogar 86 Prozent der gesetzlich Versicherten das Gesundheitssystem in Deutschland sehr gut bewertet.

Dass unser Gesundheitssystem eines der besten weltweit ist, verdanken wir dem dualen Gesundheitssystem. Denn gerade der Wettbewerb zwischen GKV und PKV garantiert das hohe Versorgungsniveau – auch und gerade für die gesetzlich Versicherten.

Dennoch ziehen die üblichen Verdächtigen alle vier Jahre vor Bundestagswahlen den alten Hut „Einführung einer Einheitsversicherung“ aus ihrem althergebrachten Standardrepertoire hervor und so gewinnt die öffentliche Debatte über eine Einheitsversicherung bzw. der Ruf nach Auflösung des dualen Systems erneut an Fahrt. Grund genug, einen näheren Blick darauf zu werfen, wie gut unser duales Gesundheitssystem tatsächlich funktioniert, wie gerecht es ist und wo schließlich die künftigen Herausforderungen liegen.

Umfangreiche Leistungen und kurze Wartezeiten für alle

Das deutsche Gesundheitssystem, soviel steht fest, funktioniert bestens und verfügt im internationalen Vergleich über einen sehr umfangreichen Leistungskatalog und sehr schnellen Zugang zu medizinischen Leistungen: So ist es in Deutschland, anders als bei unseren europäischen Nachbarn, etwa selbstverständlich, den Haus- oder Facharzt der eigenen Wahl aufzusuchen.

Und das auch nicht erst in ein paar Monaten, sondern ziemlich rasch: Denn auch die Wartezeiten sind in Deutschland sehr kurz – wohlgemerkt für alle Versicherten: So können hierzulande rund zwei Drittel aller Patienten einen Termin beim Hausarzt am selben oder nächsten Tag erhalten. Dies ist im internationalen Vergleich in Sachen Wartezeit sogar der beste Wert.

PKV macht Gesundheitssystem für alle leistungsfähiger

In Deutschland besteht eine qualitativ hochwertige Versorgung für alle Versicherten, da die privat und gesetzlich Versicherten dasselbe Gesundheitssystem nutzen: Umgekehrt entstehen gerade in Ländern mit einem Einheitssystem oft Parallelsysteme mit eigenen Versorgungsstrukturen. Dadurch entwickelt sich, wie etwa am Beispiel der Niederlande oder Großbritannien zu sehen, schnell eine Zwei-Klassen-Medizin mit enormen Versorgungsunterschieden zwischen Arm und Reich.

Tatsächlich trägt die PKV erheblich zum hohen Standard der deutschen Gesundheitsversorgung bei, denn durch die PKV-Versicherten fließen dem deutschen Gesundheitssystem jährlich über 12 Milliarden Euro mehr zu als wenn diese in der GKV versichert wären. Von diesen Mehrumsätzen finanzieren Ärzte und Krankenhäuser ihre innovative medizinische Infrastruktur, die auch den GKV-Versicherten in gleichermaßen zur Verfügung steht. Pro niedergelassenem Arzt leisten die PKV-Versicherten rechnerisch über 43.000 Euro pro Jahr, die großenteils für Investitionen in Personal und Infrastruktur genutzt werden.

Auch der medizinische Fortschritt wird stark von der PKV getrieben: Anders als in der GKV gibt es in der PKV keine politischen Zulassungsverfahren bei der Bewertung neuer Behandlungsmethoden. Sie beschleunigt so die Weiterentwicklung und den breiten Einsatz neuartiger Behandlungsmethoden, die dann allen Versicherten zu Gute kommen. Ein gutes Beispiel dafür ist der inzwischen flächendeckende Einsatz der Magnetresonanztomographie (MRT).

PKV trägt sich selbst und schafft Wettbewerb

Im Gegensatz zur GKV funktioniert das PKV-System ohne Subventionen: Während die GKV massive staatliche Unterstützung von über zehn Milliarden Euro pro Jahr erhält, finanziert sich die PKV vollständig durch die Beiträge der Versicherten.

Der Wettbewerb zwischen PKV und GKV schützt die GKV-Versicherten auch vor allzu umfangreichen Leistungskürzungen, denn ohne die Konkurrenz von Privatversicherungen wären Eingriffe in den Leistungskatalog der GKV einfacher umzusetzen.

Ähnliches gilt für die Beitragshöhe: Die Pläne der meisten politischen Befürworter der Einheitsversicherung sehen eine teils massive Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze sowie die Einbeziehung weiterer Einkommensarten wie Zins- oder Mieteinkünfte vor, das bedeutet: Die Gesundheitsversorgung würde für die meisten Versicherten teurer als das bisherige duale System und könnte gleichzeitig zu schlechteren Leistungen führen als bisher.

PKV ist solide, verlässlich und nachhaltig

Es ist übrigens ein Irrglaube, dass die PKV nur etwas für Reiche ist: Zum einen sind alle Beamten in der PKV versichert und haben dort Anspruch auf staatliche Beihilfe, zum anderen Angestellte oder Selbständige. Privat versichert sind also nicht nur der Vorstand oder Zahnarzt, sondern auch die Grundschullehrerin und der Bäcker von nebenan. Im Gegensatz zur GKV ist der gewählte Leistungsumfang in der PKV dabei ein Leben lang garantiert.

Gute medizinische Versorgung hat natürlich ihren Preis. Die Teilhabe am medizinischen Fortschritt, an neuen Behandlungsmethoden und Medikamenten führt zu stetigen Erhöhungen der Leistungsausgaben – und zwar in beiden Systemen. Dabei fielen die Beitragssteigerungen in der GKV in den letzten Jahren mit 3,2 Prozent sogar etwas höher aus als in der PKV.

Zahlreiche Instrumente und Maßnahmen tragen dazu bei, dass die PKV-Beiträge heute und künftig bezahlbar bleiben, gerade im Alter. Dazu dienen etwa Alterungsrückstellungen, die Erhebung eines gesetzlichen Beitragszuschlags oder die Festlegungen zur Verwendung der Überschüsse für ältere Versicherte. Somit ist für die PKV-Versicherten heute bereits eine nachhaltige Finanzierung der Leistungen von morgen gewährleistet, ohne dass künftige Generationen belastet werden.

Genau hier liegt auch der große Vorteil des Kapitaldeckungsverfahrens der PKV: Die Generationengerechtigkeit! Denn jede Generation spart in der Alterungsrückstellung von Beginn an einen Teil ihrer Beiträge für die mit dem Alter steigenden Leistungsausgaben. Somit sorgt jeder für sich selbst durch entsprechende Rücklagen vor. Aktuell stehen für die PKV-Versicherten insgesamt rund 240 Mrd. Euro an Alterungsrückstellungen zur Verfügung.

Kapitaldeckung ist deshalb ein wichtiges dämpfendes Element in einer alternden Gesellschaft: Sie sichert langfristig die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems insgesamt und ist damit das einzige wirksame Mittel gegen die Auswirkungen des demographischen Wandels.

Duales System funktioniert – Herausforderungen im Fokus

Die PKV trägt entscheidend zu einem leistungsfähigen Gesundheitssystem in Deutschland bei, indem sie erhebliche Geldmittel zur Verfügung stellt und damit eine Spitzenmedizin für alle ermöglicht. In der Folge können sich die Deutschen über einen ungewöhnlich umfangreichen Leistungskatalog sowie kurze Wartezeiten freuen. Darum beneiden uns auch oft unsere europäischen Nachbarn mit vergleichsweise schlechteren Gesundheitssystemen.

Nun ohne Not ein erfolgreiches Gesundheitssystem wie das in Deutschland in Frage zu stellen bzw. ein Modell einführen zu wollen, das in vielen anderen Ländern nachweislich schlechter funktioniert als bei uns, entbehrt nicht nur jeder Vernunft, sondern ist schlicht fahrlässig.

Die Private Krankenversicherung als Wirtschaftsbranche und die von ihr finanzierten Versicherungsleistungen tragen über 37 Mrd. Euro zum Bruttoinlandsprodukt bei. Würden die privat Versicherten zukünftig in der GKV versichert werden, entfiele damit auch der überproportionale Finanzierungsbeitrag der PKV für das deutsche Gesundheitssystem. Zudem hängen über 700.000 Arbeitsplätze in Deutschland von der PKV ab –innerhalb der PKV selbst sowie bei Ärzten, in Krankenhäusern und in anderen Wirtschaftszweigen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Martin Lohmann, Hubert Hüppe , Mechthild Löhr.

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