Wie gefährlich ist der Gaming Markt für Jugendliche? | The European

Boom beim Online-Gaming: Die Risiken beim Jugendschutz

Frank S. Jorga23.05.2021Gesellschaft & Kultur

Der Gaming-Markt befindet sich seit Jahren im Aufwind. Die Corona-Pandemie hat dieser Entwicklung gerade im Online-Bereich zusätzlichen Vortrieb beschert. Doch wie groß ist die Gefahr im Hinblick auf den Jugendschutz – und sind zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen notwendig?

Gaming, Quelle: Shutterstock

Branche generiert Rekordumsätze

Seit Beginn der Corona-Krise verbringen Spieler deutlich mehr Zeit vor PCs, Konsolen und sonstigen Gaming-Engeräten. Das bestätigt eine Bitkom-Umfrage aus dem August 2020 (Quelle). 55 Prozent der Befragten gaben an, seit Beginn der Pandemie mehr zu spielen. Die Teilnehmer spielten im Vergleich zu vorher durchschnittlich sieben Stunden pro Woche zusätzlich. Somit hat sich die Spielzeit laut Bitkom annähernd verdoppelt

Die Spielehersteller profitieren von der Corona-Pandemie und konnten ihre Verkäufe deutlich steigern. Traditionelle Verbreitungswege wie die DVD spielen hierbei eine immer kleinere Rolle. Vielmehr ist es zum Standard geworden, online zu spielen oder Games herunterzuladen. Laut Verband der deutschen Games-Branche wuchs der Umsatz mit Online-Gaming-Diensten im Jahr 2020 um 50 Prozent auf 692 Millionen Euro (Quelle). Exakt an dieser Stelle ergeben sich Risiken im Hinblick auf den Jugendschutz. Für Kinder und Jugendliche ist es teils überaus einfach, an die besonders beliebten FSK-16 und FSK-18-Spiele zu gelangen.

Können Anbieter über diese Gefährdung des Jugendschutzes hinwegsehen? Wohl kaum. Es sollte ihr Interesse sein, eine belastbare Altersprüfung durchzuführen, um Sicherheit für ihre Nutzer und deren Eltern zu schaffen. Auch die Compliance-Risiken rechtfertigen es, Altersbeschränkungen konsequenter durchzusetzen.

Altersprüfung muss schnell, sicher und benutzerfreundlich sein

Mit einer Online-Altersprüfung können die Gaming-Anbieter sicherstellen, dass eine Person das notwendige Mindestalter erreicht hat. Allerdings sollte das Verfahren dieser Altersprüfung nicht nur sicher, sondern auch schnell und komfortabel sein. Denn mangelt es an Benutzerfreundlichkeit, brechen potenzielle Käufer den Kauf- oder Aboprozess schnell ab. Die Folge sind Umsatzeinbußen.

Damit sich Alterskontrollen im Gaming-Bereich durchsetzen, ist es also wichtig, die Akzeptanz von Spieleanbietern und Spielern zu finden. Je einfacher die Überprüfung des Mindestalters und je sicherer sie für beide Seiten erfolgt, desto eher wird dies gelingen. Wichtig ist hierbei, dass der Anmeldeprozess beziehungsweise der Spielbeginn nicht unnötig verzögert wird. Doch wie kann dies konkret aussehen?

Ein Beispiel: Das Hochladen eines Fotos des Personalausweises beim Anlegen eines Accounts dauert nur wenige Sekunden. Allerdings hat der Anbieter in diesem Fall keine Gewähr, dass hier nicht ein 10-jähriger das Ausweisdokument seines 18-jährigen Bruders hochgeladen hat. Außerdem überträgt der Spieler mit dem Foto sämtliche Ausweisdaten, was nicht im Sinne des Datenschutzes ist – denn der Anbieter benötigt lediglich die Information, ob das Mindestalter für das jeweilige Game erreicht ist.

Tatsächlich benötigen Anbieter demnach eine Überprüfung, ob die Person, die gerade einen Account anlegt, mit der auf dem Altersnachweis (Ausweis) identisch ist. Der Spieler braucht hingegen eine Instanz, die dem Anbieter meldet, dass das erforderliche Mindestalter erreicht wurde. Basierend auf modernen Technologien sind längst Verfahren entstanden, die genau das leisten und dabei dank künstlicher Intelligenz und Biometrie schnell durchzuführen sind. So dauern sie nur wenige Sekunden länger als das beispielhaft angeführte Hochladen eines Ausweisfotos.

Mehrwert für Anbieter und Nutzer

Ob Gewalt, Glücksspiel oder sonstige jugendgefährdende Inhalte: Die Verantwortung für den Schutz von Kindern und Jugendlichen darf nicht alleine bei den Eltern liegen. Vielmehr sollten sich auch die Gaming-Anbieter dazu verpflichtet sehen, Jugendschutz zu gewährleisten. Dies gilt in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen, die junge Menschen besonders belasten, umso mehr. An der technologischen Realisierung scheitert die Umsetzung nicht, denn Sicherheit und einfaches Handling lassen sich vereinbaren. Jugendschutzorganisationen und Gamingverbände könnten mit Aufklärung über den präzisen Bedarf und die Möglichkeiten moderner Technologien dazu beitragen, Jugendschutz im Gamingbereich effektiv durchzusetzen – ohne den Spielern den Spaß zu nehmen und die Branche einzuschränken.

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