„Obama hat den Krieg geerbt“

von Frank Newport24.09.2009Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

In mehr als 140 LÀndern ermittelt Gallup Trends und Meinungen. Gemeinsam mit USA Today befragt das Àlteste Umfrageinstitut der USA jÀhrlich 60.000 Menschen. Gallup lieferte die meistzitierten Zahlen im Wahlkampf 2008. Im Interview mit The European analysiert der Chefredakteur Frank M. Newport die Chancen der Republikaner, bei den Wahlen 2010 und 2012 einen Erfolg zu feiern.

*The European: Seit der verlorenen Wahl sind die Republikaner in einem Tief und unzufrieden. Den Parteivorsitzenden Michael Steele kennen die meisten Mitglieder gar nicht.*
Newport: Steele spielt vielleicht parteiintern eine Rolle – immerhin ist er Parteivorsitzender. Wir vermuten, dass er aber auch innerhalb der Partei nur einen geringen Bekanntheitsgrad hat. Auf nationaler BĂŒhne ist er keine entscheidende Figur. Sein Name ist nicht bekannt genug, dass er Einfluss haben könnte. Wir fĂŒhren zurzeit noch nicht einmal aktuelle Umfragewerte zu seiner Person. 

*The European: Das nĂ€chste Ziel sind die Zwischenwahlen im November 2010. So langsam zeigen die Republikaner Opposition zu Obamas Politik und schießen sich auf seine Gesundheitsreform ein. Wird das ein Comeback fĂŒr die “Grand Old Party”?*
Newport: Normalerweise verliert die Partei, die den PrĂ€sidenten im Weißen Haus stellt, bei den Zwischenwahlen immer ein paar Sitze im Kongress. Aus historischer Sicht mĂŒssen wir davon ausgehen, dass die Republikaner 2010 ein paar Sitze dazugewinnen werden. Unsere aktuellen Umfragen zeigen auch, dass die Chancen dafĂŒr gut stehen, denn die Demokraten verlieren an Zuspruch. 

Es wird zum großen Teil jedoch von den Themen des Wahlkampfes 2010 abhĂ€ngen: Bleibt die Wirtschaft ein so großes Sorgenkind? Dann gibt es Zulauf fĂŒr die Republikaner. Außerdem scheint der Afghanistankrieg sich zu einem Problem fĂŒr Obama und die Demokraten zu entwickeln. Auch wenn Obama den Krieg nicht begonnen hat, hat er ihn nun vollends geerbt. Die Leute rechnen ihm Sieg und Niederlage an. Da ist also noch viel Spielraum drin.

*The European: Wer wird 2012 fĂŒr die Republikaner starten und Obama herausfordern?*
Newport: Es ist noch viel zu frĂŒh, um eine seriöse Vorhersage zu machen. Alle Umfragen, die wir jetzt durchfĂŒhren, spiegeln nur die momentane Situation wieder. Vor vier Jahren hĂ€tte wahrscheinlich niemand darauf getippt, dass ein unbekannter Senator aus Illinois mit Namen Barack Obama PrĂ€sident der Vereinigten Staaten werden wĂŒrde. 

Es lohnt sich jedoch, ein paar wichtige Köpfe zu beobachten. Drei Namen stehen da oben auf unserer Liste. Einer davon ist Mitt Romney. Aus heutiger Sicht hat er eine der besten Chancen auf die Kandidatur 2012. Seine Wirtschaftskompetenz als erfolgreicher Unternehmer ist ein Bonus in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Außerdem ist seine IntegritĂ€t sehr hoch. Er hat eine saubere Weste und das kommt in der Politik nur noch selten vor.

Auch Sarah Palin steht auf der Liste. Ihren Namen kennt einfach jeder. Ihre Kandidatur als VizeprĂ€sidentin im vergangenen Jahr hat sie auf einen Schlag berĂŒhmt gemacht. Palin war auf den Titelseiten aller großen Zeitschriften. Außerdem hat sie die UnterstĂŒtzung der konservativen Basis.

Ein weiterer Tipp ist Newt Gingrich, ehemaliger Fraktionsvorsitzender im ReprĂ€sentantenhaus. Er war in der Partei oft die treibende Kraft, Inhalte und Konzepte mit einzubringen. Das ist seine StĂ€rke. Die Menschen erinnern sich jedoch noch an seinen unehrenhaften Abgang von der politischen BĂŒhne. 1999 wurde er parteiintern von seinem Posten als Fraktionsvorsitzender gedrĂ€ngt.

*The European: MĂŒssen sich die Republikaner auch inhaltlich wandeln, um langfristig Mehrheiten erlangen zu können?*
Newport: Das wichtigste Thema zurzeit ist die Wirtschaft. Es wĂŒrde also helfen, wenn die Republikaner ein eigenes Konzept hĂ€tten, um aus der Wirtschaftskrise zu kommen. Die Republikaner hĂ€tten hier ein leichtes Spiel. Denn eigentlich sind die meisten Amerikaner fĂŒr einen kleinen Staatshaushalt – sprich fĂŒr die konservative HaushaltsfĂŒhrung – und nicht fĂŒr den Kurs der Demokraten.

Aber das eigentliche Problem sieht so aus: Die Republikaner haben eine “emotionale” Parteibasis. Das sind die streng konservativen, sehr religiösen AnhĂ€nger. Die meisten von ihnen stehen Wandel skeptisch gegenĂŒber. Sie kĂ€mpfen fĂŒr ihre ethischen und moralischen GrundsĂ€tze und sehen in Obama einen gefĂ€hrlichen Sozialisten.

Um langfristig mehrheitsfĂ€hig zu bleiben, mĂŒssten sich die Republikaner etwas der Mitte nĂ€hern, dafĂŒr aber bei einigen konservativen Themen moderater werden. In dem Zuge wĂŒrden sie Stimmen ihrer treuen konservativen Basis verlieren.

Eins ist sicher: Wenn die Republikaner 2012 den PrÀsidenten stellen wollen, brauchen sie einen extrem charismatischen Kandidaten, der auch WÀhler der Mitte abgreift.

*The European: Hat sich die Partei schon durch den Außenseiter und teilweise moderaten Kandidaten John McCain verĂ€ndert? Wie viel ist noch von der konservativen Bush-Partei ĂŒbrig?*
Newport: Sicher war McCain nicht der typisch konservative Kandidat. Aber deshalb hat er ja Sarah Palin als Vize ausgewĂ€hlt. Sie sollte alles abdecken, was ihm fĂŒr die konservative Basis fehlte.

Bush hat die Basis alleine bedienen können. Bei seiner Wiederwahl 2004 hat sein Berater Karl Rove dafĂŒr gesorgt, dass Bush regelmĂ€ĂŸig der konservativen Basis zuspielte. Gleichzeitig verbreitete Bush die Ansicht, nur er könne Amerika nach dem 11. September sicher machen.
2012 wird das Thema “Terrorismus” fehlen. Dann reicht ein Kandidat, der die konservative Basis anspricht, möglicherweise nicht aus.

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