Lohnt sich eine Anlage in Facebook noch?

von Florian Spichalsky22.06.2019Wirtschaft

In den USA macht die Politik Druck auf den Konzern und sein Beinahe-Monopol. Forderungen nach einer Aufspaltung des Internetkonzerns
werden immer lauter. Die USA haben das mit den Ölmonopolisten vor 100 Jahren schon einmal so gemacht

Wie viel Machtkonzentration ist gesund? Diese Frage treibt die Kartellwächter in den USA mit Blick auf Facebook zusehends um. Der politische Druck aus Washington wird monatlich größer, Demokraten wie Republikaner sehen in Facebook einen ähnlichen Monopolisten wie Standard Oil vor 100 Jahren. Der damalige Ölmonopolist wurde auch durch politische Intervention zerschlagen.

In Washington sind vom Abgeordnetenhaus weitreichende Untersuchungen eingeleitet worden. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob die Tech-Konzerne Monopolstellungen ausnutzen. „Eine kleine Zahl von marktbeherrschenden, unregulierten Plattformen hat eine außergewöhnliche Macht über Online-Handel, -Kommunikation und -Informationen“, erklärte der Justizausschuss. Dies könne schädlich sein für den Wettbewerb. Der Vorsitzende des Unterausschusses für Wettbewerb, David Cicil­line, kündigte an, dass es bald ernst werde.

Prüfungen belasten  den Aktienkurs

Die US-Handelsaufsicht prüft bereits Wettbewerbsverstöße von Facebook. Das belastet den Aktienkurs der Kalifornier. Investoren befürchten, dass die Geschäfte der Konzerne durch regulatorische Maßnahmen eingeschränkt werden könnten. Neben Facebook geraten auch Amazon, Google und Apple ins Visier der Aufsichtsbehörden.

Die Handelsaufsicht ­Federal Trade Commission (FTC) ermit­telt gegen das von Mark Zuckerberg geführte Unternehmen be­reits seit einem Jahr wegen mög­licher Verstöße gegen die Privatsphäre von Nutzern. Das soziale Netzwerk missbrauche seine marktbeherrschende Stellung, rechtfertigen Bundesanwälte in New York die Ermittlungen. Über zehn Jahre habe der Konzern private Daten an zahlreiche End­gerätehersteller weitergegeben. Betroffen sind insbesondere Smartphone-Hersteller, aber auch Amazon, Apple, Microsoft und ­Sony. Insgesamt sollen es mehr als 150 Unternehmen sein. Dass neben den Datenschutzpraktiken nun auch kartellrechtliche Fragen untersucht werden, ist offenbar formaler Natur. Für Wettbewerbsfragen war bisher noch das Justizministerium zuständig, nicht die FTC. Beide staatlichen Stellen ­haben ihre Zuständigkeiten jetzt neu geordnet. Konkret heißt das: Die FTC soll bei Untersuchungen gegen Facebook und Amazon federführend sein, das Justizministerium bei der Google-Mutter Alphabet und Apple. Noch ist unklar, wie die Behörden vorgehen und welche Geschäftspraktiken genau untersucht werden. Klar ist aber, dass Anleger die Klärung der Zuständigkeiten als Angriff auf die Geschäftsmodelle verstehen. Regulatorische Eingriffe bis hin zu einer Aufspaltung der Konzerne wären im Bereich des Möglichen, meint Justin Post, Analyst bei Merrill Lynch. Auch ehemalige Insider aus dem Silicon Valley warnen vor erschaffenen Monstern – so auch der Facebook-Mitgründer Chris Hughes.

5,4 Milliarden  Nutzer monatlich

Zum Facebook-Konzern gehören die Social-Media-Plattformen Facebook und Instagram, der ­Facebook Messenger und der Nachrichtendienst WhatsApp. Zusammengenommen greifen auf diese Dienste monatlich rund 5,4 Milliarden Nutzer zurück. Alle anderen Konkurrenten wie Snapchat, Twitter und WeChat erreichen gerade einmal die Hälfte der Nutzerzahlen. Diese Größenordnungen sind den amerikanischen Republikanern und Demokraten suspekt. Die Forderung nach einer Zerschlagung von Facebook wird auch im US-Präsidentenwahlkampf zusehends ein Thema. Von der populären Senatorin Kamala ­Harris bis zu Hughes reicht die Schar der Zerschlagungsbefürworter.

Hughes hatte sich in einem Beitrag in der „New York Times“ dafür ausgesprochen, dass Facebook die zugekauften Apps Instragram und WhatsApp wieder abgeben und in Zukunft strikter reguliert werden sollte. Hughes argumentiert, dass Facebook-Gründer und Chef Mark Zuckerberg zu viel Macht habe und das Online-Netzwerk durch seine Größe die Entstehung neuer Wettbewerber unmöglich mache. Für Nutzer gebe es keine Alternative zu Facebook-Apps, weil alle ihre Kontakte dort seien.

Er bekam dafür Applaus unter anderem von einer weiteren Präsidentschaftsanwärterin der Demokraten, der Senatorin Eliza­beth Warren, die schon seit einiger Zeit eine Zerschlagung der großen Online-Plattformen Facebook, Google und Amazon fordert.

Tech-Giganten werden zum Politikum 

Analysten gehen deshalb davon aus, dass die Dominanz der Tech-Riesen nun zum Politikum werde: „Wenn das Justizministerium die Untersuchung einleitet, wird das auch die Kritiker von Facebook, Amazon und anderen Tech-Giganten stärken, und damit wird sich die Rhetorik während der Wahl 2020 aufheizen“, prognostiziert Justin Post von Merrill Lynch. Nachrichten zu möglichen Beschränkungen drückten in Zukunft „immer wieder auf die Stimmung von Investoren“, so Analystin Heather Bellini von Goldman Sachs.

Facebook setzt sich unterdessen gegen die Forderungen zur Wehr. Der neue Politik-Chef Nick Clegg konterte kürzlich – ebenfalls in einem Meinungsbeitrag in der „New York Times“ –, eine Zerschlagung wäre die falsche Lösung. Clegg, ein ehemaliger britischer Vize-Premier, bestritt unter anderem, dass Facebook eine Monopolposition habe.

So habe das Online-Netzwerk allein im Markt der Chat-Dienste viele Konkurrenten wie ­Ap­ples iMessage, Microsofts Skype, Line aus Japan und WeChat aus China. Die Größe ermögliche Facebook zugleich hohe Investitionen in die Sicherheit der Dienste unter anderem durch das Vorgehen gegen Terrorpropaganda und Hassreden. „Das wäre so ziemlich unmöglich für ein kleineres Unternehmen“, so Clegg.

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