Bedroht Libra den Euro?

von Florian Spichalsky1.08.2019Gesellschaft & Kultur, Medien, Wirtschaft

Die neue Digitalwährung Libra steht bereits vor ihrer Einführung massiv in der Kritik. Finanzminister Olaf Scholz sieht die Digitalwährung als Bedrohung für den Euro. Es bestehe ein Risiko für die staatliche Hoheitsgewalt. Dabei könnte eine globale ökonomische Revolution auch als Chance für das eingestaubte Geldsystem verstanden werden.

Sie sei eine Bedrohung für den Euro, tönt es aus dem Finanzministerium. Die Rede ist von Facebooks geplanter Kryptowährung Libra. Noch existiert das digitale Geld gar nicht. Doch schon jetzt sprechen sich immer mehr Politiker und Aufseher gegen die Pläne des sozialen Netzwerkes aus. „Die Herausgabe einer Währung gehört nicht in die Hände eines Privatunternehmers, denn sie ist ein Kernelement staatlicher Souveränität“, betont Finanzminister Olaf Scholz. Ein Wettbewerb zwischen staatlicher und privater Währung könne sich negativ auf das Währungsmonopol der Europäischen Zentralbank auswirken, so der Sozialdemokrat weiter. Laut der Bild-Zeitung habe es bereits Gespräche mit den Finanzministerien von Frankreich, Großbritannien und den USA über Libra gegeben. Auch der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin hat sich besorgt zu den Plänen von Facebook geäußert. Sein Ministerium habe dem Unternehmen klar gemacht, dass sie die gleichen Maßnahmen zum Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung umsetzen müssten wie traditionelle Firmen – mit grünem Licht könne Facebook deshalb vorerst nicht rechnen. „Ob sie Banken sind oder nicht, sie stehen unter demselben Regulierungssystem“, betont Mnuchin.

Wie soll Libra funktionieren?

Gemeinsam mit 28 milliardenschweren Partnern wie dem Finanzdienstleister Visa, Mastercard, Paypal, Vodafone, Uber, Ebay, Booking.com und Spotify bläst das weltgrößte Netzwerk zum Angriff auf Banken und Fintecs. Zum Start im Jahr 2020 hoffe man auf mehr als 100 Mitglieder, heißt es aus dem Umfeld. Die Allianz Libra Association soll das Digitalgeld namens Libra verwalten. Facebook werde keine Sonderrolle in der Organisation einnehmen, ergänzt der zuständige Facebook-Manager David Marcus. Ähnlich wie Bitcoin basiert die Währung auf der Blockchaintechnologie. Im Gegensatz zu ihrem digitalen Pendant soll die Gesamtzahl der einzelnen Zahlungseinheiten nicht beschränkt werden. Außerdem komme es auch nicht zu dem hohen Energieverbrauch wie bei Bitcoin, meint Projektleiter Marcus. „Wir haben eine Blockchain entwickelt, die sich an die Anforderungen von Milliarden Menschen anpassen kann.“ Sie sei ein vollwertiges Zahlungsmittel ohne große Kursschwankungen, verspricht der Manager. Libra werde in vollem Umfang durch einen Reservefonds mit verschiedenen Währungen wie Euro, Dollar und Yen gedeckt. „Wenn zum Beispiel jemand Libra für 100 Euro kauft, fließen diese 100 Euro in die Reserve“, erklärt der ehemalige Paypal-Chef Marcus. Außerdem werde die Organisation festlegen, in welchem Verhältnis Währungen und Wertpapiere wie Anleihen in der Reserve gehalten werden. Zudem wird Libra – anders als der Bitcoin – nicht von den Nutzern selbst erstellt, sondern muss bei Mitgliedern der Libra Association gekauft werden. Die Transaktionen sollen in einer dezentralen Datenbank gespeichert werden, über die eine unabhängige Stiftung in der Schweiz wachen werde. In dem Libra-System können Nutzer unter Pseudonymen agieren und mehrere Zugänge besitzen. „Transaktionen erhalten keine Verbindung zur Identität der Nutzer in der realen Welt“, heißt es aus der Facebook-Konzernzentrale.

Banken verlieren den Anschluss

Technologiekonzerne dringen immer mehr in das klassische Bankengeschäft ein und besetzen die letzten Meter zum Kunden. Traditionelle Geldhäuser verlieren zunehmend den Anschluss. „Es wäre wichtig, baldmöglichst eine (unabhängige) europäische Zahlungsverkehrslösung zu schaffen, beispielsweise auf der Basis von Instant Payments. Dies erfordert sicher einige Koordination und viel Entschlussfreudigkeit. Aber angesichts der sich rasant entwickelnden Aktivitäten der BigTechs gilt es, keine Zeit zu verlieren. Wer wartet, bis die Zeit sich wandelt, kommt zu spät. Die Banken müssen jetzt handeln“, sagt Burkhard Balz, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank. Der Blick auf Facebook zeige außerdem, dass Monopolisierungstendenzen existieren, die durch Zahlungsmittel wie Libra verstärkt würden.

Libra als ökonomische Chance?  

Für die USA würde die Verarbeitung der digitalen Weltwährung in US-amerikanischen Datenzentren einen großen Machtvorteil bedeuten. Aber auch europäische Regierungen könnten diesen Datenverarbeitungsstandort mit Libra aushandeln. Wer den Bürgern ein digitales Portemonnaie in die Hand geben möchte, muss die gesamte Datenverarbeitung in dem Land organisieren, in dem diese gemeldet sind – so die Gesetzeslage. Digital- und Telekommunikationsunternehmen könnten sich – unter nationalstaatlicher Aufsicht – ein neues Geschäftsfeld aufbauen: Big-Data-Verarbeitungs-Know-How. In Europa würden Innovationen auf diesem Weg gefördert – sofern gesetzlich fixiert – was Facebook verspricht: Libra soll offen sein für Services, die nicht nur aus dem Konsortium stammen – Datenportabilität wäre damit sichergestellt. Ein Beispiel: Nutzer des anonymen Messenger Threema könnten genauso wie User des konzerneigenen WhatsApp-Messangers Überweisungen mit Libra tätigen. Das bedeutet nicht, dass Plattformen und Apps nicht strenge, transparente Zulassungs- und Zertifizierungsverfahren durchlaufen müssten, um Libra als Zahlungsmittel zu integrieren.

Zunächst dürfte Libra aber vor allem für Überweisungen zwischen verschiedenen Währungen eingesetzt werden, erläutert Marcus. Damit würde die neue Digitalwährung mit Diensten wie MoneyGram oder Western Union konkurrieren, die hohe Gebühren für internationale Überweisungen verlangen. Doch natürlich hat Facebook größere Pläne: Zuckerberg will Libra zu einem vollwertigen Zahlungsmittel für alle Situationen machen. Es gebe Regionen auf der Erde, in denen die Digitalwährung aufgrund einer hohen Inflationsrate und eines schlecht ausgebauten Bankensystems schnell eine große Rolle spielen könnte – immerhin haben 1,7 Milliarden Menschen weltweit noch kein Bankkonto. Deshalb sei Libra eine gute Innovation für Menschen, die in strukturschwachen Ländern leben. Tatsächlich sind Einzahlungen auf das sogenannte Wallet aber nur über Banken, Mastercard, Visa und Paypal möglich – keine dieser Anwendungen funktioniert ohne Bankkonto. Hinzu kommt, dass bislang nicht klar ist, welche Wechselkurse für Menschen in ärmeren Ländern gelten sollen. Facebooks Digitalwährung wird erst einmal nur an Hauptwährungen wie US-Dollar oder Euro gekoppelt, was zur Folge hat, dass die Wechselkurse beliebig schwanken können – keine gute Nachricht für die Bevölkerung in Nigeria oder Bangladesch. Mittelfristig sollen Einzahlungen in das Wallet auch in der Wechselstube möglich sein. Dann könnte man zwar auf das klassische Bankkonto verzichten, die Wechselkurs-Problematik würde aber weiterhin bestehen. Auch Google kritisiert die Pläne des benachbarten Tech-Riesen aus dem Silicon Valley. Man müsse stärker mit Banken und Regierungen zusammenarbeiten, um Menschen in ärmeren Ländern einen Zugang zum Weltmarkt zu verschaffen. Ähnlich sieht es auch Twitter-CEO Jack Dorsey, der Bitcoin – eine staatenlose Kryptowährung – für die bessere Bezahlmethode hält, „weil es nicht von einem Konzern kontrolliert wird“. Denn auch wenn Zuckerberg seinen eigenen Einfluss über die Association mindert, wählt er jeden seinen Partner selbst aus.

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