Wie gut ist die Cyberwährung Libra?

von Florian Spichalsky24.06.2019Wissenschaft

Facebook hat eine neue globale Währung vorgestellt. Ab 2020 sollen Nutzer mit der Blockchain-Währung Libra zahlen können. Von der Cyberwährung verspricht sich der Tech-Riese großes Wachstum in der E-Commerce-Branche. Zugleich sollen Menschen in ärmeren Ländern einen Zugang zum Weltmarkt bekommen. Doch die Digitalwährung birgt eine Reihe von Schwächen.

Mark Zuckerberg will künftig nicht nur die Daten seiner User, sondern auch ihr Geld. Gemeinsam mit 28 milliardenschweren Partnern wie dem Finanzdienstleister Visa, Mastercard, Paypal, Vodafone, Uber, Ebay, Booking.com und Spotify bläst das weltgrößte Netzwerk zum Angriff auf Banken und Fintecs. Zum Start im Jahr 2020 hoffe man auf mehr als 100 Mitglieder, so der für das Projekt zuständige Facebook-Manager David Marcus. Die Allianz Libra Association soll das Digitalgeld namens Libra verwalten. Facebook werde keine Sonderrolle in der Organisation einnehmen, ergänzt Marcus.

Ähnlich wie Bitcoin basiert die Währung auf der Blockchaintechnologie. Sie sei ein vollwertiges Zahlungsmittel ohne große Kursschwankungen, verspricht Facebook auf seiner Webseite. Libra werde in vollem Umfang durch einen Reservefonds mit verschiedenen Währungen wie Euro, Dollar und Yen gedeckt. „Wenn zum Beispiel jemand Libra für 100 Euro kauft, fließen diese 100 Euro in die Reserve“, erklärt der ehemalige Paypal-Chef Marcus. Außerdem werde die Organisation festlegen, in welchem Verhältnis Währungen und Wertpapiere wie Anleihen in der Reserve gehalten werden. Zudem wird Libra – anders als der Bitcoin – nicht von den Nutzern selbst erstellt, sondern muss bei Mitgliedern der Libra Association gekauft werden. Die Transaktionen sollen in einer dezentralen Datenbank gespeichert werden, über die eine unabhängige Stiftung in der Schweiz wachen werde. In dem Libra-System können Nutzer unter Pseudonymen agieren und mehrere Zugänge besitzen. „Transaktionen erhalten keine Verbindung zur Identität der Nutzer in der realen Welt“, heißt es aus der Facebook-Konzernzentrale.

Zunächst dürfte Libra vor allem für Überweisungen zwischen verschiedenen Währungen eingesetzt werden, erläutert der Facebook-Manager. Damit würde die neue Digitalwährung mit Diensten wie MoneyGram oder Western Union konkurrieren, die hohe Gebühren für internationale Überweisungen verlangen. Doch damit nicht genug: Zuckerberg will Libra zu einem vollwertigen Zahlungsmittel für alle Situationen machen. Jede neue Währung brauche viel Zeit, um so groß zu werden wie eine existierende nationale Währung einer großen Volkswirtschaft, relativiert Markus die Pläne seines Arbeitgebers. „Zumindest in den nächsten zehn Jahren werden wir alle noch unsere Gehälter bekommen und Steuern zahlen in der Währung der Länder, in denen wir leben.“ Zugleich gebe es aber auch Regionen auf der Erde, in denen die Digitalwährung aufgrund einer hohen Inflationsrate und eines schlecht ausgebauten Bankensystems schnell eine große Rolle spielen könnte – immerhin haben 1,7 Milliarden Menschen weltweit noch kein Bankkonto. Deshalb sei Libra eine gute Innovation für Menschen, die in strukturschwachen Ländern leben. Tatsächlich sind Einzahlungen auf das sogenannte Wallet aber nur über Banken, Mastercard, Visa und Paypal möglich – keine dieser Anwendungen funktioniert ohne Bankkonto. Hinzu kommt, dass bislang nicht klar ist, welche Wechselkurse für Menschen in ärmeren Ländern gelten sollen. Facebooks Digitalwährung wird erst einmal nur an Hauptwährungen wie US-Dollar oder Euro gekoppelt, was zur Folge hat, dass die Wechselkurse beliebig schwanken können – keine gute Nachricht für die Bevölkerung in Nigeria oder Bangladesch. Mittelfristig sollen Einzahlungen in das Wallet auch in der Wechselstube möglich sein. Dann könnte man zwar auf das klassische Bankkonto verzichten, die Wechselkurs-Problematik würde aber weiterhin bestehen. Auch Google kritisiert die Pläne des benachbarten Tech-Riesen aus dem Silicon Valley. Man müsse stärker mit Banken und Regierungen zusammenarbeiten, um Menschen in ärmeren Ländern einen Zugang zum Weltmarkt zu verschaffen. Ähnlich sieht es auch Twitter-CEO Jack Dorsey, der Bitcoin – eine staatenlose Kryptowährung – für die bessere Bezahlmethode hält, „weil es nicht von einem Konzern kontrolliert wird“. Denn auch wenn Zuckerberg seinen eigenen Einfluss über die Association mindert, wählt er jeden seinen Partner selbst aus.

Anders als die bekannteste Blockchain-Währung Bitcoin ist die Gesamtzahl der Libras nicht beschränkt. Außerdem komme es auch nicht zu dem hohen Energieverbrauch wie bei Bitcoin, meint Projektleiter Marcus. „Wie haben eine Blockchain entwickelt, die sich an die Anforderungen von Milliarden Menschen anpassen kann.“

Nachdem Facebook seine Pläne zu Libra vorgestellt hat, kletterte der Aktien-Kurs der Kalifornier in New York zunächst um 2 Prozent nach oben. Weil mit der Cyberwährung auch die Zahl aktiver Facebook-Nutzer steigen könnte, trauen Experten dem Facebook-Papier einen deutlichen Anstieg zu. So hält JP-Morgan-Analyst Douglas Anmuth mittelfristig einen Aktienwert von 245 Dollar für realistisch. Dann wären die Papiere ein knappes Drittel mehr wert als derzeit. Tatsächlich könnte Libra neue User anziehen, den Handel im Internet beschleunigen und strukturschwache Regionen an den Welthandel anbinden. Nach etlichen Skandalen rund um den Datenschutz, einer Fake-News-Debatte und Spekulationen rund um eine Zerschlagung des Konzerns gibt es für Facebook-Anleger wieder Grund zur Freude.

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