Das Geschäft mit dem Wasser

von Florian Spichalsky11.04.2019Außenpolitik, Wirtschaft

Wasserverknappung ist eines der größten Probleme der Menschheit und zählt zusammen mit der Umweltverschmutzung zu den emotionalsten und ältesten Umweltthemen. Immer mehr Anleger investieren in Wasserfonds, die nicht das schnelle Geld bringen aber in Zeiten von Wirtschaftsabschwung, Handelskrieg und Brexit eine echte Anlagealternative darstellen.

Das Problem

„Wasser ist nicht nur elementarer Bestandteil des Lebens – es ist ein Menschenrecht. Umso alarmierender die weltweite Situation: Millionen Menschen leiden unter Wasserknappheit und mangelnder Hygiene“, heißt es in einem Bericht von Unicef. Genau genommen sind es 2,1 Milliarden Menschen weltweit, die keinen Zugang zu sauberem Wasser haben. In anderen Worten: Drei von zehn Menschen sind existenziell von einer Wasserverknappung bedroht. Eine gigantische Zahl. Die Vereinten Nationen (UN) sprechen in diesem Zusammenhang von „Wasserstress“. Stress, der wegen einer steigenden Wassernachfrage und Folgen des Klimawandels in den kommenden Jahren zunehmen dürfte. Bis 2050, so die Schätzung der Vereinten Nationen, könnte die Zahl der unter „Wasserstress“ leidenden Menschen auf bis zu fünf bis sieben Milliarden Menschen ansteigen. Das World Economic Forum stuft die globale Wasserkrise mittlerweile als das viertgrößte ökonomische Risiko ein. Bis 2050 nehme der globale Wasserverbrauch um 20 bis 30 Prozent zu – vor allem auf Grund der wachsenden Bevölkerung und des steigenden Wohlstandes in den Schwellenländern.

Dem steht ein begrenztes Wasserangebot gegenüber. Nur 2,5 Prozent des weltweiten Wasservorkommens bestehen aus Süßwasser, von dem sich weniger als ein Drittel nutzen lässt. Auch der Klimawandel, der dazu führt, dass es in einigen Teilen der Erde immer häufiger regnet und in anderen Teilen hingegen fast gar nicht, schränkt die Verfügbarkeit von Süßwasser erheblich ein. Zudem fallen Gletscher als natürliche Wasserreservoire weg, weil sie schier wegschmelzen. Gleichzeitig mangelt es vielerorts an der Infrastruktur für die Wasserversorgung oder die Leitungen sind stark veraltet. Laut der Vereinten Nationen müssten sich die jährlichen Ausgaben bis 2030 auf bis zu 114 Milliarden Dollar verdreifachen. Nur so ließe sich sicherstellen, dass in 21 Jahren erschwingliches Trinkwasser und angemessene Sanitäreinrichtungen verfügbar wären.

Die Lösung?

Da die meisten Regierungen nicht in der Lage sind, derart hohe Investitionssummen aufzubringen, steigen immer mehr Privatunternehmen in den Markt ein. Dazu zählen klassische Wasserversorger ebenso wie Spezialisten, die verunreinigtes Wasser wieder aufbereiten. Den ältesten und wohl bekanntesten Wasser-Fonds managt Cédric Lecamp von Pictet Asset Management. Der „Pictet Water“-Fonds ist seit dem Jahr 2000 am Markt und etwa 4,5 Milliarden Euro schwer. Lecamp betont: „Der Wasserfonds ist eine langfristige Anlage“. Aus ökonomischer Sicht bestünde der Vorteil bei einer Investition in das lebensnotwendige Element vor allem darin, dass die Nachfrage nach Wasser konjunkturunabhängig sei. So seien die Aktien auch in Phasen eines Wirtschaftsabschwunges und in politischen Turbulenzen wie dem Brexit sehr stabil. „Der Brexit tangiert das Wasserthema kaum. Deshalb haben wir unser Engagement hier kürzlich sogar aufgestockt. Eher hätten wir Angst vor einer Labour-Regierung und dass diese nach einem Wahlsieg in Großbritannien die Wasserversorger rückverstaatlichen könnte“, meint Lecamp. Im Schnitt wechselt der Fondsmanager jährlich 15 Prozent der Titel aus, die durchschnittliche Haltedauer der Aktien beträgt knapp unter zehn Jahren.

Wer in Deutschland in Wasser investieren möchte, kann derzeit zwischen 17 Investmentfonds auswählen. Die Fonds verwalten insgesamt ein Vermögen von über elf Milliarden Dollar. 85 Prozent der Produkte werden aktiv von Fondmanagern gesteuert, 14 von 17 sind bereits über fünf Jahre am Markt. Nach Kosten haben die Wasserfonds über den Zeitraum von fünf Jahren eine durchschnittliche Rendite von 7,4 Prozent erzielt.

Die Investition in Wasserfonds eignet sich vor allem für langfristige Anleger. Nach Ansicht der Experten gibt es aber immer mehr Kursfantasien, begründet durch die technische Revolution. „Die Digitalisierung schafft neue Chancen. Beisipielsweise kann der Einsatz von Wasser in der Landwirtschaft viel effizienter erfolgen“, sagt Justin Winter, Fondsmanager mit dem Schwerpunkt Wasserstrategie bei Impax, einem Partner von BNP Paribas Asset Management in London. Winter, der in dem Wassermarkt großes Potential sieht, managt den Wasserfonds „Parvest Aqua“. Die schwersten Einzelposten: Xylem und die Georg Fischer AG. Wer einen Blick auf die Schwergewichte in Wasserfonds wirft, kommt an den folgenden Aktien nicht vorbei:

1. American Water Works (105,30 USD)
2. Danaher (132,27 USD)
3. Veolia Environment (23,11 USD)
4. Severn Trent (22,59 USD)
5. Xylem (79,72 USD)
6. Georg Fischer (966,52 USD)
7. Suez Environnement Company (12,06 USD)
8. Aalbert Industries (36,33 USD)

Deutsche Unternehmen spielen in fast allen Wasserfonds kaum eine Rolle. Es dominieren die Amerikaner, Franzosen und Briten. Wie in so vielen Sektoren gehöre die Zukunft allerdings den Unternehmen aus dem Reich der Mitte, sagt Fondsmanager Lecamp: „In China sehen wir die größte Dynamik, hier werden private Unternehmen künftig rund um das Wasserthema eine sehr wichtige Rolle spielen“.

Obwohl hiesige Bauernverbände bereits Alarm schlagen und auf erste Wetterprognosen verweisen, die einen erneut zu warmen und trockenen Sommer 2019 prognostizieren, wird das saubere Wasser dank einer guten Infrastruktur und ausreichenden Wasserreserven Tag für Tag aus den deutschen Wasserhähnen heraussprudeln – im Gegensatz zu vielen anderen Teilen der Erde.

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