Nur nutzen, nicht verbrauchen!

Florian Josef Hoffmann17.12.2017Gesellschaft & Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft

Das Thema Klimawandel hat zwei Seiten. Die eine Seite, auf die sich die weltweit die politische Diskussion konzentriert, ist der Ausstoß von CO2. Die zweite Seite ist die weit wichtigere. Aber sie wird fast gar nicht zur Kenntnis genommen.

Der Ausstoß von CO2 ist ein wichtiger Faktor beim Klima und seineem Wandel. Aber der weit wichtigere Faktor ist die „Gewinnung“ von Öl, Kohle und Gas aus der Erde. Kein Verbraucher ist für den CO2-Ausstoß verantwortlich, sondern ausschließlich die, die die Bodenschätze fördern und zuvor diese Förderung genehmigen. Das Thema hat also zwei Seiten, aber beide, Ausstoß und Gewinnung, haben einen gemeinsamen Nenner, das „C“, das Kohlenstoffatom, um das sich alles Leben auf der Erde dreht.

Was zur Zeit auf dieser Welt geschieht, ist so etwas wie die zweite Vertreibung aus dem Paradies. Die erste Vertreibung hatte mit der vergleichsweise einfachen Errungenschaft, der „Erkenntnis“, zu tun, das heißt, der Mensch wuchs über das Kreatürliche hinaus und eignete sich göttliches Wissen an. Er begann dem nicht mehr ganz so lieben Gott ins Handwerk zu pfuschen. Dabei ging es ihm vor allem zum sein Überleben. Medizin und Pharmazeutik haben viele Krankheiten „besiegt“. In unseren Breiten stirbt der Mensch kaum noch durch äußere Einflüsse, wir sterben überwiegend aufgrund hohen Alters, aufgrund natürlichen Organversagens.

Vom Baum der Erkenntnis aus immer weiter…

In der ersten langen Phase, der vorindustriellen, die etwa bis zum Jahr 1800 nach Christus dauerte, hielten sich die Eingriffe in den Erdball mit Hilfe dieser Erkenntnisse insoweit in Grenzen, als sie sich auf die Oberfläche der Erde beschränken. Das hatte auch schon verheerende Folgen, wenn man sich die im Altertum abgeholzte iberische oder die hellenische Halbinsel betrachtet, deren Baumbestand schon vor 3000 Jahren dem Bau von Kriegsflotten geopfert wurde, aber das war sozusagen oberflächlich. Heute agieren wir in einer zweiten Phase der Vertreibung aus dem Paradies, weil wir uns nicht nur die Technik (Buchdruck, Wassermühle, Kanone und so weiter) angeeignet haben, sondern die Erde selbst; zum Beispiel so: Der Untergang der englischen Bevölkerung war von Seiten der Natur beschlossene Sache, als in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Baumbestände der Insel fast vollständig abgeholzt waren. Es gab kaum mehr Holz zum Bauen und keines mehr zum Verbrennen.

Robin Hood hätte sich im Sherwood Forrest nicht mehr verstecken können. Die Folge war: Man musste unter die Erde, musste nun Kohleflöze erschließen, um an Brennmaterial zu kommen. Vor allem brauchte man dann für die Verarbeitung der Metalle für diese neuen Techniken Brennstoffe in großen Mengen. Da verhalf ihnen der Erfinder James Watt zu einer kräftigen Dampfmaschine, die das Potential für die Exploration doppelt vervielfältigte: Für die Exploration und für den Verbrauch. Man brauchte die Holzbalken der Wälder dann nur noch, um die Kohleflöze abzustützen und Hütten zu bauen. Verbrannt wurde von nun an die Kohle. Und der Schub in Richtung fossiler Brennstoffe verstärkte sich mit der Entdeckung des Öls. Bereits 1882 hatte Admiral John Fisher gefordert, die britische Kriegsmarine von umständlicher Kohlefeuerung auf den neuen Brennstoff Erdöl umzustellen. Den Rest der Geschichte ist uns allen bekannt: Ölheizungen, Flugzeuge, Automobile, Weltraumflug.

Kann der Verbraucher etwas tun? Mitnichten!

Mittlerweile ist der Verbrauch allgegenwärtig und eskaliert, weshalb über Abhilfe nachgedacht wird. Viele sagen nun: Wir müssen unser Verhalten ändern. Wir müssen in den Spiegel schauen. Natürlich wissen wir, dass es schlimm ist, aber wenn wir nicht bei uns anfangen, passiert nichts – wir müssen bei uns anfangen, anders geht’s nicht, so die allgemeine Meinung. Ich halte das für einen unglücklichen Irrtum. Er führt dazu, dass der Focus aller, der Focus der Politik, wie der Focus der Wissenschaft und der Presse sich auf den Menschen, den Endverbraucher, das schlechte Gewissen richtet. Dabei kann der Einzelne überhaupt nichts tun, nichts, absolut nichts!

Der Einzelne, das ist beispielsweise der Vater von drei Kindern, der seinen Kindern ein gutes Beispiel sein will, und der alles tut will, um die Umwelt zu schonen: Er kauft sich ein Auto, das nur die Hälfte Sprit verbraucht, er baut ein Null-Energie-Haus, er baut überall Sparlampen ein, er fährt mit dem Fahrrad, sooft es geht. Er schont die Umwelt wo er nur kann. Noch einmal en detail: Die Folge ist, dass er viel Geld spart, seine Heizkosten, seine Benzinkosten, seine Stromkosten, sein Wasser¬verbrauch, alles ist heruntergeschraubt. Am Ende des Monats oder des Jahres hat er Geld übrig. Dann kommt das Problem: Soll er von den gesparten 3.000 Euro mit der Familie nach Mallorca fliegen? Oder ein neues Auto kaufen und das alte in Zahlung geben, oder die Kinder neu einkleiden, oder das Geld einem Immobilien-Fond zur Verfügung stellen, oder …, oder ….? Der Mann hat ein Problem.

Nicht auf Autofahrer und Häuslebauer schauen!

Die Sache ist auch ganz einfach zu erklären: Wer am Wirtschaftsleben teilnimmt, schafft einen Beitrag zum Bruttosozialprodukt in Geld, also einen Tauschwert. Der Tauschwert ist da, die Leistung ist vorhanden! Sie lässt sich nicht beseitigen, allenfalls durch Wegwerfen. Aber das tut ja niemand! Also wird in etwas getauscht, was man braucht, was nützlich ist. Wer Geld hat, muss tauschen! Wenn er es nicht macht, macht es die Bank oder ein Dritter, dem er es anvertraut oder der es ihm wegnimmt. Das geschieht über Steuern. Der Einzelne ist nicht in der Lage, den Prozess zu unterbinden.

Es gibt das zweite besagte Gesetz, das auch allen Bemühungen des einzelnen Umweltbewussten zuwider läuft: Denn auf der Marktseite, also auf der Abnehmerseite, gilt für die Exploratoren der Staaten und Ölgesellschaften ein einfaches Gesetz: Verbraucht wird alles, was gefördert wird. Es ist einfach Unsinn, die Verantwortung irgend jemand anderem aufzubürden als den Ölproduzenten. Der Verbraucher, der Autofahrer, der Häusle-Besitzer, das Land, der Produzent, der Autohersteller am Ende der Verbrauchskette, sogar der Tankstellenbesitzer, alle sind unschuldig. Sie können alle als Schwanz nicht mit dem Hund wedeln, denn alle unterliegen dem Zwang, das, was sie verdient haben, auch auszugeben.

Der Gutmensch Al Gore meint es gut, wenn er sagt, der Letzte, der das Zimmer verlässt, möge das Licht ausmachen. Derart sind die Sätze der Bewusstseinsveränderer, die meinen, sie könnten das Verhalten der Menschen ändern, um die Welt zu ändern. Entsprechend ineffizient ist die Ökosteuer: Der Verbraucher gibt einen Teil seines Geldes, seines Einkommens, über den Tankwart beim Staat ab. Beim Staat steigen die Steuereinnahmen. Der Staat gibt das Geld – wie jeder andere Haushalt auch – aus und verbraucht damit Rohstoffe, Öl und Gas. Der Effekt ist primär null. Der Verbrauch entsteht nur anderswo. Genau aus diesem Grund ist unsere Umweltpolitik wirkungslos.

Verbraucher erkennen ihre Machtlosigkeit intuitiv

Das lethargische Verhalten in puncto Klimawandel lässt sich an der Feststellung des Wissenschaftlers Peters festmachen, dass „kaum jemand sein Verhalten ändere, um die Treibhausgase in der Luft zu reduzieren”. Geht ja auch nicht. Wer Geld verdient, muss es ausgeben oder anlegen. Wenn er übers Jahr 500 Euro an Heizkosten spart, fliegt er zu Weihnachten für das „gesparte” Geld in Urlaub. Wenn nicht, bringt er es zur Bank, die verleiht es an Konsumenten oder Investoren. Beide verbrauchen dann das, was der Sparer an Energie eingespart hat. Es ist ein Nullsummenspiel. Eine Auflösung ist nur möglich durch Reduzierung der Angebotsmenge, also das Absenken der Konzessionen. Dann steigt der Ölpreis, dann bekommen die Leute weniger Öl für ihr Geld, nur dann geht der Verbrauch zurück.

End-of-pipe-Maßnahmen erzeugen diesen Effekt nicht. Sie sind wirkungslos. Eine Konzentration auf derlei Maßnahmen, also Konzentration auf die Sicht des Kyoto-Protokolls verhindert geeignete und wirkungsvolle Maßnahmen. Es ist eine ideologische Blockade, die diesen verhängnisvollen Leerlauf erzeugt, denn 72 Prozent der Förderung fossiler Rohstoffe weltweit erfolgen durch die Staaten der Erde oder staatliche Gesellschaften – und auch die restlichen 28 Prozent Förderung sind zu 100 Prozent staatlich konzessioniert.

Die segensreiche Rolle der OPEC

Das bedeutet: Die Staaten insgesamt, also die Staatengemeinschaft allein (!) ist für die Klimaveränderung verantwortlich. Das Verhalten der Staaten beziehungsweise das Verhalten der Exploratoren – gesteuert durch die Staaten – muss sich ändern, um den Untergang aufzuhalten. Weshalb das bisher nicht gesehen wird, hängt damit zusammen, dass das Opec-Kartell als monopolistisches Übel angesehen wird. Hier wird die Wirtschaftstheorie zur Ideologie. Richtig wäre es, in koordiniertem, gemeinschaftlichem Zusammenwirken ein globales Werkzeug zum Schutz der Umwelt zu sehen, indem man die Förderstaaten zu einem Zwangskartell zusammenschließt und sie zwingt, die Ölförderung schrittweise, langsam und Industrie-verträglich über Jahrzehnte zu senken. So kann man am Ende zu Verbrauchsmengen zu gelangen, die der Belastbarkeit der Erde – unserem größten und einzigen Kapital – gerecht werden.

Wer glaubt, wir müssten deshalb dann darben, der irrt, denn der technische Fortschritt ist mit Leichtigkeit in der Lage, die Verknappung aufzufangen. Technischer Fortschritt entsteht aber eben erst dann, rentiert sich erst dann, wenn die Preise für die Ressourcen steigen. Ideologische Scheuklappen beherrschen die Diskussion und verhindern diese simplen Einsichten.

_Weiterführende Informationen zu technologieaktien in Ihrer_ “*BÖRSE am sonntag*”:http://www.boerse-am-sonntag.de/fonds/gastbeitraege/artikel/techaktien-investieren-in-die-zukunft-9014.html.

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