Trump wäre nicht Trump

Florian Josef Hoffmann1.06.2017Politik, Wirtschaft

Trump wäre nicht Trump, würde er nicht alles über den Haufen werfen – seine eigenen Prinzipien zuerst. Was machen wir mit einem „Head of the World“, der scheinbar keine Prinzipien hat?

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Donald Trump. Erst versucht er gegen muslimische Staaten mit aller Macht die Grenzen zuzumachen, dann fliegt er in das schlimmste muslimische Land der Erde und umarmt dessen brutale Scheichs, nimmt ihren Säbel in die Hand, mit dem sie regelmäßig Köpfe abschlagen und tanzt fröhlich in deren Reihe hinein – und nicht aus der Reihe.

Ganz aus der Reihe ist dann aber der Auftritt bei seinen echten Freunden auf dem G7-Gipfel, der als G8-Gipfel mit Putin wohl etwas anders verlaufen wäre. Und wo liegt bei Trump die Ursache, der Kern des Übels? „The Germans are bad, very bad!“ Aha. Und warum? Weil sie Exportweltmeister sind, weil sie einen Exportüberschuss haben, der größer ist, als der des großen Exportlandes China. Achtzig Millionen Menschen exportieren mehr als 1,2 Milliarden. Da stimmt doch was nicht, denkt Trump. Und beim Verhältnis US-Exporte im Verhältnis zu Importen sieht es besonders übel aus: Wir importieren wertmäßig nur die Hälfte dessen, was wir in die USA exportieren.

Wie passt das alles zusammen?

Ich denke, Trumps Verhalten ist einfach zu erklären: Trump ist kein Politiker, er ist ein Kaufmann. Ein Kaufmann hat nur einen Maßstab, das Geld. Ein Kaufmann kennt keine Moral. Dafür ist der Staat der Gesetzgeber zuständig. Der Kaufmann ist auf der Suche nach Chancen, Geld zu verdienen und sucht nach Wegen, um Verluste zu vermeiden. Der Kaufmann lebt vom Geschäft. Ein Geschäft ist ein Geschäft, wenn der Input geringer ist als der Output, aber immer gemessen in Geld. Der Kaufmann hat nur eine Aufgabe: Geld zu verdienen. Um es plastisch zu erklären: Der Stand des Gemüsehändlers auf dem Markt ist am Morgen voll von Gemüse, in der Kasse liegt ein bisschen Wechselgeld. Umgekehrt am Abend: Der Stand ist leer, das Gemüse ist weg und die Kasse ist voll.

Und also reist Trump, der Kaufmann, nach Saudi Arabien mit einem Sack voller Waffen und bringt 350 Milliarden US-Dollar mit nachhause. Für ihn ein voller Erfolg. „Jobs, jobs, jobs!“ ist sein Jubelschrei, mit dem er den Deal seinen Landsleuten über die TV-Kanäle verkauft. Das war der Anfang der Reise, den er anschließend den israelischen Freunden auch ganz gut verkaufen konnte. Immerhin hat Trump, diesmal sozusagen als Politiker, deren Erbfeind Iran geschwächt. Dann kommt Sizilien und die Exportweltmeister-Kritik, die Trump, der Kaufmann, aber nicht auf die Welt bezieht, sondern die USA, indem er auf die vielen deutschen Autos verweist, die er auf amerikanischen Straßen sieht. Vor Trumps geistig-kaufmännischen Auge fliest zu viel Geld von den USA nach Deutschland und zu wenig zurück. Er sagt es diesmal nicht, aber er denkt es pausenlos: „Jobs, jobs, jobs!“

Was ist von so einem Tycoon zu halten?

Von einem, der kein Gut und Böse kennt, sondern nur den kaufmännischen Nutzen, den finanziellen Erfolg? Nun, es gibt darauf zwei Antworten: Die eine Antwort verurteilt das Verhalten als unmoralisch, was es auch ist. Trump unterscheidet nicht zwischen Gut und Böse, sondern zwischen finanziell-gut und finanziell-böse. Er unterstützt, ja verabsolutiert das Kommerzielle. Es ist ein krasses Beispiel für die überbordende Kommerzialisierung, die wir in der westlichen Welt so sehr beklagen und die mit Sicherheit viel Schuld trägt an gigantischen Fehlentwicklungen, sei es in Südamerika, sei es in Afrika, sei es in Südeuropa. Trump ist kein Mann der Moral. Er fragt „Was ist gut für meine Amerikaner?“ – alles andere ist ihm egal. Trump ist kein Philosoph, der die Dinge durchschaut, sondern ein schlauer Kaufmann, der Chancen zum eigenen Nutzen ausmacht und rigoros verfolgt.

Die andere Antwort hat mehr Verständnis dafür, weil ja alles auf dieser Welt zwei Seiten hat und deshalb schon die Verteufelung einer Seite Unrecht erzeugt beziehungsweise ein Ungleichgewicht. In der Tat hat das kaufmännische Denken, das Denken in Geldströmen, das Denken in Wertschöpfung und Profit auch sein Gutes: Es kann und darf nicht sein, dass das Geld, also das Gold (der Begriff „Gold“ ist der Wortursprung des Wortes „Geld“) immer nur in einer Richtung fließt und am Ende aufgehäuft und angesammelt wird, wie in Dagobert Ducks Panzerschrank.

Geld also ist der Motor

Geld bewegt die Märkte, Geld bewegt die Waren, indem es sich selbst in der Gegenrichtung bewegt. Der Warenfluss hat einen Anfang und ein Ende, der Geldfluss hat keines von beidem. Beim Warenfluss kann der Anfang ein Acker sein und das Ende ein Frühstücksteller, von dem herunter das Brot das aus dem Korn des Ackers gemacht wurde, verzehrt wird. Die Endlichkeit des Warenflusses gilt für alle Waren, aber nicht für das Geld. Denn, damit immer wieder Brot auf dem Frühstücksteller landet, müssen für das Geld Kreisläufe geschaffen werden, die tagtäglich, immer wieder den Bauern bewegen, das Korn zu ernten, den Müller bewegen, es zu mahlen und den Bäcker, das Brot zu backen. Mit anderen Worten: Wenn das Geld immer nur in einer Richtung fließt, wird am Ende einer zu Donald Duck und die anderen haben irgend wann kein Brot mehr auf dem Teller. Gleichgewichte sind in der Wirtschaft unabdingbar, um den Geldkreislauf aufrecht zu erhalten.

Dem wird die Wirtschaftstheorie nicht ganz gerecht, weil es vorrangig das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage kennt. Wenn man deren Gleichgewichtspostulat – wie es unter anderem die liberalen Ökonomen fordern – auch auf Arbeit und Einkommen anwendet, dann ist die Verarmung vorprogrammiert: Der Überschuss an Arbeitskräften und ihre Konkurrenz untereinander führt immer zu ruinösem Wettbewerb und in der Folge zum Verfall der Löhne. Der Geldkreislauf versiegt. Der Neoliberalismus lässt grüßen. Wenn man hingegen auch den Geldkreislauf unter dem Aspekt des Gleichgewichts betrachtet, dann sind steuernde Eingriffe erlaubt, zum Beispiel in Form des Streikrechts der Arbeitnehmer oder des Lieferboykotts der Hersteller. In beiden Fällen wehrt sich der Schwächere gegen den Stärkeren, um seine Ausbeutung zu verhindern, im Fall des Streikrechts der Arbeitnehmer gegen den Arbeitgeber, im Fall der Lieferboykotts der kleine Lieferant gegen den großen Kunden. Ein prinzipieller Unterschied besteht da allerdings nicht.

Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass Trump diese Gedanken so nachvollzieht, aber man muss ihm immerhin zugute halten, dass er den Gleichgewichtsgedanken, der auch ein Gerechtigkeitsgedanke ist, im Auge hat und beabsichtigt, ihn durchzusetzen, denn Trump sieht die Vollbeschäftigung und ihren Einkommenseffekt in Deutschland und sieht in einem Gleichgewicht der Warenlieferungen mehr Gerechtigkeit, das heißt, mehr Einkommen „für seine Amerikaner“. Ganz so falsch gedacht ist es nicht, wenn auch mehr als Kaufmann gefühlt, denn als als Politiker gedacht.

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