Kleinzelltäter

von Florian Hartleb5.08.2012Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Anders Breivik und die Nazi-Attentäter des NSU haben eines gemeinsam: Für ihre Morde brauchten sie keine Zelle. Al-Qaida war gestern, der Einsame Wolf ist heute.

Das Phänomen des Rechtsterrorismus wurde durch die Mordserie des sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) und die Pannen deutscher Sicherheitsbehörden, insbesondere der Verfassungsschutzämter, auf dramatische Weise virulent. Die Täter, offenbar drei, agierten jahrelang innerhalb einer Kleingruppe oder im Fachjargon Kleinzelle. Diese Art von Terrorismus fiel aus dem Raster deutscher Sicherheitsbehörden und auch professioneller Beobachter, wohl auch, weil die Behörden nicht in Szenarien denken. So spielt das Konzept des „Einsamen-Wolf-Terrorismus“ im deutschen Kontext bislang keine Rolle, obwohl es zahlreiche Fälle dafür gibt. Offenbar fehlt das Gespür für mögliche Szenarien.

Anschläge vom Einzeltäter

Bei der Terrorismusbekämpfung gilt es aber gerade, das zuvor Undenkbare zu denken. Das Potenzial des „Einsamen-Wolf-Terroristen“ wird inzwischen besonders in den USA immens hoch eingeschätzt, auch Präsident Barack Obama warnte davor. Der britische Geheimdienst machte im Einsamen-Wolf-Terrorismus die größte sicherheitspolitische Bedrohung für die Olympischen Spiele 2012 aus. Die Geschichte des politisch-motivierten Terrorismus zeigt, dass der Einsame Wolf seine Taten mit ganz unterschiedlichen Grundideologien begründet. In den 1990er-Jahren sorgte etwa der österreichische rechtsterroristische Briefbomber Franz Fuchs für Aufsehen. Einsamer-Wolf-Terrorismus bezieht sich auf intendierte Akte, die von Personen begangen werden, welche individuell operieren, nicht einer organisierten Terrorgruppe oder einem Terrornetzwerk angehören, die ohne direkten Einfluss eines Anführers oder einer irgendwie gearteten Befehls- und Gehorsamshierarchie handeln und deren Taktik und Methoden umgesetzt werden von dem Individuum ohne direkten Befehl oder direkter Führung von außen. Der Einsame-Wolf-Terrorismus ist das Produkt der Selbstradikalisierung eines Individuums. Der Auslöser ist wohl eine Mixtur aus persönlichen Kränkungen und politisch-ideologischen Motiven. Im Unterschied zum Amoklauf ist der Einsame-Wolf-Terrorismus eben politisch motiviert. Es kann hier gleichwohl gewisse Überschneidungen geben, wenn der Terrorismus im öffentlichen Raum stattfindet, der Terrorist wahllos Menschen tötet und dabei völlig emotionslos agiert. Der Amokläufer bringt in einem willkürlichen Akt jedes Opfer einzeln aus unmittelbarer Nähe und nacheinander um. Der erste erfolgreiche islamistische Anschlag in Deutschland im Frühjahr 2011 ging von einem Einzeltäter aus. Aufgehetzt von einem Internetvideo, das angeblich die Vergewaltigung von muslimischen Frauen durch US-Soldaten zeigte, radikalisierte sich der junge Kosovare Arid Uka innerhalb von wenigen Tagen und beschaffte sich auf dem Schwarzmarkt eine Waffe. Wenig später passte er eine Gruppe von US-Soldaten auf dem Frankfurter Flughafen ab, fragte einen der GIs nach einer Zigarette und

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