Mitfahrgelegenheit

von Felix Creutzig25.01.2012Gesellschaft & Kultur, Wirtschaft

Verkehrspolitik denkt nicht weit genug: Das Auto wird nicht verschwinden, aber es muss vom persönlichen Transportmittel zum Gemeinschaftsgut werden.

Kopenhagen, Amsterdam, Melbourne: Städte kommen weltweit mit weniger Autos aus. Sie vergeben den gewonnenen Platz an das öffentliche Leben, an Fußgänger und oft auch an Fahrradfahrer. Schon seit 1962 verbannte Kopenhagen schrittweise die private Motormobilität aus der Innenstadt. Mit dem gewonnenen Platz gewann das öffentliche Leben: Kopenhagener befinden sich viel häufiger auf öffentlichen Straßen und Plätzen. Ja, Kopenhagen gilt als die Stadt mit höchster Lebensqualität weltweit. Selbst der Times Square in New York, ikonischer Ort des vergangenen Jahrhunderts, wird dem Flaneur zurückgegeben. Ist also die Zukunft der Stadt autofrei?

Unliebsame Konsequenzen

Doch von Anfang an. Automobilität ist eine Errungenschaft der Moderne: sie erlaubt das Einfamilienhaus im Vorort. Und sie bringt mit dem Auto das prädestinierte Statussymbol der vergangenen Epoche hervor. Im Überschwang überwand das System sein Ziel: Stau, Luftverschmutzung, Stress durch Lärm und soziale Segregation kristallisierten sich als unliebsame Konsequenzen, nicht immer für den einzelnen Autofahrer, doch aber für die Gesellschaft. Die staatlichen Institutionen reagieren und versuchen, diese schädlichen Folgen zu mindern. So gibt es immer mehr Standards für Autos, aber auch Umweltzonen und Verkehrsmanagement. Doch diese Reaktion ist nur eine Variation des Autoparadigmas, es wird weiter vom Auto aus gedacht. Ein verkehrsmittelneutrales Paradigma sieht öffentlichen Raum und Mobilität als öffentliches Gut. Wo Menschen sich treffen und interagieren, da ist die Lebensqualität hoch.

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