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Fabian Lieschke12.04.2011Gesellschaft & Kultur, Politik, Wirtschaft

Der FDP mangelt es vor allem an glaubwürdigen Kommunikatoren. Während niemand mehr nach dem BP-Desaster oder dem Dioxin-Skandal fragt, ist die Krise der Liberalen seit 16 Monaten ein Dauerthema. Die Ernennung Röslers zum Parteichef war ein wichtiger Schritt, er darf aber nicht der letzte bleiben.

Wer weiß eigentlich, was derzeit getan wird, um einen zweiten “Dioxin-Skandal(Link)”:http://www.theeuropean.de/stefan-gaertner/5614-vegetarismus-als-teil-von-kulturindustrie zu vermeiden? Oder inwieweit hat sich der “Golf von Mexiko nach dem BP-Desaster(Link)”:http://www.theeuropean.de/kenneth-green/3591-korruption-im-us-oelgeschaeft erholen können? Und wie läuft es mit der “Verfassungsreform in Tunesien(Link)”:http://www.theeuropean.de/eberhard-lauth/5463-umsturz-in-tunesien? Richtig, das ist Schnee von gestern. Es sind Strohfeuer-Themen, die unsere emotionalen Fieberkurven für kurze Zeit ansteigen lassen, bevor sie wieder zu Opfern unserer auf Twitter geeichten Aufmerksamkeitsspannen werden. Lieber regen wir uns mit den wöchentlich grüßenden Murmeltieren in Talkshows über Aktuelle(re)s auf, das nach spätestens ein paar Wochen wieder niemanden mehr interessiert. Einzig die FDP schafft es, unsere Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten und die “Kurzlebigkeit des Medienzyklus(Link)”:http://www.theeuropean.de/heather-de-lisle/6316-die-agenda-der-medien zu verlängern wie Alpecin die Wachstumsphase von Haarwurzeln. Dioxin, Sarrazin oder Terrorgefahr – die Freien Demokraten haben jeden Hype überlebt und tatsächlich das Kunststück vollbracht, noch immer – 16 Monate nach Mövenpick – die Buhmann-Liste im Lande anzuführen.

Der FDP fehlt es an glaubwürdigen Kommunikatoren

Klar, man kann das unvergleichliche Einschießen auf einen Politiker, den die Wenigsten im Land für sympathisch halten, für unfair halten. Auch den Schwarzmalern bisheriger Regierungsarbeit ist man geneigt, ein paar Grautöne für ihre Farbpaletten zu schenken. Doch in der Politik zählen neben Inhalt vor allem Köpfe, die glaubwürdig zwischen Politik und Bürgern vermitteln können. Und hier fehlte es den Liberalen in den zurückliegenden Monaten an fähigen Kommunikatoren – sowohl an vereinzelten Stellen in der Regierung als auch im Bundestag. Deshalb konnte ihnen der mediale Befreiungsschlag nicht gelingen. Mit “Philipp Rösler als designiertem Parteivorsitzenden(Link)”:http://www.theeuropean.de/alexander-goerlach/6269-umbruch-in-der-fdp ist der erste Schritt aus dem Kommunikationsschlamassel gemacht. Der Gesundheitsminister kündigte sogleich an, für seine Aufgabe als Vize-Kanzler keinen weiteren Staatssekretär in seinem Ministerium zu platzieren – eine Forderung aus Oppositionszeiten, die bisher nicht eingehalten wurde. Mit Rösler steht außerdem jemand aus dem Trio – Rösler-Lindner-Bahr – an der Spitze, das schon seit geraumer Zeit für die überlebenswichtige Veränderung des FDP-Programms steht.

Weichen für 2013 stellen

Doch den erhofften Befreiungsschlag hat die FDP mit dieser alleinigen Personalentscheidung nicht vollzogen. Der Ehrenvorsitzende und ehemalige Außenminister Genscher spricht sich dieser Tage für den Rückzug weiterer Personen aus, um den Jungen die Chance zu geben „das Profil der neuen FDP durch neue Gesichter prägen zu lassen“. Das große Vorbild Guido Westerwelles hat dank seiner langjährigen Distanz vom Aphrodisiakum der Macht erkannt, was so einigen Amtsinhabern nicht einleuchtet: Der Neuanfang muss umfassend sein, um neue Inhalte glaubhaft kommunizieren zu können. Bis zum Parteitag im Mai hat Philipp Rösler Zeit, die Weichen für den Bundestagswahlkampf 2013 zu stellen und die FDP zusammen mit seinem Generalsekretär auf den richtigen Kurs zu bringen. Damit die Liberalen in der Lage sind, nach langer Zeit wieder in Ruhe – in der Regierung und am Grundsatzprogramm – zu arbeiten, muss Rösler die Partei vom Ballast der zurückliegenden Monate befreien. Nur wenn die Kommunikation wieder gelingt, und nur wenn die FDP es schafft, aus den negativen Schlagzeilen herauszukommen, hat der organisierte Liberalismus in Deutschland eine Chance, wahrgenommen zu werden. Sonst bliebe einzig die Gewissheit, die Gesetze des kurzweiligen Medienzyklus außer Kraft gesetzt zu haben.

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