Iranische Frauenrechtlerin Nasrin Sotoudeh musste auf Intensivstation | The European

Alternativer Nobelpreis für inhaftierte Frauenrechtlerin Sotoudeh

The European Redaktion1.10.2020Gesellschaft & Kultur

Internationale Gesellschaft für Menschenrechte erhebt schwere Vorwürfe gegen Teheran: Trotz schlechten Gesundheitszustands gab es keine medizinische Behandlung für Nasrin Sotoudeh

Nasrin Sotoudeh, Foto: IGFM

Die iranische Frauenrechtlerin Nasrin Sotoudeh, Foto: IGFM

Die inhaftierte iranische Menschenrechtlerin Nasrin Sotoudeh hat den sogenannten Alternativen Nobelpreis erhalten. Die Entscheidung zur Zuerkennung des Right Livelihood Award wurde am Donnerstag bekannt gegeben. Neben Sotoudeh, die sich im Iran vor allem für die Rechte der Frauen einsetzt, wurden auch Lottie Cunningham Wren (Einsatz für indigene Menschen und Umweltschutz in Nicaragua), Ales Bjaljazki (Gründer des Menschenrechtszentrums Viasna in Belarus) und Bryan Stevenson (Engagement gegen Rassismus in der amerikanischen Strafjustiz) ausgezeichnet. Die Right Livelihood Stiftung vergibt die Preise, die nicht mit dem Nobelpreis-Komitee abgestimmt sind, seit 1980. Über Sotoudeh, für die sich unter anderem die IGFM in Frankfurt/M. einsetzt, hatte TheEuropean eine Woche zuvor berichtet. Wir dokumentieren diesen Artikel anlässlich der Auszeichnung erneut.

Die Stimme der Menschenrechte im Iran darf nicht verstummen: Die iranische Frauenrechtlerin Nasrin Sotoudeh war  46 Tage in einem Hungerstreik, den sie erst am Wochenende beendete. Das teilte ihr Ehemann der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) mit.

Wie die IGFM weiterhin aus dem direkten Umfeld der prominentesten politischen Gefangenen im Iran erfahren hat, wurde Sotoudeh  am 19. September wegen Kurzatmigkeit, Herzproblemen und sehr niedrigem Blutdruck auf die Intensivstation des Taleghani Hospitals eingeliefert. Nach fünf Tagen wurde die 57-Jährige ohne medizinische Behandlung aus dem Krankenhaus zurück ins Evin-Gefängnis gebracht.

“Das Leiden von Nasrin Sotoudeh geht weiter und das iranische Regime scheint ihren Tod billigend in Kauf zu nehmen. Nach ihrem Krankenhausaufenthalt geht es ihr schlechter als zuvor, sie muss umgehend freigelassen werden. Nasrin Sotoudeh ist die Stimme der Menschenrechte im Iran – sie darf nicht sterben und ihre Stimme darf nicht verstummen”, sagte Martin Lessenthin, Sprecher der IGFM.

Kein Kontakt zur Familie, kein Mindestabstand

Nach Aussage von Nasrins Sotoudehs Ehemann Reza Khandan durfte die Familie sie im Krankenhaus weder anrufen noch besuchen. Sogar Kontakt mit der Familie auf dem Flur wurde von Aufpassern grob unterbunden. Außerdem teilte sie sich das Zimmer zwei Tage lang mit zehn weiteren Patienten. Da der notwendige Mindestabstand nicht eingehalten wurde, fürchten die IGFM und Nasrins Familie, dass sich die Frauenrechtlerin mit dem Coronavirus angesteckt haben könnte. Die Entlassung seiner Frau ohne medizinische Behandlung hatte für Reza Khandan einen ganz klaren Sinn: „Dieses Vorgehen hat ausschließlich das Ziel gehabt, ihr Leben weiter in Gefahr zu bringen.“

Nasrin Sotoudeh war am 11. August in den Hungerstreik gegangen, um auf das Schicksal der politischen Gefangenen im Iran und deren Haftbedingungen während der Coronavirus-Pandemie aufmerksam zu machen. Die IGFM setzt mich seit langem mit verschiedenen Kampagnen für die mutige Menschenrechtsaktivistin ein.

“Nasrin Sotoudeh ist Kuratoriumsmitglied der IGFM”, twitterte die Menschenrechtsorganisation am Samstag. “Wir hoffen, dass sie sich erholt und fordern die iranische Regierung auf sie beide freizulassen.”

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