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Europa > Coronavirus: Schweden widersetzt sich dem Pandemie-Trend

Schweden: Masken sind nicht wirksam genug, um einen Masseneinsatz zu rechtfertigen

Schweden widersetzt sich auch Anfang September dem europäischen Pandemie-Trend und weigert sich weiterhin, Gesichtsmasken zu empfehlen. Masken seien nicht wirksam genug, um einen Masseneinsatz zu rechtfertigen, so die Gesundheitsbehörde des Landes. Liegen die Schweden richtig?

Schwedens Chef-Epidemiologe Anders Tegnell, Foto: picture alliance / TT NEWS AGENCY | Janerik Henriksson/TT
Schwedens Chef-Epidemiologe Anders Tegnell, Foto: picture alliance / TT NEWS AGENCY | Janerik Henriksson/TT

Schweden geht seit dem Ausbruch des Coronavirus einen Sonderweg. Das skandinavische Land hatte nie einen Lockdown zu verantworten, reduzierte selbst in der Hochphase der Corona-Pandemie nie das öffentliche Leben – Schulen, Geschäfte und Bars blieben offen. Dafür wurden und werden die Schweden immer wieder kritisiert. Was man praktiziere, sei „verantwortungslos“ und „hartnäckig“, ein Kurswechsel unbedingt geboten, so die Vorwürfe am schwedischen Sonderweg Anfang September. Ein Kurswechsel sei unbedingt geboten.

Schweden bleiben Maskenmuffel

Doch die Schweden bleiben in Sachen Maske resistent - Maskenmuffel nicht wider den Zeitgeist, sondern aus wissenschaftlicher Überzeugung heraus. Während in der Bundesrepublik aus Angst vor einer zweiten Welle, die Maskenpflicht wieder anzieht, der Berliner Senat nach den Ausschreitungen auf der Anti-Corona-Party vor dem Berliner Reichstag sogar gesetzlich verfügt und die Maskenpflicht gar auf den privaten Raum und die Feierkultur der Bundesbürger ausweitet und mit drakonischen Geldstrafen flankiert, machen die Schweden das, was sie in Coronazeiten man besten können. Sie leben maskenlos. Sei es in der U-Bahn oder im Bus, sei es beim Einkaufen oder in der Schule. Masken haben sich, so Beamte des öffentlichen Gesundheitswesens, nicht als ausreichend wirksam erwiesen, um die Ausbreitung des Virus zu begrenzen, d.h. einen Masseneinsatz zu rechtfertigen. Stattdessen setzt man in dem Land, das 1995 der Europäischen Union beigetreten ist, auf soziale Distanzierung und persönliche Hygienemaßnahmen.

Das mit 10 Millionen Einwohnern verhältnismäßig kleine Land, das seit 2014 von Ministerpräsident Stefan Löfven regiert wird, hat zwar mit 575 Todesopfern pro Million Einwohner die siebthöchste Todesrate der Welt, was jedoch hauptsächlich darauf zurückzuführen sei, dass es in der Frühphase der Pandemie versäumt hatte, ältere Menschen in Pflegeheimen zu schützen.

Fallende Zahlen und Reproduktionswert unter 1

Im Gegensatz zu vielen Ländern in Europa, wo ein Neuanstieg der Coronafallzahlen zu registrieren ist, ob in Frankreich, der Niederlande, Deutschland, Belgien, Spanien und Italien, gehen die Coronazahlen seit Juli permanent nach unten.

Während die Zahl der täglichen Todesfälle im April ihren Höhepunkt erreichte, ist der sogenannte Reproduktionswert seit über zwei Monaten unter 1 geblieben. Die niedrigen Zahlen, so die schwedische Gesundheitsbehörden um Chef-Epidemiologe Anders Tegnell, geben auch im Herbst keinen Anlass, die bisherige Strategie zu verändern. Schwedens Wissenschaftler berufen sich dabei auf wissenschaftliche Studien, die nicht bewiesen haben, dass Masken die Ausbreitung des Virus wirksam eindämmen. Vielmehr argumentieren sie: Bei schlampiger Anwendung würden diese mehr Schaden als Nutzen anrichten.

Masken helfen auch nichts

Wie Tegnell betont, sind die Coronazahlen rückläufig, seitdem man Risikogruppen, insbesondere in den Alten- und Pflegeheimen besser schütze. Ein weiterer Grud für die niedrigen Infektionsraten sieht er darin, dass die Schweden im Krankheitsfall zu  Hause bleiben, Home-Office machen und soziale Abstandsregeln respektieren. „Der Versuch, diese Maßnahmen durch Gesichtsmasken zu ersetzen, wird nicht funktionieren“, betont Tegnell und fügte am 14. August hinzu: „In mehreren Ländern, die Masken eingeführt haben, sind jetzt große Wiederauferstehungen zu verzeichnen.“

Es bleibt abzuwarten, ob die Covid-19-Übertragung in Schweden weiter abnehmen wird. Die schwedische Bevölkerung zumindest ist so liberal, dass sie dann Masken tragen würde, wenn der Staat es zur Pflicht machen würde. So lange es ohne diese geht, vertraut man Anders Tegnell.

Ein ausführlicher Artikel zu Schwedens Chef-Epidemologe erschien vor kurzen auf The European.

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