Gott nützt mir letztlich nur, wenn er ist. Walter Kasper

Das Einmaleins des Glücks

Der sehnlichste Wunsch aller Eltern ist ein glückliches Kind. Mit dem Schulfach “Glück” will die Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg diesem Bedürfnis gerecht werden. Ein Erklärungsversuch.

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Was ist das Glück der Kinder? Sicherlich weit mehr als der positive Zufall eines Lotteriegewinns. Weit mehr auch als die Jagd nach dem Hochgefühl im Glücksmoment. Hinter Glück verbirgt sich das mittelhochdeutsche Wort “gelücken”, was auf gelingen hindeutet. Leben gelingt nicht durch dauerndes Hochgefühl. Es lohnt sich, ab und zu die rosarote Brille abzuziehen, sich den Herausforderungen zu stellen. Die Fülle des Glücks mischt sich aus glücklicheren und weniger glücklicheren Ereignissen des Lebens und dem Umgang damit.

Dazu bedarf es manchmal nur eines Perspektivenwechsels, weg vom Problem und hin zur Lösung. Wer immer nur auf die Defizite, auf eigene und fremde Fehler schaut, wird kaum sein kreatives Potenzial entfalten. Genau diese konstruktive und lebensbejahende Haltung sollen Kinder im Elternhaus und in der Schule lernen. Nur wie? Kinder wollen klug und mutig die Welt erobern und weder gegängelt noch über alle Hindernisse gehoben werden. Selbst bestimmend und selbst wirksam sein und einen Beitrag zum Großen und Ganzen leisten. Wir müssen deshalb unsere Kinder auf das gelingende Leben vorbereiten, indem wir ihnen Chancen einräumen, sich aktiv sinnvoll zu betätigen und dabei Freude zu empfinden.

Die Kinder brauchen eine eigene Identität

Es reicht nicht, ihnen Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, wenn nicht vorher geklärt ist, wozu sie dienen können. Das setzt eine eigene Identität und ein eigenes Konzept von sich, eine dynamische Zielorientierung und ein kollektives Werteverständnis voraus.

Neben dem Elternhaus nimmt die Schule eine zentrale Stellung im Leben der Jugendlichen ein und ist gleichermaßen für das seelische, körperliche und soziale Wohlbefinden verantwortlich. Durch die Einführung des Faches Glück an unserer Schule wollen wir jungen Menschen Lebenskompetenz und Lebensfreude vermitteln. Zum Beispiel durch Theaterpädagogik. Wenn Gefühle und Stimmungen, wie zum Beispiel Freude und Trauer, in der Rolle sichtbar, spürbar und beschreibbar werden, dann entsteht Verständnis und Mitgefühl.

Positive Grundhaltungen ist nicht nur wichtig für die Sicherung der Gemeinschaft, sondern auch das eigene Wohlbefinden verbessert sich. Wenn sie sich zum Beispiel an der Kletterwand gegenseitig am Seil sichern und so körperlich und emotional erfahren, dass Vertrauen und Verantwortung zwei Seiten einer Medaille sind, bleiben diese Begriffe keine leeren Worthülsen. Das gilt auch für individuelle und subjektive Haltungsziele wie Mut, Selbstsicherheit und Mäßigkeit.

Positive Erlebnisse und Erfahrungen stärken die Persönlichkeit

In allen Fällen benötigen sie neben der Belehrung körperliche und emotionale Erlebnisse, die als gute Erfahrungen ihre Persönlichkeit stärken. Erfolge machen stolz und glücklich, deshalb brauchen sie Rückmeldungen und messbare Kriterien, ob sie sich tatsächlich den angestrebten Zielen nähern konnten. Was für Sportler und Manager als mentales Training selbstverständlich ist, sollte Schülern, die täglich auch Höchstleistungen vollbringen, nicht vorenthalten werden.

Im Fach Glück wollen wir deshalb einmal unabhängig von den sonst üblichen intellektuellen und anthropogenen Voraussetzungen den Fokus auf den ganzen Menschen richten und ihn bei der Entwicklung seiner Persönlichkeit maßgeblich unterstützen. In einem weiter gefassten Bildungsverständnis ist dies ein aufrichtiger Beitrag für mehr Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftliches Wohlbefinden.

Von Ernst Fritz-Schubert ist zuletzt das Buch Schulfach Glück erschienen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Vera Lengsfeld, Florian Werner, Lisa Cypers Kamen.

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