Diäten wirken immer nur so lange, wie man sie einhält. Daniel Küblböck

Auf Worte müssen nun Taten folgen

Das junge Muslime aus Deutschland sich dem IS anschließen bestätigt vor allem eins: Die Muslimischen Verbände müssen mehr Verantwortung übernehmen und verhindern, dass das passiert.

Laut Verfassungsschutz sollen etwa 7.000 radikalisierte Islamisten in Deutschland leben. Um sich Kampfverbänden wie dem „Islamischen Staat“ anzuschließen, seien bereits 550 Islamisten, die Hälfte von ihnen deutsche Staatsbürger, ausgewandert. Viele dieser jungen Menschen sind in Deutschland aufgewachsen, haben hier die Schule besucht und studierten sogar an einer Universität. Es sind junge Menschen, die hierzulande tagtäglich oder zumindest wöchentlich in den Moscheen beten gehen und die teil unserer Nachbarschaft sind. Wir stehen im Kontakt mit ihren Familien und wir sprechen die gleiche Sprache.

Es ist nicht hinnehmbar, dass es auch nur einen Menschen gibt, der sich der IS anschließt. Natürlich ist allen friedlichen Muslimen klar, dass der Terror des IS nichts mit dem Islam zu tun hat. Terror ist in keiner Weise mit der Lehre des Islams vereinbar. Die Grausamkeiten, die Menschen im Namen des Islams begehen, ganz gleich mit welchem Ziel das auch geschehen mag und in welcher Form sie ausgeführt werden, können in gar keinem Fall eine gottgefällige und von Gott gebilligte Tat sein. Terror und Gewalt können nicht mit dem Islam im Einklang stehen. In Wahrheit sind es Morde gegen die Religion. Ohne zu zögern kann gesagt werden, dass diese Menschen nicht ins Paradies, sondern mitten in die Hölle gelangen werden.

Aufforderung, Mitverantwortung zu übernehmen

Das ist allerdings nur die eine Seite der Wahrheit. Die andere Seite ist, dass die Islamisten, die erschreckender Weise hierzulande sozialisiert wurden, sehr wohl etwas mit dem Islam zu tun haben: Sie bezeichnen sich als Muslime und berufen sich auf den Koran und die Sunna. Sie gehen in die Moscheen derer, die sagen, dass diese Taten nichts mit dem Islam zu tun haben.

Dass in Deutschland intensiv darüber debattiert wird, wie man mit diesem Problem umzugehen hat, zeigt, dass das Problem kein Problem des nahen Ostens, sondern ein deutsches Problem ist. Und dass es junge Muslime sind, sollte klar machen, dass es auch ein Problem der Muslime hierzulande ist. Die Verbände sollten die Debatte über die Rolle des Islam daher nicht als einen Angriff auf die Religion werten, sondern als eine Aufforderung, Mitverantwortung zu übernehmen.

Während auf politischer Ebene intensiv darüber diskutiert wird, ob diese Kriegsbegeisterten Wilden an der Ausreise gehindert werden oder ob sie ausgewiesen werden sollten, dürfen sich die Akteure, die am Wirkungsvollsten etwas leisten könnten, da sie den Kontakt zu den gläubigen Muslimen haben, nicht zurückhalten: Die muslimischen Verbände.

Es ist natürlich zu begrüßen, wenn sich die muslimischen Verbände von Terror und Extremismus distanzieren. Das haben sie getan und das ist wichtig. Das ist aber keineswegs ausreichend. Nun müssen den Worten Taten folgen.

Jeder Mensch ist zunächst ein Mensch

Die Verbände könnten in den Moscheen häufiger auf den Dialog der Religionen eingehen, sie könnten Toleranz predigen, sie könnten die Gräueltaten der IS verurteilen, sie könnten ihre Gemeinde zu guter Nachbarschaft mit andersgläubigen motivieren. In den Predigten muss vor allem eins an die Menschen gebracht werden: Der Respekt dem anderen gegenüber. „Der wahre Gläubige ist jener Mensch, vor dessen Händen und Zunge die Menschen sicher sind“, sagte der Prophet Muhammet. Jeder Mensch ist zunächst ein Mensch, und der Mensch ist Gottes ausgezeichnetes Werk, und er ist wert, ihn zu respektieren. Das gilt es authentisch zu vermitteln.

Der richtige Ort hierfür ist nicht das Bundespressehaus, sondern die Kanzel in der Moschee. Nicht die Funktionäre der Verbände sollen das ansprechen, sondern die Imame in den Moscheen, Sie sollen nicht zu Journalisten sprechen, sondern zu den Jugendlichen und zu ihren Eltern in den Gemeinden. Das passiert leider kaum.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Hamed Abdel-Samad, Barbara Köster, Egidius Schwarz.

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