Partei gut. Fraktion gut. Glück auf! Franz Müntefering

Wir fühlen uns hier wohl!

Sollen Politiker doch weiter darüber diskutieren, ob der Islam zu Deutschland gehört oder nicht. Die Realität zeigt: Muslime fühlen sich in Deutschland sehr wohl.

Der Fastenmonat Ramadan ist zu Ende. 30 Tage lang haben die Muslime von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang nichts gegessen und nichts getrunken. Drei Tage lang werden sie nun das Ende des Ramadan zelebrieren.

Der Ramadan Bayram (oft auch als Zuckerfest bezeichnet) beginnt mit einem gemeinsamen Gebet in der Moschee. Danach werden Eltern, Großeltern, Familienangehörige, Nachbarn, Freunde und andere Bekannte besucht. Wie der gesamte Fastenmonat ist auch der Ramadan Bayram eine Zeit, in der die Muslime viel beten und sich auf Gott besinnen. Man versucht, Gutes zu tun und sich nicht von irdischen Dingen ablenken zu lassen. Muslime, die verstritten sind, nutzen die Gelegenheit des Ramadan Bayram, um sich zu vertragen. Feindschaften werden begraben und Freundschaften werden bekräftigt. Eine türkische Tradition ist es dabei, dass die Kinder den Älteren die rechte Hand küssen und von diesen mit Süßigkeiten belohnt werden. Der Bayram ist also vor allem auch ein Familienfest.

Eine tiefe Freundschaft zur Mehrheitsgesellschaft

Die Muslime nutzen diese Feiertage für einen Neuanfang. Sie sollten diese Feiertage als Anlass nehmen, sich intensiver für den Dialog, für Toleranz und für Versöhnung einzusetzen. Die gesamte Fastenzeit steht stellvertretend für Vergebung, Menschlichkeit, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und für ein harmonisches und friedliches Zusammenleben. Der Bayram ist insbesondere dazu da, um das friedliche Zusammenleben aller Menschen auf dieser Welt zu fördern und ist dazu geeignet, sich für einen Dialog, anstelle eines Zusammenpralls der Kulturen starkzumachen. Der Ramadan hat es erneut geschafft, die Muslime zu sensibilisieren. Hoffen wir darauf, dass auch nach dem Ramadan weiter auf die Hilfsbedürftigen geschaut wird.

Vor allem in einer Zeit, in der der Islam mit Terror und Gewalt, mit der Unterdrückung der Frau, Zwangsehen und Intoleranz in Verbindung gebracht wird, sollten alle Muslime großen Wert darauf legen, auch ihre deutschen Nachbarn in die Feierlichkeiten zu integrieren. Sollen die Politiker doch weiter darüber diskutieren, ob und wie der Islam zu Deutschland gehört. Die Realität sieht anders aus. Eine tiefe Freundschaft verbindet die Muslime mit der Mehrheitsgesellschaft. Sie fühlen sich hier wohl.

Der Ramadan Bayram wird in Deutschland nicht mit Trauer oder Sehnsucht nach Heimat gefeiert. Ganz im Gegenteil. Seit mehr als nun drei Generationen leben die Muslime hier. Deutschland ist längst ihre Heimat. Sie haben ihre Moscheen, ihre Kulturvereine und sogar muslimische Friedhöfe. Das heißt, dass sie inzwischen sogar die Tradition der Totenbesuche aufrechterhalten können.

Das Schlechte vergessen und an das Gute erinnern

Ein Ramadan Bayram in Deutschland unterscheidet sich also fast überhaupt nicht mehr von einem Bayram in der Türkei. Die Muslime sollten dieses Fest daher vor allem als Gelegenheit sehen, Deutschland ihren Dank auszusprechen. Natürlich gibt es Probleme und Schwierigkeiten. Die gibt es überall, wo Menschen aufeinander treffen, sogar innerhalb einer Familie, unter Geschwistern. Ganz in der Tradition des Ramadan sollten wir das Schlechte vergessen und uns an das Gute erinnern. Der Ramadan Bayram bietet eine Gelegenheit, um den ersten Schritt zu machen. Ich wünsche allen Muslimen ein frohes Ramadan Bayram.

Bayramınız mübarek olsun!

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Hamed Abdel-Samad, Barbara Köster, Egidius Schwarz.

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