Nur die Glaubwürdigkeit zählt

Elmar Theveßen22.09.2013Politik

Noch ist nicht alles klar, aber eines ganz gewiss: Diese Wahl wurde an Hand der Glaubwürdigkeit entschieden – gewonnen wie verloren.

Noch ist nicht alles klar, aber eines ganz gewiss. Bei dieser Wahl ging es nur um: Glaubwürdigkeit. Deshalb der Zulauf für die AfD. Deshalb das historische Aus für die FDP, die mit höchster Glaubwürdigkeit in die Regierung startete und alles verspielt hat – schade. Die Verantwortlichen heißen Rösler, Brüderle und Westerwelle – mit ihnen kann es keinen Neuanfang geben.

Die SPD hat im Wahlkampf die Lage Deutschlands schlechter gemacht, als sie wirklich ist. Sie war unglaubwürdig, weil sie ihren Kandidaten in Themen zwang, die nicht zu ihm passten. Und weil andere sich zu schade waren, gegen Angela Merkel anzutreten.

Grüne-Spitzenkandidaten unglaubwürdig

Und die Grünen wollen jetzt ein harte Analyse? Hier ist sie: Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt waren unglaubwürdig, weil sie ihre Wähler zu Themen zwangen, die nicht zu denen passen, genauso wenig, wie eine offenbare Regelungswut. Die Partei muss endlich begreifen, dass viele ihrer Wähler jung, urban und konservativ sind. Bewahrend wie die CDU, die vermutlich manche sonst grüne Stimme für sich gewinnen konnte. Deshalb müssen die Grünen sich endlich öffnen für eine schwarz-grüne Koalition auch im Bund.

Damit sind wir bei der großen Siegerin. Angela Merkel wurde gewählt wegen ihrer Glaubwürdigkeit. Nicht weil, sondern obwohl die Kanzlerin einen Wohlfühlwahlkampf machte. Denn die Mehrheit der Bevölkerung will eine verlässliche Regierungschefin angesichts kommender Krisen.

Einmalige Chance für Merkel

Hier liegt die einmalige Chance: Merkels Mehrheit ist so knapp, dass sie einen Partner braucht für stabile Mehrheiten. Sie sollte, ja sie muss mit Rot und mit Grün reden. Große Koalition hatten wir schon. Warum nicht eine, die neu, kreativ und anders ist? In der man sich gegenseitig fordert. Eine erfolgreiche Energiewende, mehr Steuergerechtigkeit und endlich neue Ideen für das Land, auch für die CDU. Und eine bärenstarke Opposition von SPD und Linke.

Deshalb sollte es bei den Koalitionsverhandlungen allen – im Bund und in Hessen – weiter um eines gehen: Glaubwürdigkeit. Das eröffnet neue Chancen und verbietet andere.

_Der Text ist Teil einer Kooperation mit “heute.de”:http://www.heute.de/Nur-die-Glaubw%C3%BCrdigkeit-z%C3%A4hlt-29870660.html_

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