Es ist großartig, Mutter zu sein

von Elisabeth Löwenstein9.05.2010Gesellschaft & Kultur

Gebrochene Nasen, Diskussionen über Schlafenszeiten, undefinierbare Tonskulpturen – als sechsfache Mutter muss man mit allem rechnen. Trotzdem: Kinder sind großartig und deshalb ist es großartig, Mutter zu sein.

“Wenn sie klein sind, möchte man sie am liebsten auffressen, und wenn sie groß sind, ärgert man sich, dass man es nicht getan hat”, sagt eine Freundin von mir gern über Kinder. Und sie hat recht. Erst sind sie klein und süß. Dann stehen sie schreiend auf dem Parkplatz, während man selbst auf allen vieren kriechend nach dem ersten Milchzahn sucht. Schließlich war man selbst blöd genug, ihnen zu erzählen, der wäre von Bedeutung. Und spätestens, wenn man zum ersten Mal mit gesengtem Kopf vor dem Klassenlehrer sitzt, fragt man sich, ob man es nicht damals hätte aufessen sollen, als es noch genießbar war.

Kinder sind großartig

Wenn ich auf die letzten 30 Jahre mit meinen sechs Kindern zurücksehe, sehe ich mich meist mit einer kreischenden Zwölfährigen mit blutender Nase in der Notaufnahme stehen. Ich sehe mich mit einer Vierzehnjährigen über Schlafenszeiten diskutieren oder den sorgsam gefertigten Tonkloß einer Siebenjährigen bewundern. So nervenaufreibend sie aber sind, so viele Sorgen man sich auch ununterbrochen macht und egal, ob der Schrank vor misslungenen Muttertagskollagen überquillt, lässt es sich nicht leugnen: Kinder sind großartig und es ist großartig, Mutter zu sein. Jeder einzelne Schritt, den sie machen, ist spannend. Ob der allererste überhaupt, der über die Schwelle der Grundschule, der Uni oder der ersten eigenen Wohnung. Wenn ein Kind seinen ersten Zahn verliert, sucht man ihn vielleicht fluchend zwischen Kopfsteinpflastersteinen. Aber geschundene Knie sind den Stolz, mit dem es später seinen weißen Beißer den angewiderten Anwesenden unter die Nase hält, allemal wert.

Wo bleibt der Großmuttertag?

Wenn ich noch einmal zurücksehe, war ich immer stolz, dass mein Kind trotz gebrochener Nase tapfer war und dass eine Vierzehnjährige so geschickt diskutiert. Selbst eine Kiste voller Tonklöße rührt mich noch heute. Ich habe sechsmal erleben dürfen, was es heißt, Mutter zu sein, und seit fünf Monaten kann ich erleben, was es für meine Tochter heißt. Und wenn es großartig ist, Mutter zu sein, ist es noch großartiger, Großmutter zu sein – für die es übrigens noch keinen eigenen Tag gibt.

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