Immer mehr Depressive - Folgen der Corona-Pandemie | The European

Immer mehr Jugendliche zeigen deutliche Depressionssymptome

Egidius Schwarz2.08.2021Gesellschaft & Kultur, Medien, Wissenschaft

Die Corona-Pandemie hat gravierende Auswirkungen auf den Seelenhaushalt von Kindern und Jugendlichen. Zu diesem Befund kommt eine neue Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung. Demnach ist die Zahl der Depressionen unter jungen Menschen in die Höhe schossen.

Corona-Ausbruch, geschlossen, Quelle: Shutterstock

Es ist erschreckend. Nicht nur die Zahl der Menschen, die am sogenannten Long-Covid-Syndrom leiden, schießt katapultartig in die Höhe, auch die Menschen, die durch Corona ihren Job verloren haben oder in Kurzarbeit treten mussten, liegt derzeit auf dem Höchststand. In dieser für die Gesellschaft an sich misslichen Lage kommt jetzt hinzu, dass die Zahl der Jugendlichen mit Anzeichen einer Depression weiter ansteigt Zu diesem Befund kommt eine Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, die sich in erster Linie auf den ersten Corona-Lockdown im vergangenen Jahr bezieht. Laut Experten ist die Zahl insonderheit der Altersgruppe der 16- bis 19-Jährigen extrem angestiegen. Der Prozentsatz der Betroffenen hatte sich von damals von zehn Prozent auf etwa 25 Prozent erhöht.

Auch die Hochrechnungen zeigen einen erschreckenden Befund. So ist die Gesamtzahl der bundesweit betroffenen Jugendlichen damals dementsprechend auf rund 477.000 gestiegen. Grund waren in erster Linie die Auswirkungen von Schulschließungen.

Schulschließungen hatten gravierende Auswirkungen

So konnte das Bundesinstitut nachweisen, dass der Wert auf Selbsteinschätzungen der Jugendlichen auf typischen depressiven Symptomen beruhte. Zwar seien nicht alle Betroffenen an Depressionen erkrankt, dennoch kommt die Studie zu dem Schluss, dass die Folgen von Schulschließungen auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen „offensichtlich gravierender“ waren als bisher angenommen. Viele Politiker unterschiedlicher Couleur fordern daher, dass die Schulen offenbleiben müssen, das sollte die vorrangige Priorität haben.

Die Untersuchung kam zudem zu dem Schluss, dass sich das die Zeit von Homeschooling und Distanzunterricht sehr unterschiedlich auf den persönlichen Lern- und Entwicklungsstand von Jugendlichen ausgewirkt habe. Immerhin sind zwei von drei jungen Menschen trotz mancher Schwierigkeiten relativ gut durch die Krise und die Einschränkungen gekommen. Positiv zu vermerken sei hier immerhin, dass diese dadurch zusätzliche Kompetenzen etwa im Bereich der Digitalisierung mehr Selbstständigkeit erworben hätten.

Weitaus schlimmer traf es hingegen Kinder und Jugendliche aus sogenannten bildungsfernen Familien. Sie wurden durch die Pandemie besonders stark benachteiligt. Das gilt auch für Kinder aus Haushalten, wo Deutsch nicht als Muttersprache gesprochen wird. Die schlimmste Befürchtung, die das Bundesinstitut verzeichnete, war, dass sich bei einigen Kindern auch Lernrückstände und psychische Probleme nun wechselseitig verstärken. Nun sei es wichtig, um langfristig die Defizite zu beheben, dass der Lerndruck nicht so stark aufgebaut wird und daher ein Ausgleich von Bildungsdefiziten möglich werde. Dies sei aber ein „langfristiger Prozess.

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