Denkmal-Sturm: „Cancel Culture“ in München | The European

Das planen Münchner Kulturfunktionäre mit vielen Denkmälern

Egidius Schwarz20.08.2021Medien, Politik

Zuerst fielen in den USA Denkmäler von Patrioten der Befreiungskriege, jetzt will man auch in Deutschland Statuen und Kriegerdenkmäler stürzen. Ganz vorn mit dabei die Landeshauptstadt München. Die Stadt stuft ihre Bismarck-Statuen und Kriegerdenkmäler als „fragwürdig“ ein.

Eine Frau greift dem Bronzedenkmal Julia am Alten Rathaus an die Brust. Seit 1974 steht die Figur an dem Platz und ist ein Geschenk der Partnerstadt Verona. Viele reiben an Julias Brust, um Glück in der Liebe zu bekommen, Foto: picture alliance/dpa | Peter Kneffel

In München geht es rund, zumindest wenn es um eine neue Cancel Culture geht. Selbst der Schriftsteller Erich Kästner geriet unter Verdacht, sein Straßenname sollte fallen. Dabei war der Autor von „Emil und die Detektive“ alles andere als ein Nazi, er war einer der aktivsten Widerstandskämpfer, sah der Verbrennung seiner eigenen Bücher sogar höchstpersönlich zu. Doch entgegen Thomas Mann, Berthold Brecht und anderen emigrierte Kästner während der NS-Diktatur nicht ins Ausland. Das kreidet man ihm zumindest in München an. Sein Name bleibt – wenn es um Umbenennungen von Straßen geht – weiter auf einer Roten Liste.

Doch die emsigen Wächter der politischen Korrektheit schwingen in München weiter die Keule. So ist das Kriegerdenkmal in Giesing Stein des Anstoßes. In München will man weiter an Reiterbildern, Bismarck-Statuen und Kriegerdenkmälern sägen. So ist die Statue der Traurigen Julia im Herzen der Stadt nun Stein des Anstoßes. Die Bronzestatue, die seit 1974 in Münchens Mitte, am Marienplatz steht und ein Geschenk der Partnerstadt Verona ist, die an Shakespeares „Romeo und Julia“ erinnern will, gilt dem Kulturreferat als zu frauenfeindlich. Dagegen ist sie bei Touristen äußerst beliebt. Sowohl Touristen als auch Münchner reiben an ihrer Brust, um Glück in der Liebe zu haben. Für den parteilosen

Kulturreferenten Anton Biebl (59 ist das zu viel. Er hat die Julia auf eine Liste mit anderen Denkmälern in München gesetzt. Für Biebl sind „diese Denkmäler fragwürdig geworden“.

Wie man aus dem Kulturreferat hört, sind viele Kunstwerke „in Bezug auf Nationalismus, Demokratiefeindlichkeit, Militarismus“ und Kolonialismus mittlerweile untragbar. Anstelle von hegemonialen Männlichkeitsbildern, einer Unterrepräsentation von Frauen und damit der Diversität wünsche man sich eine kritische Betrachtung.

Im Visier der Korrektheits-Keule steht auch der Bismarck­Brunnen am Wensauerplatz, das Kriegerdenkmal in der Bäckerstraße in Pasing, der Bismarckturm in Starnberg/Berg, das Kriegerdenkmal an der Heilig-Kreuz-Kirche in Giesing und die vielen Reiterstandbilder.

Im Kulturreferat will man diese am besten auf den Müllhaufen der Geschichte werfen. Doch der neuen Cancel Culture stimmen bei weitem nicht alle zu. CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl beispielsweise betont, dass ein „Bildersturm und ein Abreißen von Denkmälern, wie wir es in anderen Ländern erlebt haben“ unangemessen sei.

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