Atomkraft: Lachen uns die Tschechen bald aus? | The European

Tschechien will Deutschland Strom anbieten, wenn die Energiewende scheitert

Egidius Schwarz4.09.2021Medien, Wirtschaft

Schrittweise wird die Bundesregierung bis zum Jahr 2022 alle Kernkraftwerke hierzulande abschalten. Das ist ein elementarer Teil des Energiekonzepts. Nun bietet Tschechien Deutschland Strom beim Scheitern der Energiewende an.

Aktives Atomkraftwerk Gundremmingen, KGG, Deutschland, Bayern,

Foto: imago images / blickwinkel

Es war einen Monat nach der japanischen Atomkatastrophe in Fukushima. Damals verkündete Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Energiewende. So schnell wie möglich sollte der Einstieg in das Zeitalter der regenerativen Energien vollzogen werden. Weg von der Atomenergie, hin zur Ökoenergie – lautet seitdem das Credo der Bundesregierung. Mit geradezu atemberaubendem Tempo hatte die schwarz-gelbe Koalition damals die energiepolitische Kehrtwende eingeleitet. Die Bundesrepublik soll bis zum Jahr 2050 weitgehend treibhausgasneutral werden. So zumindest sehen es der Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung und das Bundes-Klimaschutzgesetz vor. Am 1. Januar 2021 ist dann die neue Förderrichtlinie „Dekarbonisierung in der Industrie“ des Bundesumweltministeriums in Kraft getreten. Die Abkehr vom Kohlenstoff – speziell im Energiesektor – ist das Leitmotiv bei der Dekarbonisierung. Durch die Verbrennung von Kohle, Erdgas oder Öl wird Kohlenstoff freigesetzt und der erreicht als CO2 die Erdatmosphäre. Dies sorgt er für den gefürchteten Treibhauseffekt und führt letztlich zur Erwärmung des Klimas auf der Erde.

Mit Argusaugen beobachtet das Nachbarland Tschechien, welche Folgen das Auslaufen von Atomenergie und Kohleverstromung in der Bundesrepublik haben. In Prag ist man sich insgeheim sicher, dass das wahrscheinlich nicht so reibungslos vor sich geht. Zur Not will man Deutschland unterstützen.

Dies betonte der tschechische Präsident Milos Zeman, der Deutschland aus der Patsche helfen will, falls die deutsche Energiewende scheitert und es zu Versorgungsengpässen kommen sollte. „Wenn es zu einem Mangel an Elektrizität kommt, wird Tschechien als bedeutender Exporteur sehr gerne bereit sein, Strom in die Bundesrepublik zu liefern – zu einem vernünftigen Preis.“

Tschechien baut neue Atomkraftwerke

Am 6. Juni 2011 hatte das Bundeskabinett das sofortige Aus für acht Atomkraftwerke und den stufenweisen Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022 beschlossen und am 30. Juni mit breiter Mehrheit im Bundestag verabschiedet. Am 8. Juli 2011 hat auch der Bundesrat dem Gesetzespaket zugestimmt. Wie der Ausstieg allerdings konkret umgesetzt wird, ist derzeit noch unklar. Auf alle Fälle steht dann aber Tschechien bereit, um Probleme bei einer misslungenen Energiewende mit seinen Atomkraftwerken aufzufangen. Denn anders als in Deutschland hat sich die Regierung in Prag sich zum Ziel gesetzt, den Anteil der Atomenergie an der Stromerzeugung bis 2040 von rund einem Drittel auf die Hälfte auszubauen.

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