„Rettung verpflichtet nicht, Menschen einwandern zu lassen“

Egidius Schwarz29.07.2018Europa, Politik

Ein allgemeines Einwanderungsrecht halte keine Gesellschaft aus, sagt der Historiker August Winkler. Er fordert die EU auf, zwischen Anspruch auf Asyl und Migration zu unterscheiden.

f631809f6b.jpeg

„Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, als gebe es ein allgemeines Menschenrecht, das da lautet: Wir wandern jetzt in einen Staat unserer Wahl ein“, erklärt Winkler im Interview mit dem Deutschlandfunk. Zweifelsohne sei die Rettung von Menschenleben – so auch auf dem Mittelmeer – selbstverständlich, doch verpflichte sie nicht dazu, Menschen in die Europäische Union einwandern zu lassen. „Es wäre Selbstüberhebung zu meinen, man könne auf deutschem, französischen oder britischen Boden die Menschenrechte für alle Welt zu verwirklichen“, ergänzt Winkler im Interview.

Der Historiker ruft insbesondere Deutschland auf, nicht als moralische Leitnation zu fungieren. Das sei in der Vergangenheit immer wieder geschehen – auch wegen des Kompensationsbedarfes aufgrund deutscher Geschichte. Dass immer mehr Bürgerinnen und Bürger von der politischen Mitte nach links oder rechts außen wandern, sei ein Beleg dafür, dass etablierte Parteien nicht auf die Sorgen und Ängste vieler Menschen eingehen würden – diese Entwicklung sei für alle westlichen Demokratien hochgefährlich.

Damit die Anzahl der Migranten sinkt, müsse die EU „viel tun, um objektiven Fluchtursachen entgegenzuwirken“ – das gelte für die Agrarpolitik und für die Entwicklungshilfe. Weitere Ursachen, die häufig nicht thematisiert würden, seien die Überbevölkerung und Korruption in fast allen afrikanischen Ländern.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Der Ausschluss von Stephan Brandner ist ein klares Signal gegen Hetze und Hass

Stephan Brandner von der AfD hat Menschen ausgegrenzt und Hass geschürt. Nun muss er seinen Posten aufgeben - die Abgeordneten des Rechtsausschusses haben ihren Vorsitzenden abgewählt. Einen vergleichbaren Fall hatte es bislang in der Geschichte des Bundestages noch nicht gegeben.

Der Erfolg der AfD liegt in der Austauschbarkeit der Altparteien

30 Jahre nach der Friedlichen Revolution wurde in Thüringen gewählt. Zum dritten Mal in diesem Jahr kann die AFD zum Entsetzen von Medien und Politik einen Wahlerfolg in „Dunkeldeutschland“ (Gauck) feiern. Die linke Mehrheit ist gebrochen, die SPD liegt bei 8,2 %, die AfD macht als zweite Kraf

Kritik am „grünen Expertentum“ gilt als Blasphemie

Kritik am „grünen Expertentum“ gilt als Blasphemie und soll also am liebsten aus den Medien verbannt werden. Zu groß scheint die Angst, als Gaukler entlarvt zu werden.

Wir müssen wieder miteinander streiten lernen

Es hat lange gedauert, aber nun haben auch die liberalen Blätter endlich erkannt, dass etwas schief gelaufen ist mit dem „Haltung zeigen“. Als ich es wagte, ein Buch mit dem Titel „Wir können nicht allen helfen“ zu veröffentlichen, begrüßte mich die Kreuzberger Grünen-Abgeordnete auf d

Wir müssen den Rechtsstaat vor seiner Opferung auf dem Altar der Hypermoral bewahren

Die Geschichte lehrt, wie man sie fälscht, ist mein Lieblingsbonmot des polnischen Satirikers Stanisław Jerzy Lec, das ein Dilemma auf den Punkt bringt. Geschichte wird immer wieder umgeschrieben, so wie es den jeweiligen Inhabern der Deutungshoheit gefällt. Wir erleben gerade in diesen Tagen wie

Nächstenliebe geht anders!

Nächstenliebe geht anders! Alle EU-Abgeordneten von CDU/CSU haben gegen eine Resolution zur Beendigung des Sterbens im Mittelmeer gestimmt. Mit Rechtspopulisten und -extremen haben sie diesen Aufruf zur Menschenrettung mit einer neuen europäischen Seenotrettung und für die Entkriminalisierung der

Mobile Sliding Menu