Post-Privacy bedeutet, sich nackt zu machen. Christian Heller

Aus dem Schatten der großen Schwester

Der Streit zwischen CDU und CSU spitzt sich zu. Kommt es zu einer Trennung der Fraktionsgemeinschaft, würde vor allem die CSU profitieren. Laut einer aktuellen Umfrage käme diese bundesweit auf 18 Prozent.

Merkel gegen Seehofer. CDU gegen CSU. Was nach Wahlkampf zwischen unterschiedlichen politischen Lagern klingt, ist ein innerparteilicher Machtkampf in der Union. Bei der Frage über die Zurückweisung von Flüchtlingen an den deutschen Grenzen beharrt Bundeskanzlerin Angela Merkel auf eine europäische Lösung – Bundesinnenminister Seehofer fordert nationale Maßnahmen. Falls sich die beiden Meinungsführer im erbitterten Asylstreit nicht einigen, droht eine Spaltung der Union.

Was bisher nur ein Gedankenspiel ist, könnte mit der ablaufenden Frist von zwei Wochen Realität werden. Eine Trennung von CDU und CSU. Was würde passieren, wenn die CDU nicht nur – wie bisher – in Bayern auf dem Stimmzettel stünde? Eine repräsentative Umfrage (Insa) liefert die Antwort: Die CSU käme bundesweit auf 18 Prozent der Wählerstimmen – nur vier Prozentpunkte weniger als die Schwesterpartei CDU (22 Prozent), die im Umkehrschluss dann auch in Bayern wählbar wäre. Damit wäre die CSU zweitstärkste Kraft in ganz Deutschland.

Die Zahlen zeigen, dass der Asylstreit also in erster Linie der CDU und der Bundeskanzlerin schadet. Merkel, die von ihrer Forderung einer europäischen Lösung in der Asylfrage nicht abrücken will, droht im Streit mit der Richtlinienkompetenz. Eine Entlassung des Innenministers Seehofer, falls dieser nicht gehorcht? Anders ist diese Aussage nicht zu verstehen. Der CSU-Chef lässt sich davon nicht beeindrucken und bekräftigt auf einer Pressekonferenz vergangenen Montag seine Meinung: In anderen EU-Ländern registrierte Migranten, müssten an den deutschen Grenzen zurückgewiesen werden dürfen, so Seehofer.

Offenbar schadet die hitzige Diskussion nicht nur der CDU und Bundeskanzlerin Merkel, sondern der Union generell. Die Umfragewerte von CDU/CSU sind jüngst auf ein Rekordtief von 29 Prozent gesunken, während die SPD von den innerparteilichen Machtkämpfen der Union profitiert und deshalb zwei Prozent zulegt (19 Prozent), gefolgt von der Linkspartei (zwölf Prozent), der AfD (elf Prozent), den Grünen (zehn Prozent) und der FDP (sechs Prozent).

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: The European Redaktion, Dokumentation - Texte im Original, Peter Hausmann.

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Angela-merkel, Csu, Cdu

Debatte

Asyl ist ein Grundrecht

Medium_3c459aa548

Deutschland ist eine Einwanderungsgesellschaft

Wir begrüßen alle sozialen Bewegungen, die dem Kulturkampf von rechts etwas entgegensetzen., schreiben Sahra Wagenknecht, Dietmar Bartsch, Katja Kipping, Bernd Riexinger in einem Positionspapier. weiterlesen

Medium_6337c9a454
von Sahra Wagenknecht
30.11.2018

Debatte

Rechtspopulisten missbrauchen UN-Migrationspakt

Medium_a9f2c69c9f

Migrationspakt: „Das Chlorhühnchen der Braunen“

Rechtspopulisten missbrauchen den UN-Migrationspakt, um gutgläubige Menschen mal wieder aufzuhetzen. Sie verweigern die Mitarbeit an einer Lösung, die sie selbst andauernd anmahnen. Die vorsätzlich... weiterlesen

Medium_17a8bd222b
von Wolf Achim Wiegand
26.11.2018

Debatte

Zusammenhalt, Wertegemeinschaft, Integration

Medium_fe7151164f

Was wird aus den Globalisierungsverlierern in Deutschland?

Bei der links-grünen Willkommenseuphorie bleibt allerdings die Frage unbeantwortet, was mit den Globalisierungsverlierern in Deutschland werden soll, wenn es um die Verteilung staatlicher Hilfen fü... weiterlesen

Medium_40985da728
von Wolfgang Sachsenröder
24.10.2018
meistgelesen / meistkommentiert