Was vom Papste übrig blieb

Eberhard von Gemmingen7.11.2009Gesellschaft & Kultur

Im Vergleich zu seinem Vorgänger, Johannes Paul II., hat es Benedikt XVI. bisher nicht geschafft, in seiner Rolle als Papst zu glänzen. Im Kampf gegen die oberflächliche Medienkultur hat er wenig Talent für öffentlichkeitswirksame Auftritte bewiesen. Im Gegenteil: Heikle Themen wurden schlecht kommuniziert.

Es ist immer sehr schwer, im Schatten eines bedeutenden Menschen zu stehen. Benedikt steht im Schatten von dem “Titan” Wojtyla. Die Menschheit erwartet heute von einem Papst außerordentlich vieles. Er muss mit Politikern, Wissenschaftlern, Journalisten, Jugendlichen, Kindern leicht, verständlich, professionell umgehen können. Er muss Sprachen beherrschen, sich in verschiedensten Bereichen souverän bewegen, auf “allen Hochzeiten tanzen”. Doch das geht nicht.   Es kommt dazu, dass er einer Welt, die vom Allerhöchsten nicht allzu viel wissen will, die Botschaft vom Reich Gottes verkünden soll. Wenn schon Jesus von Nazareth wegen seiner Botschaft am Kreuz endete, dann kann es eigentlich einem Papst nicht viel anders gehen. Papst Benedikt verkündet das Reich Gottes in hervorragender Weise. Jeden Mittwoch und jeden Sonntag ist der Petersplatz überfüllt von Menschen, die ihn hören wollen. Die ersten beiden Enzykliken waren “Renner”. Bei seinen Pastoralreisen kam er bei den Menschen, die zu seinen Messen kamen, sehr gut an. Intellektuelle, Wissenschaftler und Politiker waren von seinen Ausführungen sehr angetan. Ich nenne einige Höhepunkte: In den USA traf er Missbrauchsopfer und betete am Ground Zero, in Paris sprach er vor Intellektuellen, in Köln wurde er von einer Million meist junger Menschen gefeiert, in Israel bejubelten ihn vor allem die Palästinenser.

Heikle Themen wurden schlecht kommuniziert

Dennoch haben manche Beobachter den Eindruck, das Pontifikat Benedikts sei blass, farblos, ohne Akzente, ohne große Linie und ohne Schwung. Teilweise liegt das am Dasein im Schatten eines “Überfliegers”. Teilweise liegt es aber auch daran, dass päpstliche Entscheidungen von seinem Stab nicht gut vorbereitet, erklärt und vermittelt werden. Also ein Defekt der Administration. Denn Papst Benedikt ist kein “einfacher Papst”. Angesichts des Niedergangs kirchlichen Lebens in Europa versucht Papst Benedikt ungewohnte Schritte, die gut erklärt werden müssten: die Rücknahme der Exkommunikation der Lefebvre-Bischöfe, die Zulassung der tridentinischen Liturgie, die Karfreitagsfürbitte und anderes. Ich vermute, dass die Reaktion der Weltöffentlichkeit freundlicher gewesen wäre, wenn diese Entscheidungen gut vorbereitet und erklärt worden wären.  

Kampf gegen die Medien

Es liegt natürlich auch daran, dass die Welt derzeit einen kleinen “Kulturkampf” erlebt. Oberflächliche und unterhaltsame Schlagzeilen stehen gegen die Verkündigung von humanen Werten. Die Mehrheit der Menschen lässt sich im Sinn der Spaßgesellschaft mit Halbwahrheiten, mit Prickelndem, mit Aufgebauschtem abspeisen. Beispiel dafür ist die Schlagzeile: “Papst rehabilitiert einen Holocaustleugner.” Diese Schlagzeile war immer falsch. Aber sie zieht. Wenn der Vatikan nicht ebenso clever agiert wie die Medien, zieht er bei diesem Spiel den Kürzeren. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass die Botschaft eines katholischen Papstes immer gegen den Strich der Weltmeinung gebürstet sein muss. Papst Johannes Paul II. sagte auch vieles, was kritisiert wurde und nicht glatt “runterging”. Aber er konnte durch sein Öffentlichkeitstalent und sein öffentliches Leiden gegensteuern. Daher wird er heute auch von der “Welt” bewundert. Wer weiß: Vielleicht kommt die öffentliche Bewunderung von Papst Benedikt auch erst nach seinem Tod.

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