Nicht viel fragen, Krake sagen

von Eberhard Lauth16.07.2011Außenpolitik, Gesellschaft & Kultur, Innenpolitik

Wer über Google berichtet, neigt zu überzogenen Vorwürfen. So wie einst einer der emsigsten Kritiker des Suchmaschinenkonzerns: Rupert Murdoch.

In dieser Woche konnte man wieder einmal die Genese einer im deutschsprachigen Raum gerne gepflegten journalistischen Textsorte beobachten. Es handelte sich dabei um einen sogenannten Huch-die-böse-Datenkrake-Google-Text. Dessen Eckpfeiler lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: In einem amerikanischen Journal wird über Interna und Entwicklungen des Suchmaschinenkonzerns Google berichet (in diesem Falle war’s “AdAge(Link)”:http://adage.com/article/digital/google-readies-ambitious-plan-web-data-exchange/228637/). Ein für ein deutschsprachiges Medium tätiger Journalist entdeckt darin Schlagworte, die in das Raster Datenkrake, Datenmissbrauch und Hysterie passen (in diesem Fall im Zusammenhang mit der Entwicklung ausgeklügelter Datenaggregation, um – auch von Medienorganistionen auf ihren Websites gerne genutztes – anonymisiertes Targeting zu verbessern). Und daraus entsteht dann ein tendenziöser Artikel, der verkündet, Google plane im großen Stil den Verkauf persönlicher Daten (“in diesem Fall etwa in der „Süddeutschen“ zu lesen(Link)”:http://www.sueddeutsche.de/digital/gespeichterte-nutzerdaten-google-plant-die-super-datenbank-1.1119600).

Übers Ziel hinausgeschossen

Google tut das aber gar nicht, wie Thomas Knüwer “hier(Link)”:http://www.indiskretionehrensache.de/2011/07/von-suddeutsche-bis-ard-deutschlands-medienjournalismus-mutiert-zur-propaganda/ erklärt. Schließlich wäre das eine tatsächliche Zumutung für jeden Kunden und ein Knieschuss für einen Konzern, “der im Quartal 9 Milliarden Dollar brutto umsetzt(Link)”:http://www.zdnet.de/news/41554931/google-verzeichnet-umsatz-und-gewinnsteigerung-im-zweiten-quartal.htm – aber hey, ist die Steilthese mal draußen, lässt sich nichts mehr machen. Und ist Datenschutz nicht ein solch wichtiges Thema unserer Zeit, dass man nicht auch einmal mit einem weiteren Huch-die-böse-Datenkrake-Google-Text übers Ziel hinausschießen kann? Im Sinne einer Sensibilisierung der Öffentlichkeit vielleicht? Hm. Sagen wir mal so: Google ist das geringste Übel. Eine “pervertierte Medienindustrie(Link)”:http://www.zib21.com/17982/ebelau/dreck-ist-tot/, in der Rücktritte wie der von Rebekah Brooks eine ganze Woche dauern – das ist ein Übel. Gekennzeichnet von systematischer Korruption und Niedertracht, um die Geschäfte anzukurbeln. Inklusive Missachtung von Daten- und Opferschutz. Und mit einer Handvoll strafrelevanter Tatbestände mehr.

Murdoch+

Nun haben Google und die Vorgänge um Rupert Murdochs News Corporation auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun. Google ist trotz vieler Huch-die-böse-Datenkrake-Google-Texte über alle oben genannten Vorwürfe erhaben. Aber, und das ist eine besonders schöne Ironie der Geschichte: Die Vorwürfe könnten nun gerade jenem zum Verhängnis werden, der dem Suchmaschinenkonzern früher am liebsten die “Pest an den Hals gewünscht(Link)”:http://www.zib21.com/6409/ebelau/rupert-murdoch-paid-content-fair-use-und-das-verbot-des-denkens/ hätte: Murdoch. Als prototypischer Stellvertreter einer überalterten Medienindustrie hat er sich neuen Realitäten der Mediennutzung konsequent verweigert. Doch seinen Titeln erwuchsen sie trotzdem zur Konkurrenz – so sehr, dass er verbrecherische Recherchemethoden billigte, um die Leser doch noch irgendwie zu halten. Wäre so eine Verlotterung der Sitten bei einem Konzern wie Google denkbar, fragte “Jeff Jarvis(Link)”:https://plus.google.com/105076678694475690385/posts/QPJf3sDV78n kürzlich auf Google+. Es war natürlich eine rhetorische Frage, denn dazu müssten vorher die in zahlreichen Huch-die-böse-Datenkrake-Google-Texten dokumentierten Missetaten bewiesen werden. Und das wird sich nicht einmal mit den Methoden von Murdochs Mitarbeitern ausgehen.

KOMMENTARE

MEIST KOMMENTIERT

Die erstaunlichen Geschäfte der Greta Thunberg-Lobby

Greta Thunberg bricht mit einem Segelboot in die USA auf. Das globale Medienspektakel um die Klimaschützerin erreicht einen neuen Höhepunkt. Doch im Hintergrund ziehen Profis ihre PR-Strippen und machen erstaunliche Geschäfte.

"Ganz klar die Ausländerkriminalität."

Vor einigen Wochen stellte Friedrich Merz völlig zu Recht - aber natürlich auch völlig entsetzt - fest, dass sehr viele Polizisten und Soldaten mittlerweile Unterstützer der Alternative für Deutschland sind.

Der Rest der Welt hält Deutschland für verblödet

Deutschland ist nur für kaum mehr als 1 % des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich ist, während China, der größte Emittent, vom Pariser Klimaschutzabkommen das Recht auf Steigerung seiner CO2-Emissionen eingeräumt bekommen hat. Die politisch herbeigeführte Verelendung der deutschen Bevölk

Die SPD tut eigentlich sehr viel für die Menschen

Die Halbzeitbilanz entscheide über den Verbleib der SPD in der GroKo, sagt die kommissarische Parteichefin Schwesig. Was sie weiter saghte, sehen Sie hier!

Unsere Positionen sind keineswegs AfD-nah

Gern unterstellen unsere Gegner der WerteUnion, unsere Positionen seien AfD-nah. Die Realität ist aber, dass die WerteUnion Positionen vertritt, die über Jahrzehnte unbestritten Positionen der CDU/CSU waren. Leider hat die alte Parteiführung diese Positionen in den letzten Jahren aber über Bord

Warum Sie aus der Klimakirche austreten sollten

Es gibt in der Wissenschaft unterschiedliche Meinungen darüber, ob es eine allgemeine Klimaerwärmung gibt und welchen Anteil der Mensch daran hat. Diese unterschiedlichen Positionen werden von Politik und Systemmedien nicht offen diskutiert; vielmehr wird wahrheitswidrig behauptet, dass nur ein un

Mobile Sliding Menu